Zukunft Fahrrad-MesseLeitmesse gesucht! Der Fall Eurobike

Laurin Lehner

 · 07.07.2026

Zukunft Fahrrad-Messe: Leitmesse gesucht! Der Fall EurobikeFoto: Adrian Kaether
Die Eurobike, einst Leitmesse, mittlerweile angezählt.
Die Eurobike wird seit rund drei Jahren von Szene-Kennern totgesagt. Der Boykott von namenhaften Herstellern aus Europa und den USA wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Die diesjährige Ausgabe hat gezeigt: Jetzt übernehmen die Chinesen.

Die Eurobike war über Jahrzehnte das Herz der Fahrradbranche. Wer wissen wollte, welche Bikes, Komponenten und Trends die nächste Saison prägen würden, musste Ende des Sommers nach Friedrichshafen reisen. Hersteller, Händler und Fachpresse trafen sich dort zum wichtigsten Termin des Jahres. Wer Rang und Namen hatte, war vertreten – Weltpremieren inklusive.

Alternativen wie das Sea Otter Classic oder die Taipei Cycle Show gab es zwar schon lange. An der Bedeutung der Eurobike änderte das jedoch nichts. Sie galt als unangefochtene Leitmesse der Fahrradwelt. Mitte der 2010er-Jahre begann dieses Erfolgsmodell zu bröckeln. Immer mehr Hersteller stellten den Nutzen eines Messeauftritts infrage. Specialized galt als Vorreiter. Zu hohe Kosten, sinkender Mehrwert und der Wunsch nach mehr Kontrolle führten dazu, dass Marken verstärkt auf eigene Produkt-Events setzten. Dort ließen sich Neuheiten exklusiver präsentieren und zudem oft sogar günstiger als ein teurer Messeauftritt.

Mit jedem prominenten Aussteller, der fernblieb, verlor die Eurobike an Strahlkraft. Gleichzeitig rückten asiatische Hersteller nach. 2019 verzeichnete die Eurobike noch 1400 Aussteller und rund 40.00 Fachbesucher, 2026 nur noch 800, beziehungsweise rund 15.000 Fachbesucher.

Der endgültige Bruch folgte 2025: Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und Zukunft Fahrrad beendeten die Zusammenarbeit mit der Eurobike und kündigten für 2027 eine eigene Branchenmesse in Köln an. Die Verbände begründen den Schritt damit, dass die Eurobike die Anforderungen der Industrie nicht mehr ausreichend erfülle.

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Ab 2027 soll die Eurobike nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Künftig konkurrieren verschiedene Messekonzepte um Hersteller, Händler und Medien. Fakt ist jedoch auch: Auf der diesjährigen Eurobike sorgten vor allem chinesische Unternehmen mit Innovationen für Aufsehen – und stellten europäische Hersteller auf eigenen Boden in den Schatten. Ein Brancheninsider zieht hinter vorgehaltener Hand Parallelen zur Weltpolitik: „Am Ende profitiert der Chinese über die fehlende Einigkeit hierzulande.“

Canyon baut weiter auf die Eurobike und stellt dort Innovationen vor - die meisten Mitbewerber gehen allerdings einen anderen Weg.Foto: Adrian KaetherCanyon baut weiter auf die Eurobike und stellt dort Innovationen vor - die meisten Mitbewerber gehen allerdings einen anderen Weg.

Historie Eurobike

Die Eurobike ist die weltweit bekannteste Fachmesse für Fahrräder. Die erste Veranstaltung findet 1991 in Friedrichshafen statt. Ursprünglich für MTBs, später auch für alle anderen Formen von Fahrrädern. Seit 2022 öffnet die Eurobike jedes Jahr auf dem Gelände der Messe Frankfurt ihre Tore.

Stimmen zur Eurobike 2026

​„Wir sind zur Eurobike gekommen, um Kontakte zu knüpfen – mit unseren Kunden, mit der Fahrradbranche und mit der Öffentlichkeit. Gleichzeitig wollten wir unsere Innovationen präsentieren und unsere Geschichte einem internationalen Publikum erzählen. Wir sind fest davon überzeugt, dass Europa dafür einen zentralen Treffpunkt braucht. Die Eurobike 2026 hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Wir konnten einen wichtigen Teil unserer Markenidentität stärken und sind sehr zufrieden mit allem, was wir hier erreicht haben.“
Ben Hillsdon, Director of Communications Canyon
​Begonnen hat die Misere mit Uneinigkeit, die Eurobike europäisch zu stärken. Das Gegenteil ist eingetroffen. China hat die Standflächen übernommen, die einst von europäischen BigPlayern belegt wurden. Am Ende profitiert aber nicht nur China von der deutschen Uneinigkeit. Pfiffige Köpfe aus Holland haben schon ein für Aussteller bezahlbares spannendes B2B-Messekonzept vorgestellt.
Jo Beckendorff, Branchen-Insider
​Die Eurobike ist ein Trauerspiel geworden. Wo man hinguckt, keine namenhafte Hersteller. Und wenn doch, dann nur mit einem Mini-Auftritt und ein paar wenigen Technik-Highlights. Hier würde ich mir mehr Einigkeit wünschen – denn eine starke Leitmesse stärkt die gesamte Branche.
Bodo Probst, Kinematik-Experte und Konstrukteur
​Die Eurobike war einst Kult – chaotisch, bunt, unverzichtbar. Wer dazugehören wollte, war in Friedrichshafen. Punkt. Dann begann der Selbstzerstörungsmodus: abgestandene Konzepte, aufgeblasene Strukturen, Egotrips der Hersteller. Frankfurt sollte die Rettung sein – und wurde zur Ernüchterung. Die Magie ist längst vergangen, die Notwendigkeit einer zentralen europäischen Fahrradmesse nicht. Der Standort aber ist nicht das Problem. Das Konzept ist es. Die Branche braucht wieder echtes Miteinander, Endverbraucher-Nähe und Spektakel! Aber hatten wir das nicht alles schon mal?
Josh Welz, Chefredakteur BIKE Magazin

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Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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