Dimitri Lehner
· 05.03.2025
BIKE: Dein Youtube-Clip zeigt atemberaubendes Freeriden auf Alpengipfeln. Schier unglaublich, dass man dort überhaupt biken kann. Woher hast du die Skills?
Jérôme Caroli: Ich habe viele Worldcup-Rennen bestritten, hauptsächlich im Downhill. Ich habe auch drei Mal an der Red Bull Hardline mitgemacht. Daher war ich von meinen Skills recht gut auf dieses Terrain vorbereitet. Ich bin auch ein erfahrener Freeskier. Daher ist dieses alpine Gelände für mich nichts Neues.
Du bist ein Hardline-Fahrer? Ich verfolge den Extrem-Downhill, doch dein Name scheint mir durchgerutscht zu sein.
2019 war das letzte Mal, doch da habe ich am Finale nicht teilgenommen wegen eines Crashs. Mein bestes Ergebnis war Platz 12 bei der Red Bull Hardline in Wales – das war 2018.
Wie kamst du auf die Idee zu diesem Clip – hatte deine Skifahrerei damit was zu tun?
Ja, Skifahren hat mich auf die Idee zu diesem Projekt „Get High“ gebracht. Ich wollte dort Biken, wo ich im Winter skifahre. Ganz weit oben im alpinen Gelände.
Das ist dir gelungen. Die Szenen, wo du die ganze Bergflanke mit dem Bike runter surfst, sieht aus wie Skifahren. Die Technik ist schwierig. Wo trainiert man so was?
In Utah zum Beispiel. Ich war bei der Red Bull Rampage als Trailbauer für Vinny T. Dort bin ich zum ersten Mal Bergflanken in losem Gravel runtergesurft. Ich konnte die Technik gut austesten und lernen wie man sein Bike durch die Turns bugsiert. Am besten klappte das in einem Spot, der sich Big Water nennt. Dort funktioniert Biken wie Skifahren. In der Schweiz ist es dagegen sehr schwer, einen geeigneten Spot zu finden. Meistens ist der Kies im oberen Teil des Hangs fein genug, wird dann aber immer gröber bis du weiter unten auf regelrechte Steinbrocken triffst, was tückisch ist. Und überhaupt keinen Spaß machst. Wenn du da angerauscht kommst mit viel Speed, kann es richtig gefährlich werden.
Aber dann hast du doch einen guten Hang gefunden.
Ja, im Ober-Wallis, gar nicht weit entfernt von wo ich wohne. Ich wohne in Verbier. Ich hatte genaue Vorstellungen wie der Shot auszusehen hat. Ich wollte ein tolles Panorama und eine Line, wie ich sie mit den Skiern auch fahren würde. Weit, flowy, geschmeidig.
Dein Clip „Get High“ dauert keine drei Minuten. Doch ich wette, es war verdammt viel Arbeit.
Die größte Arbeit war das Scouten. Also überhaupt das richtige Terrain zu finden. Da habe ich eine Menge Zeit reingesteckt. Es hätte noch länger gedauert, hätte ich immer wieder ins Tal absteigen müssen. Doch ich bin Paraglider und flog ins Tal. Es gelang mir auch im Flug, das Gelände auszukundschaften. Ich fand viel Terrain, das zwar fahrbar war, aber nur langsam. Das wollte ich nicht. Ich wollte schnell fahren. Oftmals zog mich meine Film-Crew auf E-Bikes den Berg hoch. Auch das sparte etwas Zeit. Dennoch zog sich die Filmerei in die Länge. Wetter, Licht... da muss so viel zusammen passen.
Im Filmclip sagst du: Stürzen ist keine Option. Bist du gestürzt?
Nein. Gottseidank nicht. Ich habe keine “Loose Cannon”-Attitude, überhaupt nicht. Ich bin sehr kalkuliert und überlege mir lange, was ich riskieren will. Deswegen, halte ich mich lieber etwas zurück.
Es sieht so gar nicht danach aus, als hättest du dich zurück gehalten.
Ha ha, das lag dann daran, dass ich die Passage erst ein paar Mal fuhr, bis ich sie im Griff hatte. Erst dann gab ich mehr Gas. Ich lasse mir da viel Zeit und erst, wenn ich so weit bin, bin ich so weit ha ha.
Da gleicht die Art des Bikens dem Freeskiing. Da gibt es auch Couloirs und Hänge, wo du schlichtweg nicht stürzen darfst.
Typen, die sich im Scree-Surfing spezialisiert haben wie Brage Vestavik benutzen ein Bigbike. Du dagegen bist mit dem Scor 4060 gefahren, einem leichten Enduro. Warum?
Scor war mein Sponsor. Sie haben kein Downhill-Bike im Programm. Das Scor 4060 LT ist das größte Kaliber. Daher habe ich das benutzt. Das hat auch gut funktioniert – mit einem Downhiller wären die Uphills sehr mühsam gewesen.
Wenn du an deinen Clip denkst, welche Passagen haben dir am meisten Spaß gemacht?
Ach, jede Sektion hatte seinen Reiz. Zum Beispiel die Grat-Fahrten. Da ist der Reiz, die Geschwindigkeit zu halten, es flowig aussehen zu lassen und die Genugtuung, dort überhaupt fahren zu können. Denn oftmals weißt du ja gar nicht, ob das funktioniert. Dazu kommt, dass der Grat quasi bei mir Zuhause ist und dort noch niemand mit dem Bike gefahren ist. Das hat den Reiz noch mal erhöht. Aber natürlich auch die Bergflanken. Besonders, wenn es mir gelang, eine schöne Line zu fahren, eine Ski-Line.
Es scheint, dass Kilan Bron jetzt Konkurrenz bekommen hat.
Ha ha, nein, ich will Kilian Bron keine Konkurrenz machen, ich will mein eigenes Ding machen.
Ich sage das, weil ich bisher nur Kilian Bron habe so biken sehen in Klettergelände, mit diesem Speed und Flow. Oder Gee Atherton. Willst du da weiter machen. Hast du neue Video-Projekte im Sinn?
Ja, ich bin gerade an einem 2-Jahres-Projekt. Es soll eine Action-Doku werden, die nicht nur Biken, sondern auch Freeskiing und Paragliding einschließt. Ich liebe die Berge, daher war es eine natürliche Konsequenz, diese Sportarten zusammen zu führen.

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