Mailo lebt in Gera, Thüringen, und fährt Downhill- und Enduro-Rennen. Mit sieben bekam er die Diagnose Krebs, wurde fünfmal an der Lunge operiert und hat dank einer T-Zell-Therapie die Krankheit besiegt. Trotz 25 Prozent fehlendem Lungenvolumen trainiert er hart und wird 2026 bei den Open Enduro World Cups starten. Er zeigt auf seinem Instagram-Kanal @mailo.grh Einblicke von seinen Erlebnissen.
BIKE: Mailo, du trainierst gerade richtig hart. Was steht heute auf dem Plan?
Mailo: Heute steht bei mir Krafttraining auf dem Plan, also Frontkniebeugen, klassische Kniebeugen und etwas Kreuzheben. Dienstags geht's dann für drei Stunden ins Grundlagen-Ausdauertraining auf dem Rennrad.
Das klingt professionell. Machst du deinen Trainingsplan selbst?
Den Trainingsplan mache ich zusammen mit einem Sportwissenschaftler, den ich gut kenne. Da ist die Woche klar strukturiert: Montag Krafttraining, Dienstag Grundlagen-Ausdauer, Mittwoch Regeneration beziehungsweise Pause und Donnerstag sowie Freitag wieder Grundlagenfahrten. Am Wochenende geht's dann hauptsächlich aufs Mountainbike. Natürlich passe ich das Ganze auch daran an, wie ich mich fühle. Wenn der Körper einen zusätzlichen Pausentag braucht, kann ich den flexibel einbauen und den Plan etwas verschieben.
Lass uns zurückgehen: Vor elf Jahren hast du die Diagnose Krebs bekommen. Wie lief das ab?
Die Diagnose war ein Nephroblastom, ein Nierentumor. Der wurde behandelt, aber nach etwa zwei Jahren kamen Lungenmetastasen. Und dann über die Jahre immer wieder neue Rezidive. Ich habe wieder eine Chemotherapie bekommen, aber 2020 kam raus, dass Chemo bei mir nicht wirkt. Das war auch die Zeit, als ich mit dem Radsport angefangen habe.
Wie kamst du aufs Rad?
Radfahren kam durch meinen Opa – wir sind früher viel gefahren. Und dann natürlich durch Videos von Lukas Knopf und Fabio Wibmer. Ich habe das mit Kumpels nachgemacht: erste Treppen runterfahren, von Bordsteinkanten springen. 2021 war dann mein erster Bikeparkbesuch in der Bikewelt Schöneck – und das war der Startpunkt für mein Ziel: Rennenfahren.
Moment – Bikepark und Rennen sind ja zwei verschiedene Sachen. Warum Downhill-Rennen?
Downhill-Strecken haben mir immer wahnsinnig viel Spaß gemacht. Dieser kleine Nervenkitzel, wenn du mal eine andere Linie fährst oder es schlammig ist. Und dann habe ich über Instagram und TikTok gesehen: Es gibt Downhill-Rennen! Das wusste ich vorher nicht. Ich habe dann erste Racer kennengelernt, die hobbymäßig mitgefahren sind.
Ende 2022 wollte ich eigentlich beim Rookies Cup in Oberhof starten, aber dann ist mir der Rahmen gerissen. Also bin ich in Elstra das Off Season Race mitgefahren. 2023 war dann meine erste richtige Rennsaison: Steinach, Oberhof, Enduro Cups, Wieselnslalom.
Die Folgejahre bis 2025 waren von Ups and Downs geprägt. Was ist passiert?
Immer wieder neue Rückschläge. Neue Rezidive. Ich wurde, ich schätze mal, fünfmal an der Lunge operiert. Viermal im Bauchraum (mir fehlt auch eine Niere). Es war ein ständiges Auf und Ab. Und Anfang 2025 konnte man medizinisch eigentlich nichts mehr für mich tun, weil meine Krankheit einen riesigen Progress gezeigt hatte, vom Kopf bis ins Becken. Genau in dieser Zeit habe ich aber nochmal gemerkt, wie wichtig es ist, das zu machen, was einen wirklich glücklich macht, und seine Träume nicht aufzuschieben. So ist dann durch das Video „Why Not" von Korbinian Engstler „Schneller als der Krebs" entstanden, also mein eigenes Erfolgsvideo, in dem ich zeigen wollte, was man trotz so einer Erkrankung alles schaffen kann.
Und jetzt? Bist du geheilt?
Ich bin aktuell in Remission. Das bedeutet, dass ich derzeit tumorfrei bin. Trotzdem muss ich weiterhin in vierteljährlichen Abständen zu Kontrolluntersuchungen. Bisher zeigt sich zum Glück keine Tumoraktivität.
