Laurin Lehner
· 03.10.2023
20 Jahre M.O.D. - das Masters of Dirt feiert in diesem Jahr Jubiläum. Seit 2007 gibt’s die Show, in der Inlineskater, Scooter-Fahrer, Biker, BMXer, Motocrosser und Schneemobilfahrer ihre wildesten Tricks vorführen. Gründer und Veranstalter Georg Fechter (36) spricht im FREERIDE-Interview über die Faszination Indoor-Show sowie Höhen und Tiefen aus der 20-jährigen Geschichte des feurig-heißen Action-Spektakels.
FREERIDE: Georg, das Masters of Dirt feiert sein 20-Jahre-Jubiläum. Was macht die Faszination Indoor-Show in Deinen Augen aus?
GEORG FECHTER: Es ist ein Trickfeuerwerk. Nicht vorm Bildschirm, sondern hautnah. Indoor heißt auch, es gibt kein Wind, der die Show ins Stocken bringt. Ich hab’ schon alles gesehen, und trotzdem stellt es mir die Haare nach 20 Jahren noch immer auf.
Bei Euch starten Inlineskater, Scooter-Fahrer, Biker, BMXer, Motocrosser und Schneemobilfahrer. Wer kommt bei den Zuschauern am besten an?
Die Motocrosser zeigen die größte Airtime. Biker, Scooter-Fahrer und BMXer glänzen dagegen mit komplexen Tricks. Am besten kommen Kids, Frauen und Lokalmatadore an. Unser jüngster Athlet ist Samy Fernbach. Er begann mit drei Jahren auf dem Laufrad, mit zwölf Jahren zog er vor 9000 Zuschauern einen Doublebackflip in Innsbruck.
Verrückt, doch welche Sportart zieht am meisten?
Die Zuschauer drehen bei sogenannten Trains durch. Also, wenn alle Athleten gleichzeitig durch die Luft wirbeln.
Du willst Dich nicht festlegen?
(Lacht) Es ist vermutlich ein bisschen wie bei den eigenen Kindern, da will man auch keinen Favoriten nennen.
So eine Show lebt vom Zusammenspiel aus Action, Unterhaltung und Pyrotechnik. Wie wichtig ist die richtige Abmischung des Programms?
Sehr wichtig. Es geht darum, das Feuer im Publikum zu entfachen und die Stimmung langsam zu steigern – bis zum Höhepunkt. Natürlich sind die Protagonisten ausschlaggebend und die Stunts. Alles ist einstudiert und wurde im Vorhinein lange geübt. Gerade, wenn alle Fahrer gleichzeitig durch die Luft wirbeln. Hierfür ist eine lupenreine Koordination notwendig. Kein Zuschauer will Augenzeuge eines Massen-Crashs werden.
Ist schon mal etwas schiefgegangen?
Nein, dafür studieren die Athleten die Reihenfolge aber auch penibel ein. Zudem haben wir spezielle Leute, die koordinieren.
Gibt es Athleten, die Du gerne in Deiner Show hättest, aber nicht bekommst?
Klar gibt es die. Zum Beispiel der BMXer Ryan Williams. Doch das ist gar nicht so einfach, denn er hat Exklusivverträge mit Nitro Circus. Verrückt wäre natürlich ein Gastauftritt von Travis Pastrana, ich glaube, er ist von uns allen ein großes Vorbild.
Du sprichst Nitro Circus an, ist das eine Show, die Dich inspiriert?
Vom Trickniveau ja. Sie haben starke Athleten. In Sachen Inszenierung können aber eher die etwas von uns lernen.
Das klingt selbstbewusst. Manche behaupten, Nitro Circus sei das Original, Masters of Dirt ein europäischer Abklatsch.
Wir sind Mad Max, Nitro Circus eher ein Zirkus. Im Gegensatz zu ihnen verzichten wir bewusst auf Verkleidungen. Wir beginnen die Show auch nicht mit den Worten: „Seid Ihr bereit für einen Haufen Idioten, die für die Show ihr Leben riskieren?“ Wir haben eine andere Philosophie. Wir wollen unsere Athleten nicht als Verrückte inszenieren. Übrigens: Einen Live-DJ und Fuel-Girls haben die Jungs von Nitro Circus auch nicht.
Bei Euch gibt es noch Babes, Boobs und Pyro. Ist das noch zeitgemäß?
Das war zu Beginn von M.O.D. vielleicht so. Seid wir auch Familien adressieren und Shows in Saudi-Arabien ausrichten, haben sich die Outfits der Fuel-Girls geändert. Sexy Kurven ja, Haut nein. Zudem sei gesagt, das sind nicht irgendwelche Boxenluder sondern ausgebildete Pyrotechnikerinnen.
Politisch gut formuliert.
So ist das nun mal. Wir sehen die Frauen als Performer, nicht als Sexsymbole. Du sprichst Saudi-Arabien an. Musst Du Dir da Kritik anhören? Saudi-Arabien ist ein Riesenmarkt. Das Verlangen der Menschen dort ist groß nach solchen Shows. Und die Athleten freuen sich über angemessene Honorare. Zu Deiner Frage: Mir geht es immer um eins: Ich will unseren Sport pushen. Da werde ich nicht müde. Ich bin nicht politisch. Mein bester Freund kommt aus Saudi-Arabien, wir kennen uns seid 20 Jahren. Ich kenne das Land und habe dort sehr viele, herzliche Menschen kennen gelernt.
20 Jahre Masters of Dirt. Was war der schönste Moment, was der traurigste?
Highlight? Die ersten Events nach Covid! Wie wir alle wissen, hat der Lockdown die Event-Branche schwer gebeutelt. Als es wieder anlief, war das ein Segen. Die schlimmsten Momente waren, wenn M.O.D.-Athleten gestorben sind: Eigo Sato, Jim McNeil, Travis Hart, Tyron Gilks. Nicht bei uns in der Show, aber beim Training. Und als mein Geschäftspartner Arthur Magnus bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Das hat mich schwer getroffen.
2024 finden 22 Shows in zehn Städten statt, vier davon in Deutschland. Auf welchen Stopp freust Du Dich besonders?
Wien ist meine Heimatstadt, das wird sicher ein Highlight. Bei den Shows in Deutschland wird Fabio Wibmer dabei sein – das ist auch ein Highlight.
Was kann ein Fabio da zeigen?
Fabios Einlagen sind besonders. Oft lässt er sich per Hebelbühne nach oben fahren, droppt dann auf eine weitere Hebelbühne, alles in schwindelerregender Höhe. Dazu natürlich seine Trial-Shows.
Du bist selbst auch schon mitgefahren. Was ist Dein Supertrick?
Mein Highlight waren Double-Backflips vor über 8000 Besuchern. Das war ein starker Moment, den ich nicht mehr vergessen werde.
10.2.24 Kiel
18.2.24 Stuttgart
24.2.24 Turino
15.–17.3.24 Wien
23.3.24 Salzburg
30.3.24 Graz
6.4.24 Innsbruck
13.4.24 Dortmund
20.4.24 Frankfurt
27.4.24 Linz
Mehr Infos unter: www.mastersofdirt.com

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