Downhill-Weltmeister Greg HerboldEin DH-Bike mit der Kraft der Motorsense

Henri Lesewitz

 · 04.06.2023

Greg Herbold vor seinem Schuppen.
Foto: Privatfoto
Greg Herbold (60) gewann 1990 die ersten Mountainbike-Weltmeisterschaften im Downhill. Danach war er neben seiner Rennkarriere lange als Produkttester für Sram und Rockshox tätig. Vor allem die Federgabelentwicklung beeinflusste er stark. Legendär ist neben seinem WM-Titel die wilde Frisur, die ihm den Spitznamen H-Ball (Hair Ball) einbrachte. Wir haben mit ihm gesprochen.

EMTB: Greg, Du warst der erste Downhill-Weltmeister der Geschichte. Damals noch mit Cantilever und Aero- Outfit. Wie kamst Du auf die Idee, einen Motor in Dein Bike zu bauen?

Greg Herbold: Das Bike ist in den späten 90ern entstanden. Da war ich in meiner experimentellen Phase, und als Testfahrer brauchte ich lange Downhills. Also dachte ich: Warum sich nicht die Sache etwas leichter machen? So entstand der Weed Wacker.

Was steckt hinter dem Namen?

Weed Wacker sagen wir hier zu einer Motorsense. Von der nahm ich den Benzinantrieb und bastelte ihn hinten an einen Koga-Miyata-Prototypen, den ich damals fuhr. Ich fand, auch zum Bike als Ganzes passte der Name ganz gut.

Schräge Idee: Um mehr Trainingsabfahrten machen zu können, stattete Greg Herbold schon 1996 sein Bike mit dem Antrieb einer Motorsense aus.Foto: PrivatfotoSchräge Idee: Um mehr Trainingsabfahrten machen zu können, stattete Greg Herbold schon 1996 sein Bike mit dem Antrieb einer Motorsense aus.

Wie funktionierte das Teil?

Ich konnte den Antrieb vom Lenker aus steuern. Man fuhr mit angehobenem Motor los und ließ dann die Antriebswalze auf das Hinterrad sausen. Die Drehbewegung des Hinterrades übertrug sich auf die Walze und setzte wie beim Ankurbeln eines Oldtimers den Motor in Gang. Je fester man die Walze aufs Hinterrad drückte, desto schneller fuhr man. Der Reifenverschleiß war natürlich hoch, und bei steilen Anstiegen musste man mittreten.

Klingt, als sei das Teil nicht ganz einfach zu bedienen gewesen…

Es war eigentlich gar nicht so schwierig. Ein Daumenhebel kontrollierte das Gas, ein Shifter hob und senkte den Antrieb aufs Hinterrad. Mit Gripshift kontrollierte ich die normale Schaltung.

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Und bergab?

Der Motor ließ sich schnell demontieren und wanderte in den Rucksack. Aber selbst, wenn man das Benzin einfach auskippte – man roch am Ende immer wie ein altes Ölfass.

Warum dann der ganze Aufwand?

Zum Training und als Produkttester brauchte ich viele Tiefenmeter. Damals gab es noch keine Lifte für Bikes, keine Shuttles. Deswegen musste ich mir eine andere Lösung einfallen lassen. Beim Miyata konnte man übrigens vieles einstellen. Tretlagerhöhe, Kinematik – fast wie bei einem modernen Worldcup-Bike.

Und heute? Lieber Weed Wacker oder E-MTB?

Heute habe ich etwa zehn E-Bikes. Vielleicht lag es auch am Weed Wacker, dass mich Bikes mit Motor früh begeistern konnten. Moderne E-Bikes sind zwar zehn Kilo schwerer, aber auch deutlich praktischer im Alltag als der Weed Wacker. Ein geiles Experiment war das Bike aber damals trotzdem.

Greg Herbold steht mit 60 immer noch unter Strom.Foto: PrivatfotoGreg Herbold steht mit 60 immer noch unter Strom.

Greg’s Sieger-MTB von 1990 haben wir noch auf Instagram gefunden bei @vintagedownhill:

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