„From Zero to Hero” – nennen es die Amis, was dem Bike-Mechaniker aus Edinburgh 2009 passierte. Gemeinsam mit seinem Buddy und WG-Kollegen Dave Sowerby filmte Danny, wie er mit seinem Trialbike durch die City trickste. Sie nannten das Filmchen: Inspired. Danny balancierte auf einem Zaun aus Gusseisen, rollte einen Schrankenbalken hoch, wirbelte in einen U-Bahnschacht, tanzte auf dem Vorderrad in Schlangenlinien über die Straße.
Die Stunts waren spektakulär, ohne Frage, doch es war mehr, was da passierte. Danny und Dave gelang das perfekte Video-Konzept. Das bestand aus einer perfekten Abstimmung auf die Musik: schnell, wenn actiongeladen. Langsam, wenn soulig. Die Tricks filmte Dave Sowerby aus mehreren Perspektiven, damit der Zuschauer besser verstehen konnte, was er da sah. Er filmte Danny dabei wie er mehrfach vom Zaun stürzte, zauderte, haderte und es immer wieder versuchte und den Achter aus dem Hinterrad mit einem Brett klopfte, das auf der Straße lag. Das erzeugte Dramatik und führte die Schwierigkeit des Stunts vor Augen.
Dave baute auch Human Touch ein. Danny rollte einen ausgehängten Schlagbaum hoch – ziemlich spektakulär, weil die Reifen kaum Halt fanden auf dem Metallrohr – und nachdem er es geschafft hatte, lehnte Danny sein Bike an die Hauswand und hängte den Schlagbaum wieder ein. Braver Junge! Und so sympathisch! Dave Sowerby spielte mit sogenannten Reflexionen: Eine Mutter mit Kind beobachtete Danny wie er über Mauern balancierte, Menschen streckten ihre Köpfe in den U-Bahnschacht, in den Danny gerade im 360er gesprungen war und Leute guckten mit Entsetzen über das Geländer der Brücke, denn Danny war da runter gekippt wie ein Selbstmörder.
War das das perfekte Video-Clip-Rezept? Das war es! Die Klick-Zahlen schnellten in die Höhe. In kürzester Zeit hatten mehr Menschen den Clip “Inspired” gesehen als alle anderen Bike-Clips. Der Bike-Mechaniker, der eigentlich nur Spaß haben wollte in seinem “Low-Key”-Leben wurde zum Superstar und bekam unmittelbar danach den Red-Bull-Helm verpasst. Ein Helm des österreichischen Brause-Herstellers gilt als Ritterschlag im Extremsport.
Auch in den Folgejahren hielt Danny am Erfolgsrezept fest. Die Ideen stammen von ihm, die Filmerei von Dave Sowerby und anderen Filmemachern, die Danny auf sein Konzept einschwor. Ein Knaller-Clip reihte sich an den nächsten. Kurz nach “Inspired” (2009) kam “Way back Home” (heute 43 Mio. Klicks), “Imaginate” (94 Mio.) oder “Cascadia” (116 Mio.)
Die MacAskill-Fans Fabio und Gabriel Wibmer oder auch Elias Schwärzler kopierten die Machart der Clips und füllten sie mit ihren Ideen, garniert mit noch mehr Augenzwinkern und Klamauk. Damit erreichten sie ebenfalls ein Millionen-Publikum. Z. B. Fabio’s Law (271 Mio.), Gabriels “The Grind” (6,1 Mio.) oder “My Dreamgirl” (40 Mio.) von Elias Schwärzler.
Auf die reinen Skills kommt es dabei weniger an, da sind sich Experten sicher. Das beweist der Superbiker Chris Akrigg aus England, leider in negativer Weise. Chris Akrigg ist der vermutlich talentierteste Allroundbiker der Welt und doch erreichen seine Youtube-Clips selten über 100.000 Klicks. Warum? Chris missachtet das Erfolgsrezept und muss daher mit den Konsequenzen klar kommen.
Mittlerweile sind auch Athleten aus anderen Sportarten dahinter gekommen. Zum Beispiel der Freeskier Markus Eder (”The Ultimate Run”, 19 Mio.) oder Gleitschirm-Akrobat Jean Baptiste Chandelier (”No Way”, 1,9 Mio.).
Aber auch Youtube-Stars brauchen Inspiration. Wir fragten Danny nach seinen All-Time-Favorites.
Das ist der beste Trial-Bikefilm, finde ich. Besonders die Verfolgungsjagd zu Anfang ist legendär. Irre, was Martin Ashton und Hans Rey da aufziehen. Der Film hat mich sehr inspiriert. (Danny MacAskill)
NWD VI kam raus als ich im Bikeshop arbeitete. Der Film haute mich um. Ich denke noch heute, dass es einer der besten Kick-Ass-Bikefilme aller Zeiten ist. Freeriding war damals THE SHIT. Mein Lieblingspart: Darren Berrecloth. Super! (Danny MacAskill)
Mein Freund Dave Sowerby hat BSD gedreht. Dave hat auch meine frühen Filme gemacht. In BSD filmt Dave die besten BMXer der Welt in Glasgow. Vibe, Action, Filming – besser geht kaum! (Danny MacAskill)
Vielleicht hatte dieser Film den stärksten Einfluss auf mich. Ich würde sagen, der vermutlich coolste Skate-Film, der je produziert wurde. Die DvD kam 2007 raus und vor allem das Intro hat mich aus den Latschen gehauen – so geil! (Danny MacAskill)
Ich weiß, ich weiß: Das ist kein Snowboard-Film, der mit großen Budget irgendwo in Alaska produziert wurde, sondern eher eine Low-Budget-Nummer. Doch mit umso mehr Spirit, Witz, guten Vibes. Ich liebe die Seitenblicke und Stimmungen der Crew. Ein absoluter Lieblingsfilm von mir. Sehr cool! (Danny MacAskill)
Das ist für mich Abenteuer! Gewürzt mit viel Augenzwinkern und Selbstironie. In Dodo’s Delight segelt ein ehemaliger Minister, 80 Jahre alt, eine Gruppe von Bergsportlern nach Baffin Island im Nordmeer. Von dem Film gibt es zwei Teile, beide kostenlos auf Red Bull TV – sehr sehenswert, finde ich. (Danny MacAskill)
Danny MacAskill ist einer der bekanntesten Radsportler der Welt. Der schottische Fahrrad-Trialfahrer und Bike-Mechaniker wurde 2009 durch einen Youtube-Clip weltbekannt. Youtube machte Danny zum mehrfachen Millionär. Er lebt heute in Glasgow.
+ Danny MacAskill spricht Klartext
+ Dannys neuster Streich: Ein Wackler mit dem Lenker = Tod
+ Der Mann hinter der Marke YT: Markus Flossmann

Redakteur