Besuch im MTB-MuseumReporter Holger Meyer unterwegs in Holland

Holger Meyer

 · 15.08.2026

Jeroen van Roekel in seinem Reich.
Foto: Jeroen van Roekel
Das vielleicht spannendste MTB-Museum findet man in Holland. Hier hat Jeroen van Roekel eine alte Schule umgebaut. Unser Reporter Holger Meyer war dort.

​Die alten Schultüren schwingen beidseitig auf wie im Westernsaloon, als ich das Mountainbike Museum in Arnheim betrete. Dahinter steht Jeroen van Roekel – ein ruhiger, freundlicher Mann, der Deutsch mit charmantem niederländischem Akzent spricht. Lässig lehnt er hinter einer selbstgebauten Bar aus Holz. Davor stehen flauschige Barhocker mit Fellbezug, die aussehen, als hätten sie schon unzählige Bike-Geschichten gehört. „Bist du auch Bike-Freak?“, fragt er mich, noch bevor ich richtig angekommen bin. Ich nicke. Ein paar alte Schätze stehen bei mir zu Hause – Yeti, Panasonic, alte GTs und natürlich 25 Jahre Scott-Geschichte. „Ich bin alt“, sage ich. Jeroen lacht.

Hinter dem Museum liegt ein hügeliges Waldgebiet. Ein legales und gepflegtes Trailnetz – ein Projekt, das Jeroen vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Eine ehemalige Schule, umfunktioniert zum Museum, dahinter ein Trailpark: ein Mountainbike-Märchen, das kaum jemand kennt. Warum eigentlich nicht? Jeroen zuckt mit den Schultern. Unterstützung aus der Industrie? Kaum. Hilfe vom Staat? Keine. Und selbst arbeiten kann er nicht mehr – sein Sehvermögen liegt bei nur einem Prozent auf dem einen und sechs Prozent auf dem anderen Auge. „Also mache ich das Museum. Vollzeit“, sagt er. Eintritt frei. Alles auf Spendenbasis. Alles aus Leidenschaft.

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Im Museum Beim Rundgang fühle ich mich wie auf einer Zeitreise. Klassenzimmer für Klassenzimmer erzählt das Museum vier Jahrzehnte Mountainbike-Geschichte. Die Bikes stehen fein säuberlich nach Baujahren sortiert. Von der Decke hängen unzählige Rahmen, die geduldig auf ihre Wiedergeburt warten. Manche haben Jahrzehnte auf dem Buckel, andere galten einst als Ikonen der Szene. Jeroen erzählt von seinen Schraubern, ehrenamtlichen Helfern, die unter der Woche kommen und alte Räder wieder zum Leben erwecken. Am Wochenende öffnet er das Museum. In der alten Turnhalle lehnen rund tausend Federgabeln an den Wänden. Besucher können hier ihr Sandwich essen und in Nostalgie versinken.

Highspeed-Bolide: Das Rekordbike von Giovanna Bonazzi (158 Km/h auf Schnee).Foto: Holger MeyerHighspeed-Bolide: Das Rekordbike von Giovanna Bonazzi (158 Km/h auf Schnee).

Die Highlights ... Für mich ist es das Speed-Rekordbike von Giovanna Bonazzi – der Downhill-Queen der 90er-Jahre. Und das polierte Subaru-Bike mit zuschaltbarem Allradantrieb. Natürlich gefällt mir auch der alte, hellblaue VW-Bus, mit dem Jeroen und sein Team zu Retro-Bike-Events reisen. Immer mit alten Bikes im Gepäck und immer begleitet von Schallplattenmusik. Am liebsten AC/DC. „Eben wie früher“, sagt er. Doch das Projekt ist fragil. Es lebt von Leidenschaft – und von wenigen Menschen, die verstehen, wie wichtig es ist, die Geschichte des Mountainbikens nicht nur zu bewahren, sondern erlebbar zu machen.

Jeroens Vision für die Zukunft ist klar: Mit dem Museum möchte er einen Ort schaffen, an dem alte und junge Biker zusammenkommen und die Wurzeln ihres Sports entdecken können. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie viele Menschen sich von dieser Idee begeistern lassen. Was Jeroen hier geschaffen hat, ist mehr als ein Museum. Es ist ein Stück Kulturgeschichte. Ein lebendiges Archiv. Ein Ort, an dem man spürt, warum Mountainbiken mehr ist als nur ein Sport. Es ist Leidenschaft. Es ist Enthusiasmus. Und vielleicht brauchen wir tatsächlich mehr Leute wie Jeroen – Menschen, die für die Szene brennen, wenn es sonst keiner tut.

Vorbauten aus einer anderen Zeit.Foto: Holger MeyerVorbauten aus einer anderen Zeit.

Wer ihn unterstützen möchte, hat viele Möglichkeiten: mit einem Besuch, einer Spende, dem Kauf eines Merchandising-Artikels oder sogar mit der Übergabe eines alten Bikes, von dem man sich nie trennen konnte, weil zu viele Erinnerungen daran hängen. Hier findet es ein neues Zuhause.

Doch nicht jedes Bike wird aufgenommen. Mittlerweile ist Jeroens Fundus beachtlich gewachsen. Gesucht werden vor allem echte Raritäten oder Modelle, die in einem besseren Zustand sind als die Exponate, die bereits in Arnheim stehen. Und Jeroen? Der steht wieder hinter seiner Bar, schenkt Kaffee ein und sagt: „Es geht mir nicht ums Geld. Es geht um die Geschichte.“

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