Dimitri Lehner
· 27.01.2026
Du hast als Bike-Abenteurer die Welt bereist. Was war das bizarrste Land – und warum?
Die Mongolei! 2012 bin ich im Rahmen meines ZAM-Projekts mit dem Auto von Tschechien in die Mongolei gefahren. Wer behauptet, etwas Großes gesehen zu haben, aber noch nie in der Mongolei war – der lügt. Ich glaube, ich war vermutlich sogar der erste Freerider dort.
Welches Land steht noch auf deiner Bucket List?
Sokotra Island – die Galapagos Insel des Indischen Ozeans. Sie gehört zu Jemen.
Und der Vulkan Nyiragongo in Zentralafrika steht auch auf meiner Liste. Es ist einer der aktivsten Vulkane der Welt, er liegt in der Demokratischen Republik Kongo.
Aber man weiß nie, wohin das Leben einen führt.
Was war das Schwierigste daran, das Pico-do-Fogo-Abenteuer zu verwirklichen?
Die Logistik: Ein E-Bike außerhalb Europas auf eine abgelegene Insel zu bringen, ist schier unmöglich. Das hätte ich auch nie gedacht. Aber dank unserer Reise ändern sich auf den Kapverden jetzt sogar die Gesetze. Und dann natürlich: überhaupt hinzukommen – und vor allem wieder weg. Auf den Kapverden gelang mir die längste Vulkan-Abfahrt. Vom Gipfel bis runter ans Meer. Man sollte meinen, dass die Aktion an sich am meisten an den Nerven sägt. Nein, es ist die Logistik, Behörden, die sich quer stellen und plötzlich alles blockieren. Dem ist man ausgeliefert, ohnmächtig. Bei der eigentlichen Aktion dagegen ist man selbst der Handelnde, man kann in Aktion treten. Das ist immer so viel besser.
Was hat dich während deiner Vulkan-Abenteuer zum Lachen gebracht?
Als Mustafa uns nach einem Drehtag vergessen hatte. Ich musste mit dem Bike losfahren, um Hilfe im Basislager Casa Marisa zu holen. Am Ende konfiszierten wir einen Schulbus samt Schüler und fuhren hoch zum Vulkan, um das Filmteam abzuholen. Wir alle fanden das super witzig, die Schüler auch.
Du fährst High-Riser-Lenker. Warum?
Als ich auf E-Bikes umstieg, bekam ich starke Schmerzen im unteren Rücken – wegen des höheren Gewichts von Motor und Akku. Bei Sprüngen hebt man das Bike wie bei unkontrollierten Deadlifts. Also habe ich den Lenker erhöht und zusammen mit FUNN, mit denen ich seit 24 Jahren arbeite, einen Lenker mit größerem Rise entwickelt. Ich bereite dazu sogar eine kleine Studie mit Sportphysiotherapeuten vor. Bergab lässt sich ein E-Bike übrigens trotzdem leichter kontrollieren.
Bei welchen Bike-Teilen bist du am wählerischsten?
Beim Cockpit – also Lenker, Griffe, Vorbau – und bei den Pedalen. Das sind meine Kontaktpunkte zum Bike. Da verstehe ich keinen Spaß, die müssen genau so sein, wie ich sie mag.
Gibt es eine andere Sportart, die du noch lernen möchtest?
Wellenreiten.
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Was war der schwierigste Bike-Stunt, den du je gemacht hast?
Die Wall of Death mit einem E-Bike. Das ist ein riesiges Holzfass, in denen Motorrad-Stuntmen an der Wand entlangfahren. Ich musste in zweieinhalb Stunden lernen, wofür Motorrad-Stuntmen ein halbes Jahr brauchen, nämlich die Wahrnehmung von vertikal auf horizontal umzustellen. Das Gehirn in Sekunden umzuschalten – und trotzdem das Unmögliche abzurufen – ist hart!
Du hast mehrfach an der Red Bull Rampage teilgenommen. Was sagst du zur letzten Ausgabe?
Ich war froh für die Fahrer, dass es nicht zu windig war und es keine Verzögerungen gab. Manche Lines überschreiten inzwischen die Grenzen des Möglichen. Ich weiß nicht, wie lange das noch gutgeht. Ich spreche bewusst nicht über Verletzungen – aber die Entwicklung ist extrem. Vielleicht sehe ich das zu sehr durch die Brille eines Pioniers der Rampage. Ich freue mich trotzdem schon auf die nächste Austragung.
Was ist das Nervigste an Bike-Abenteuern?
Die Verantwortung – nicht nur für mich, sondern auch für Kameraleute, Fotografen, das ganze Team. Sie gehen dieselben Risiken ein. Und wir alle haben Familien.
Wo auf der Welt bist du die besten Trails gefahren?
Viele würden Squamish oder Moab erwarten – aber nein: Aserbaidschan. Unglaublich vielfältige Naturtrails. Ich denke gern daran zurück.
Mit welcher Person würdest du gern für einen Tag das Leben tauschen?
Mit einem Arbeiter in den Schwefelminen. Dann würde ich mein eigenes Leben noch mehr schätzen.
Was war dein letzter Fehlkauf?
Eine ungarische Autobahnvignette – inklusive 400 Euro Strafe.
Welcher Film bringt dich zum Lachen?
Tais-toi! – ein französischer Film.
In welche Berühmtheit warst du heimlich verliebt?
Samantha Fox. Für einen Jungen, der in einem kommunistischen Land aufwuchs, war eine vollbusige Amerikanerin das Nonplusultra.
In welchem Land würdest du gern ein zweites Zuhause haben – und warum?
Italien, genauer: Sizilien. Ich habe dort Freunde, den Ätna mit endlosen Freeride-Möglichkeiten auf Vulkanasche – und ich fühle mich dort einfach wohl.
Welche Gewohnheit solltest du ablegen – und welche dir aneignen?
Weniger aufs Handy schauen, mehr ins Leben. Sonst verpasst man die wichtigen Momente.
Was war deine größte Mutprobe?
Als der Sensenmann seine Sense an meiner Zunge schärfte – und ich mich mit dem Tod schon abgefunden hatte.
Was war der beeindruckendste Stunt, den du je gesehen hast?
Den sah ich am North Shore von Vancouver: Dangerous Dan Cowan, Spezialist für Skinnies, fuhr auf einer brutal schmalen vier Meter hohen Northshore-Leiter. Sein Vorderrad rutschte auf dem zehn Zentimeter breiten Balken weg. Zusammen mit dem Shaper Todd “Digger” Fiander sah ich zu. Wir kniffen vor Anspannung die Arschbacken so zusammen, wir hätten damit Stahlkabel durchtrennen können. Denn wir sahen Dan schon stürzen. Doch Dan schaffte es irgendwie sich festzuhalten.
Welcher Action-Edit hat dich zuletzt am meisten beeindruckt?
Windfell von Gee Atherton.
Wie relaxt du dich am besten?
Mit Bleistift oder Pinsel. Malen und Zeichnen schlagen Snowboarden, Wandern und alles andere. Als Künstler und Designer ist das mein bester Ausgleich zu den körperlichen Herausforderungen als Profi-Biker.