Mit dem Gravelbike in den BikeparkGravel? Gabriel Wibmer sah ein Downhill-Bike

Dimitri Lehner

 · 28.06.2026

Dickes Ding: „Keine Ahnung, was passiert!“ Gabriel Wibmer schanzt sein Gravelbike über den XXL-Double in Innsbruck.
Foto: Wibmer_Studios
Mit einem Gravelbike durch den Bikepark, über Vier-Meter-Drops und Monster-Doubles? Für die meisten klingt das nach Materialmord. Für Gabriel Wibmer nach einem Filmprojekt. In „Gravel Mania“ treibt der Tiroler sein Rad an die Grenze – und stellt fest: Die Grenze lag deutlich weiter draußen als gedacht.

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„Ich wollte wissen, was ein Gravelbike wirklich aushält“

BIKE: In deinem Video Gravel Mania behandelst du ein Gravelbike wie ein Freeride-Bike. Vier-Meter-Drops, Bikepark-Lines, riesige Doubles. Wie kommt man auf so eine Idee?

Gabriel Wibmer: Neugier. Ich wollte herausfinden, was ein Gravelbike wirklich kann – und vor allem, was es aushält. Genau solche Projekte reizen mich. Allerdings hätte ich am Anfang nie gedacht, dass das Ganze so eskalieren würde. Dass ich am Ende Sprünge dieser Größenordnung damit fahre, war definitiv nicht der Plan.

BIKE: Hand aufs Herz: Wie viele Rahmen und Laufräder hast du verschrottet?

Wibmer: Das Verrückte ist: gar keine. Kein Rahmenbruch, keine zerstörte Felge. Nichts. Dabei bin ich durch die Kurven geballert, als säße ich auf einem Freerider.

BIKE: Wie bitte?

Wibmer: Ja, klingt absurd. Wir hatten zwei Bikes für den Dreh. Nach mehr als 30 Drehtagen haben wir beide voll funktionsfähig zurückgegeben.

BIKE: Nicht einmal eine Felge?

Wibmer: Nein. Klar, sie liefen danach nicht mehr ganz so perfekt wie vorher. Aber gebrochen ist nichts. Ich hatte sogar nur zwei oder drei Platten. Und das ohne Tubeless. Ich fahre immer mit Schlauch.

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BIKE: Spezialkonstruktion?

Wibmer: Ganz normale Serienräder. Canyon Grizl CF SL 7 Throwback. Keine Spezialteile, keine Verstärkungen. Pedale dran, Sattel drauf – los ging's. Canyon meinte hinterher scherzhaft, man könne die Kategorie jetzt erhöhen: Bikepark-Freigabe.

Der Vier-Meter-Drop, der alles veränderte

BIKE: Besonders in Erinnerung bleibt der riesige Drop in Serfaus. Vier Meter hoch, flache Landung. Selbst auf einem Enduro-Bike schlägt man ordentlich ein.

Wibmer: Vor dem Drop war ich brutal angespannt. Das war zu dem Zeitpunkt der krassester Stunt im Projekt. Ich wusste schlicht nicht, was passieren würde. Halten die Laufräder? Reißt der Impact mir die die Hände vom Lenker? Keine Ahnung.

BIKE: Keine Federung. Schmaler Lenker. Nach vorne gebeugte Fahrposition. Horror!

Wibmer: Genau. Durch die Geometrie sitzt du viel weiter über dem Vorderrad. Bei der Landung hat es mir den Kopf zum Headbanger richtig nach unten geschlagen. Deswegen hatte ich auch maximalen Puls als ich über die Dropkante gerollt bin. Bremsen hätte ich eh nicht können, denn dazu hätte ich umgreifen müssen.

BIKE: Trotzdem war das noch nicht die größte Mutprobe?

Wibmer: Nein. Der größte Sprung war der Double-Jump in Innsbruck, dort, wo der Whip-Off-Contest stattfindet. Das Ding ist selbst mit einem Downhill-Bike nicht ohne.

BIKE: Was ging dir durch den Kopf?

Wibmer: Ehrlich? Dass ich keine Ahnung hatte, ob das funktionieren kann. Nach dem Serfaus-Drop wusste ich immerhin, dass das Bike die Landung aushält. Deshalb habe ich dort das zweite Rad genommen, das noch nicht so viel einstecken musste.

