MeinungNicht Grüßen beim Biken? Geht gar nicht!

Meinung: Nicht Grüßen beim Biken? Geht gar nicht!Foto: Cecep Rahmat/Unsplash
Auf der Straße grüßen sich Rennradfahrer/innen, auf dem Trail Mountainbiker/innen, auf der Waldautobahn Gravelbiker/innen. Manchmal wird sogar cross-gegrüßt. Lästig oder Must-have? Wir finden: Nicht Grüßen - geht gar nicht!

“Lästig” empfindet unser Kollege Dimitri Lehner, der nach der Arbeit auf seinem Gravelbike am liebsten ganz allein und ohne Begegnung nach Hause fährt. Nur er und sein Bike. Aber dann sind da andere Leute auf Gravelbikes. Und die grüßen, reißen ihn aus seinen herumschweifenden Gedanken, ja zwingen ihn zum Gegengruße. Schlimmer noch, sobald ihm jemand auf einem Breitreifenfahrrad mit gebogenem Lenker entgegen kommt hat er Stress. Muss ich grüßen? Reicht es, die Finger leicht zu heben? Reicht ein Nicken? Reicht ein Grinsen? Er wünscht sich, lasst es sein, das Grüßen.

Als wir, mein Kollege Marc Strucken und ich, seinen Meinungs-Artikel zum lästigen Gravelgruß gelesen haben, wussten wir, es gibt mindestens noch eine zweite Seite der Medaille. Die wollen wir beleuchten. Und schon mal vorweg: Rick Zabel, Ex-Rennradprofi und Sohn des berühmten Erik Zabel, ist derselben Meinung wie wir!

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Gruß als Geste des Miteinanders - Sandra Schuberth

In unserer Gesellschaft ist so oft ein Gegeneinander zu beobachten, Autofahrer gegen Radfahrer, Radfahrende gegen zu Fuß Gehende und, ja auch das: Radfahrende gegen Radfahrende. Ein Gruß im Walde mag eine Kleinigkeit sein, aber er ist auch eine starke Geste, eine des Miteinander und der Herzlichkeit.

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Wenn das Herz bricht

Dieses Miteinander wird jedoch immer wieder auch sehr eingeschränkt. Wenn manch eine, wie ich, außerhalb der Stadt alle Menschen auf Fahrrädern grüßt, gibt es andere, denen sind die Socken nicht weiß genug oder haben die falsche Länge, die Brille nicht schnell genug oder die Brillenbügel unter dem Helm-Riemen. Schon erlebt: das Nicht-Grüßen wird sogar manchmal erläutert. “Wir reden nicht mit Leuten, die Taschen am Rad haben”, wurde meinem Freund zugemault, als er auf dem Rennrad andere Leute auf dem Rennrad überholte und freudig ob des ersten schönen Frühlingstages ein nettes Grußwort verlor.

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Auch ohne Handzeichen, kann man sehr freundlich einander auf dem Rad begegnen.Foto: Storychief KI/Marc StruckenAuch ohne Handzeichen, kann man sehr freundlich einander auf dem Rad begegnen.

Grüßen ab der Stadtgrenze? - Marc Strucken

Schon bei meinem MTB-Runden aus München heraus ist sie mir aufgefallen: die Grünwalder-Gruß-Grenze. Bis zum Ortrand von München im Süden ist der Gruß - und leider auch oft die Nach-, Um- und Rücksicht - eher die Ausnahme. Mit ansteigender Entfernung zum Münchener Stadtzentrum, aber sprunghaft ab der Grünwalder Brücke, steigt die Zahl derer, die freundlich Grüßen - und auch an Engstellen mal zurückstecken und rücksichtshalber den Gegenverkehr passieren lassen.

Und die Tendenz setzt sich fort! Ich wohne nun seit anderthalb Jahren im Münchner Umland, circa 35 km vom Zentrum. Hier im Outback verhält es sich sogar umgekehrt: Man grüßt sich wohlmeinend, von Gravel zu MTB, von Joggingschuh zu Rennrad - von Sportlerin zu Sportler eben. Auffällig ist jetzt: Der gestresste Stadt-Biker und die überperformante City-Racerin ziehen grußlos ihre brennende Spur in die Dorfstraße, die Einwohner/innen wundern sich mit in der Bewegung erfrorenem, unerwidertem Gruß. “Die Münchner wieder!”...

Stadtstress als Grund für Gruß-Allergie?!

Der Küchenpsychologe Dr. Prof. G.E. Hirn erklärt: Die physikalische Enge und Gedrängtheit der Großstadt, das gesteigerte Lebenstempo der dort Wohnenden haben eine gesunkene Bereitschaft zur willkürlichen Kontaktaufnahme mit anderen zur Folge. Sprich: Lass mich in Ruh’ - dann lass ich dich in Ruh’.

Niemand verlangt, auf gesteckt vollen Straßen ständig alle Radler/innen zu grüßen. Das wäre in der Tat mindestens nervig, zum Teil auch gefährdend. Aber eine gute Portion Entspanntheit - wir sind schließlich größtenteils beim Freizeitsport - mit einer gesunden Packung Rücksicht, würde das Radfahren in der City und auch drumherum für alle nicht nur fröhlicher, sondern sogar sicherer machen. Die, die ich grüße, sehe ich auch; und sie mich. Und nicht wie der unselige Biker, der unlängst einen unserer Kollegen - selbst auf dem Rad - schlicht über den Haufen fuhr.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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