Was für eine Therapie war das?
Das war eine T-Zell-Therapie. Dabei werden die körpereigenen Immunzellen bei einer Blutwäsche entnommen und im Labor umgebaut. Sie bekommen einen T-Zell-Rezeptor, der die Aufgabe hat, die Tumorzellen kaputtzumachen. Theoretisch macht das bei gesunden Menschen das Immunsystem von alleine. Bei mir hat's halt ein Upgrade gebraucht – wie von mechanischer auf elektronische Schaltung (lacht).
Trotz Chemotherapie bist du gefahren. Geht das überhaupt?
Mir ging's trotzdem immer recht gut. Ich konnte fahren, hatte Spaß daran. Und das hat mir geholfen, den Kopf freizubekommen.
Welche Einschränkungen spürst du heute beim Training oder Rennen?
Das fehlende Lungenvolumen. Es wird geschätzt, dass mir etwa 25 Prozent fehlen. Bei mir hat mal ein Tumor den rechten Hauptbronchus komprimiert, sodass mein rechter oberer Lungenlappen kollabierte. Das merke ich natürlich. Aber dadurch festigen sich die Ziele in deinem Kopf enorm. Wenn du eingeschränkt bist und ein Ziel hast, machst du Dinge nicht halbherzig. Du gibst 110 Prozent.
Was sind deine Ziele für 2026?
Dieses Jahr will ich die ersten Open Enduro World Cups mitnehmen. Insgesamt etwa zehn Rennen: IXS Downhill Cup in Bellwald und Ilmenau, Enduro One, ein paar Spaß-Events – und die Enduro World Cups. Vielleicht Val di Fassa oder Haute-Savoie Morillon in Frankreich. Einfach mal weiterschauen.
Und das große Ziel?
Schulisch muss es natürlich auch passen – ich fange jetzt mit dem Abi an und würde gerne Medizin studieren. Und ich will weiter ins Profi-Segment reinrutschen. Ich bin jetzt schon mit Partnern wie Maxxis, Ergon und SR Suntour unterwegs. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Durch den Support meiner Eltern und meines örtlichen Fahrradladens, Die Speiche – Der Fahrradladen in Gera. Der Inhaber Christian Künast supportet mich seit Tag eins!
Du bist 18 und musst Schule, Training und Rennen unter einen Hut kriegen. Wie reagieren die Leute auf deine Geschichte?
Die Reaktionen darauf sind wirklich richtig gut, und viele sind sehr beeindruckt. Im Krankenhaus habe ich damals Max Walscheid kennengelernt. Und nur 39 Tage nach meiner Entlassung bin ich bei Max & Friends for KITZ 42 Kilometer gefahren – ganz ehrlich gesagt mit absolut null Power. Körperlich war ich damals wirklich an meinem absoluten Tiefpunkt.
Durch dieses Event habe ich dann Helen Weber vom Rotwild Schwalbe Gravity Team kennengelernt, und wir fahren mittlerweile in Heidelberg öfter gemeinsam Runden am Königsstuhl. Beim Bike Festival in Riva habe ich dann schließlich auch Max Pfeil vom Radon Enduro Team, Christian Textor, Johannes Fischbach und endlich auch Korbinian Engstler kennengelernt. Einige kannten meine Geschichte tatsächlich schon ein bisschen über Instagram.
Du bist eine Frohnatur – optimistisch, kontaktfreudig. Woher kommt die Einstellung?
Du lernst mit der Krankheit erst mal zu leben. Wir als Familie lernten damit zu leben und immer das Beste daraus zu machen. Irgendwann habe ich mir gesagt: Mir geht's schlecht, aber es gibt da draußen auch andere, denen geht's viel schlechter. Also Kopf nicht hängen lassen und mit 110 Prozent weitermachen. Meine Familie hat mich dabei immer unterstützt.
Warum willst du Medizin studieren – hat das mit deiner Krankheit zu tun?
Ja, auf jeden Fall. Ich wurde von meinem Arzt immer gut an die Hand genommen. Er hat mir viel gezeigt, Einblicke im Labor und in die Forschung gegeben, Fotos gezeigt von meinen Zellen. Ich fand das mega spannend.
Und der Traum vom Vollprofi?
Natürlich wäre das der Traum. Aber ich kann nicht zu meinen Eltern sagen: Ich fahr jetzt Fahrrad, ich will Profi werden. Da werden sie stutzig. Schulisch muss immer was laufen. Aber ein Traum wäre schon, es mal in ein großes World Cup Team zu schaffen.
Mailos Partner: Maxxis, Ergon, SR Suntour und sein örtlicher Radladen „Die Speiche – Der Fahrradladen" in Gera.

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