BIKE: Und dann?

Wibmer: Beim ersten Versuch war ich zu langsam. Ich musste abspringen. Ganz übel.

BIKE: Weil du auch hier nicht bremsen konntest.

Wibmer: Exakt. Ich hielt den schmalen Lenker im Obergriff. Anhalten unmöglich. Ich bin direkt in die Mulde zwischen Absprung und Landung geflogen.

„Der Bügellenker war mein größter Gegner“

BIKE: Was war beim Wechsel vom Freeride-Bike aufs Gravelbike am schwierigsten?

Wibmer: Definitiv die Handposition. Im Unterlenker liegst du förmlich auf dem Rad, viel zu tief. Oben am Lenker zu schmal. Und vor allem: Du kommst nicht an die Bremsen. Du müsstest umgreifen.

BIKE: Was so schnell ja auch nicht geht.

Wibmer: Du fährst praktisch brakeless. Besonders beim Backflip war das sketchy.

BIKE: Und dann sicher die Geometrie.

Wibmer: Absolut. Du sitzt extrem weit vorne. Optisch wirkt es, als würdest du permanent mit dem Kopf voraus durch die Gegend fliegen. Einmal ist mir das Vorderrad weggegangen und ich bin direkt mit dem Kopf aufgeschlagen. Das ist mir auf dem Mountainbike noch nie passiert.

Whips, Scrubs und die Sache mit dem Talent

BIKE: Trotzdem sehen Manuals, Wheelies und Whips bei dir erschreckend leicht aus.

Wibmer: Am Anfang überhaupt nicht. Ich saß zuvor ja noch nie auf einem Gravelbike. Aber ich habe mich erstaunlich schnell ans Rad gewöhnt. Mit jedem Drehtag wurde es besser.

BIKE: Warum?

Wibmer: Die Grundlagen sind dieselben. Wenn du auf dem Mountainbike Manuals und Wheelies beherrschst, kannst du das übertragen. Weil der Schwerpunkt weiter vorne liegt, ist es anfangs schwieriger, das Vorderrad anzuheben. Aber irgendwann funktioniert es.

BIKE: Dein Scrub über die Sharkfin sieht aus, als würdest du auf deinem Bigbike sitzen.

Wibmer: Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich schon gut an das Bike gewöhnt. Nur die ersten drei, vier Drehtage waren holprig, danach fiel es mir leicht, über die kleineren Sprünge zustylen. Denn das Luftgefühl, die „Airwareness“, habe ich ja.

BIKE: Irgendwie auch frustrierend für uns Hobby-Freerider. Du düpierst uns. Wir kriegen das nicht mit viel Federweg auf dem Bigbike hin und du whipst wie ein Gott auf einem Gravelbike.

Lacht. Ja, danke!

BIKE: Das ist für uns Hobbyfahrer frustrierend. Wir kämpfen mit einem Freerider ums Überleben, du stylst auf einem Gravelbike über die Sprünge.

Wibmer: (lacht) Ja, danke.

Kommt Gravel Mania II?

BIKE: Dein Video war ein Riesenerfolg. Gravel boomt. Da drängt sich die Frage auf: Kommt Teil zwei?

Wibmer: Als wir mit Gravel Mania fertig waren, war ich ehrlich gesagt froh, wieder Mountainbike fahren zu dürfen.

BIKE: Das klingt nicht nach einer Fortsetzung.

Wibmer: Damals dachte ich auch, dass ich mich nicht mehr steigern kann. Höhere Drops? Größere Sprünge? Ergab für mich keinen Sinn.

BIKE: Und heute?

Wibmer: Heute sehe ich das anders.

BIKE: Warum?

Wibmer: Weil das Thema noch viel Potenzial hat. Nicht unbedingt wieder im Bikepark. Aber in Städten zum Beispiel. Wir haben damals sogar in Paris gefilmt. Das Material hat es am Ende nicht in den Film geschafft, weil es nicht ins Konzept passte.

BIKE: Also doch Hoffnung auf eine Fortsetzung?

Wibmer: Sagen wir so: Ganz ausschließen würde ich einen zweiten Teil nicht.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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