Dimitri Lehner
· 30.06.2026
Im Urban Downhill gehört Johannes Fischbach (38) zu den Typen, die den höchsten Bordstein locker überspringen mit 70 Sachen – und noch einen draufsetzen. Über verbogene Kettenblätter, Schläge ins Handgelenk, Reifen so glatt wie gekochte Spaghetti und warum Podestplätze nicht alles sind. Ein Interview voller Insides, Augenzwinkern und blanker Ehrlichkeit.
BIKE: Johannes, wir wollten dich in Genua eigentlich in illustrer Runde sehen, aber die Stars Tomas Slavik, Sebastian Holguin und Juanfer Velez fehlten beim Red Bull Carreo Abajo 2026. Was war los?
Fischi: Slavik? Knie im Eimer. Richtig heftig. Wir telefonierten, er sagte: No way. Sein Knie würde die Belastung niemals aushalten. Ich hoffe, fürs Red Bull Cerro Abajo in Stuttgart reicht’s für ihn. Er ist gerade im Red Bull Athletencenter in Behandlung und gibt alles, dass er wieder fit wird.
BIKE: Und der Überflieger Juanfer Velez?
Fischi: Tja, offiziell oder inoffiziell? Sein Team hat ihn rausgenommen. UCI-Punkte hin oder her, die wollten, dass er sich voll auf Downhill konzentriert. Ich glaube, er wäre supergerne gefahren, man munkelt, da sind sogar Tränen geflossen. Aber manchmal entscheidet halt der Teamchef.
BIKE: Bei dir war ja schon in der Quali Drama deluxe – Kette runter, aber trotzdem ins Finale.
Fischi: Muss ich ehrlich sagen, das war schon ätzend. Ich wusste, mein Pace war top, dann mitten auf der Strecke dieser Mist – Kette springt ab. Ich war mir nicht sicher, ob das nochmal reicht, aber sauber durchgezogen, zum Glück – und mit Platz zehn noch reingerutscht.
BIKE: Klingt nach nervenzerfetzend…
Fischi: Total. Vor allem, weil du dann jede Kurve schwungvoller fahren musst, um nicht zu verhungern. Die Pedale? Nur noch Zierde ab da.
BIKE: Und das Material?
Fischi: Fragt nicht. Ich hab natürlich dennoch reingetreten und mir das Kettenblatt komplett verbogen. Das wurde dann noch spannend, es rechtzeitig zum Finale wieder fit zu haben. Hab alles per Hand am Auto hingebogen. Sagen wir mal: „Sketchy“ trifft’s.
BIKE: Du bist mit deinem „Reifen-Experiment“ aufgefallen. Glatte Slicks wie beim MotoGP – wie fühlt sich das wirklich an?
Fischi: Uff. Stellt euch vor, ihr nehmt beim Mountainbike deinem Reifen einfach die Noppen weg. Ultra viel Grip auf glattem Belag, Kurven wie beim Motorrad-GP, aber kaum Dämpfung. Jede Treppenstufe ein Faustschlag ins Handgelenk. Runter zur ersten Gasse mit 70? Da denkst du ans Testament. Da merkt man erst, wie sehr die Noppen doch dämpfen.
BIKE: Aber der Slick rollt viel schneller?
Fischi: Überraschung: Nee. Hab daheim gemessen, fünfmal mit Standardreifen, fünfmal mit meinem „Slck“, mein Dad hat mich mit dem E-Crosser immer wieder den Hügle hochgezogen. Macht keinen Zeitvorteil. Der Grip ist der Joker, Rolleigenschaften: Gleichstand.
BIKE: Limit oder Zukunft?
Fischi: Mein Fazit: Für Straßenkurse sensationell, aber wehe, es kommt loser Untergrund – dann ist’s vorbei. Stuttgart – wenn 90% Asphalt, dann wieder drauf. Sonst bleibt er im Koffer.
BIKE: Im Finale sitzt du nach deinem Run ewig im Hot-Seat, einer nach dem anderen kommt den Berg runter, langsamer als du. Dann der letzte Mann – und der liefert ab. Wie fühlt man sich da?
Fischi: Ja, ich dachte wirklich: Jetzt ist’s so weit! Dicker Vorsprung – Goldschimmer in den Augen. Und dann kommt Roger, Mega Run, volles Risiko. Bis zur Mitte des Laufs, dachte ich noch an Sieg, doch dann ist er im unteren Teil übermenschlich gefahren und zieht noch vorbei. Aber ehrlich? Nehm ich sportlich. Wer so ballert, der darf auch gewinnen.
BIKE: Kein Frust?
Fischi: Nö. Klar wär ich gern oben gestanden, aber ich weiß, dass ich’s nochmal packen kann. Das war nicht die letzte Chance. Wir sind Rivale, Roger und ich, doch ich bin auch Fan. Wenn einer so fährt, guckst du ungläubig zu und kannst jubeln. Zudem sind die Red Bull Cerro Abajos so gefährlich, ein kleiner Fehler kann hier große Folgen haben – da freue ich mich für jeden, der es heil ins Ziel schafft.
BIKE: Was war in Genua so richtig scary für dich?
Fischi: Diese erste Sharkfin… 75 Sachen, dann abbremsen und reinfliegen in die Treppengasse – das ist Achterbahn ohne Gurt. Du bremst wie blöd und merkst trotzdem: Das wird knapp. Fast bin ich dort übers Vorderrad abgestiegen.
BIKE: Wie geht’s jetzt für dich weiter?
Fischi: Training, Training, Training, dann nach Les Deux Alpes zum Urban Downhill, danach das legendäre Fourcross von Slavik, erstes Stuttgart-Preview-Shooting, dann Stuttgart selbst.
BIKE: Ist der Overall-Sieg der Red Bull Cerro Abajo Serie 2026 für dich noch möglich?
Fischi: Die Chancen sind gering, aber so lang’s mathematisch geht, gebe ich Gas. Doch Roger Vieira müsste ziemlich patzen.
BIKE: Viel Erfolg – wir sehen uns am 6. September in Stuttgart!

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