Das Auge für SpeedWas macht eigentlich ein Line-Scouter im Worldcup?

Holger Meyer

 · 01.08.2026

Das Auge für Speed: Was macht eigentlich ein Line-Scouter im Worldcup?Foto: Scott Bikes
Er hat das Auge für Speed: Der Franzose Florent Payet fuhr 102 Weltcup-Rennen und kennt alle Kniffe. Heute gibt er den Racern vom Scott Factory Racing Team Tipps für die schnellste Linie im Gelände.
Florent Payet (39) ist Ex-Worldcup-Racer und startete in 102 Weltcup-Rennen. Seine aktuelle Rolle: Line-Scouter beim Scott Factory Racing Team. Unser Reporter Holger Meyer hat Flo getroffen und mit ihm gesprochen.

Es sind die Leute hinter den Kulissen im Worldcup, die man erst auf den zweiten Blick wahrnimmt. Denn wenn ein Racer zu einem Worldcup anreist, entscheidet nicht nur er über Erfolg oder Misserfolg. Neben Mechanikern oder Team-Managern, die sich um einen reibungslosen Aufenthalt kümmern, kommen auch sogenannte Line-Scouter zum Einsatz.

Line-Scouter oder Line-Coaches suchen im Gelände die schnellste Linie und geben Tipps an die Racer weiter. Florent Payet, selber langjähriger Downhill-Racer, ist so einer. Er sucht sich Linien für das Scott Factory Team aus. Unser Reporter Holger Meyer hat mit Flo gesprochen.

Wurzeln überall, doch über welche Wurzeln rollt der Racer am schnellsten? Line-Coaches haben das Auge dafür und geben Tipps. Hier steuert Loic Bruni in Val di Sole sein Specialized Demo den Hang hinunter.Foto: Bartek Wolinski / Red Bull Content PoolWurzeln überall, doch über welche Wurzeln rollt der Racer am schnellsten? Line-Coaches haben das Auge dafür und geben Tipps. Hier steuert Loic Bruni in Val di Sole sein Specialized Demo den Hang hinunter.

Interview: Holger Meyer

Interview: “Du brauchts das Auge für Speed”

Flo, du bist Line-Scouter im Scott Factory Team, wie kann man sich deinen Job vorstellen

Genau, ich bin Line-Coach. Ich bin also dafür zuständig, die schnellsten Linien durch technisches Gelände zu erspähen. Doch ich unterstütze auch bei technischen Fragen oder gebe meine Erfahrungen aus 19 Jahren Worldcup-Racing weiter.

Wie wichtig sind Line-Scouter mittlerweile im Worldcup, und warum suchen sich die Racer nicht selber die schnellsten Linien aus?

Sehr wichtig. Die Strecken werden immer krasser und schneller. Die Zeiten rücken zusammen, Zehntel-Sekunden können entscheiden, ob Podium oder nur Top 10. Oder in der Quali, ob Finale oder nicht. Die richtigen Linien im Gelände spielen hier eine entscheidende Rolle. Die Racer sind mit sich beschäftigt und haben nicht den Blick von außen. Du musst wissen, die Zeit fürs Training ist knapp bemessen. Hier muss alles passen.

Was macht einen guten Line-Scouter aus?

Erfahrung. Und das Auge für Speed. Wir haben den Blick von außen, messen mit der Stoppuhr Zeiten im Training, vergleichen, wägen ab und geben dann eben Tipps und raten vielleicht zu einer anderen Linie. Auch spezielle Apps kommen hier zum Einsatz. Doch natürlich passt eine Linienwahl nicht zu jedem Fahrer. Der Fahrer oder die Fahrerin muss entscheiden, welche Linie im Finallauf am meisten Sinn macht. Hier kommt das Zwischenmenschliche ins Spiel.

Du meinst eine gute Beziehung zu den Racern?

Definitiv, es geht nicht nur um Vertrauen, auch darum, sie zu sensibilisieren. Es gibt Fahrer oder Fahrerinnen, denen rate ich eher zu einer flowigeren Linie, auch wenn sie nicht die schnellste ist. Doch im Finale müssen sie alles geben, da macht das oft mehr Sinn, als die riskante Linie zu wählen und dann dort zu straucheln.

Hat jedes Racing-Team Line-Scouter?

Ja, alle Profi-Teams. Sogar zwei. Mehr sind nicht erlaubt. Manche funktionieren ihre Media-Leute kurzerhand zum Line-Scouter um. Sie stehen dann woanders an der Strecke, sammeln Informationen und geben Tipps. Der Sport ist so professionell geworden – wenn du vorne mitfahren willst, brauchst du nicht nur den schnellen Racer, sondern auch eine funktionierende Mannschaft dahinter.

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