Noch steht sein Name auf keiner Startliste. Aber allein die Bewerbung ist bereits ein Statement.
Mit einem selbst produzierten Video aus Utah versucht Leo Erhardt, die Rampage-Jury zu überzeugen. Der Aufwand: rund 10.000 Euro für Dreharbeiten und Vorbereitung. Sollte er tatsächlich eingeladen werden, kommen laut eigener Einschätzung mindestens weitere 15.000 Dollar für Teilnahme, Logistik und Aufenthalt hinzu.
„Der Wettkampf beginnt heute viel früher“, sagt Erhardt. „Nicht erst am Starttag – sondern schon bei der Bewerbung.“
Der letzte deutsche Starter bei der Rampage war Guido Tschugg im Jahr 2008. Seitdem blieb die Startliste ohne deutsche Namen.
Erhardt wäre also nicht nur Debütant – sondern auch ein Signal, dass die deutsche Freeride-Szene wieder sichtbar wird.
Der Weg dorthin ist allerdings kompliziert. Startplätze werden nicht einfach vergeben. Wer berücksichtigt werden will, muss in Utah fahren, filmen – und überzeugen.
„Ohne Clip aus Utah ist es mittlerweile fast unmöglich“, sagt Erhardt.
Für sein Bewerbungsvideo wagte der Wahl-Innsbrucker einen der spektakulärsten Tricks seiner Karriere: einen Flip über den legendären Rampage-Drop „The Price is Right“.
Der Name seines Films spielt bewusst darauf an: Is the Price right?
Denn der Preis kann hoch sein. Die Rampage gilt als Wettbewerb mit maximalem Risiko. Immer wieder kommt es zu schweren Stürzen – zuletzt sorgten Crashs mehrerer Topfahrer für Diskussionen über Sicherheit und Grenzbereiche im Freeride-Sport.
„Natürlich habe ich Angst“, sagt Erhardt offen. „Aber ich will das Risiko eingehen. Ich will wissen, ob ich das kann.“
Beim Flip für das Bewerbungsvideo stürzte er – unverletzt, aber beeindruckt von den Dimensionen des Spots.
Erhardt stammt aus Schwandorf bei Regensburg und lebt heute in Innsbruck. Ursprünglich kam er aus dem Slopestyle, orientierte sich später immer stärker Richtung Freeride.
Der Einstieg in diese Szene sei schwierig gewesen, sagt er. Einladungen zu prestigeträchtigen Events wie den Audi Nines habe er sich über Jahre erarbeiten müssen.
Die Rampage bleibt trotzdem die Königsklasse.
„Das ist das ultimative Event“, sagt Erhardt.
2024 war er bereits vor Ort – allerdings nicht als Rider, sondern als Streckenbauer im Team des Österreichers Clemens Kaudela. Seitdem kennt er Gelände, Linien und Dimensionen aus nächster Nähe.
„Da macht man große Augen. Aber ich weiß jetzt auch: Das kann ich fahren.“
Paradox: Ausgerechnet auf dem Weg zur Rampage verlor Erhardt seinen Bike-Sponsor.
Der langjährige Partner Kona Bikes beendete die Zusammenarbeit – laut Erhardt mit Verweis auf eine strategische Neuausrichtung fernab solcher Wettkämpfe. Paradox, denn Kona war früher der Inbegriff von Freeriding und Rampage-Auftritten.
Seitdem fährt er sein bisheriges Bike weiter – allerdings ohne Logos; die hat er abgeklebt aus Enttäuschung und Trotz.
Finanziert wird das Projekt Rampage derzeit größtenteils privat: über seine Trailbau-Firma in Innsbruck, Sponsor Partner wie Airtime Components, Type Clothing und Flow Drops.
Der Bewerbungsclip wird im Juli eingereicht. Im August fällt die Entscheidung.
Erhardt überlegt derzeit sogar, noch einmal nach Utah zu reisen, um zusätzliche Aufnahmen zu produzieren – trotz leerer Kasse.
„Ich will mir später nicht vorwerfen, dass es daran lag“, sagt er.
Sollte die Einladung kommen, wäre er der erste deutsche Rampage-Starter seit 18 Jahren. Und vielleicht erst der Anfang einer neuen Generation deutscher Freerider auf der größten Bühne des Sports.

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