Text: Kirsten Ochs
12 Grad, die Wolken der Nacht hingen am Samstagmorgen noch schläfrig über der Grasnarbe. Es gibt angenehmere Bedingungen für eine Marathon-Startaufstellung. Aber der Wetterbericht hatte einen sonnigen Tag versprochen und so kam es dann auch. Bei strahlendem Sonnenschein kreiselte das Marathon-Feld am Fuße des Ettelsbergs, dann hinauf und schließlich in großer Runde drumherum. Am Ende kamen alle 700 Starter nur leicht schlammbespritzt ins Ziel: Vom entspannten Genussfahrer, zum ambitionierten Hobbysportler bis hin zu Podiumsanwärtern – das Fahrerlager war wie immer in Willingen enorm divers.
Zur Wahl standen die Kleine Runde (33,7 km / 830 hm), die Mittlere Runde (71,8 km / 1880 hm) und die Große Runde mit satten 110 km / 2930 hm. Die Bedingungen für den Marathon waren nach der verregneten Gewitternacht überraschend ideal, nur stellenweise hatten die Fahrer mit rutschigen Passagen zu kämpfen. „Die neuen Strecken gefallen mir noch besser als die alten“, sagte Nina Hartleb vom Scott-Team, die sich für die kleine Runde entschieden hatte. „Griffig, flowig, perfekte Bedingungen“, schwärmte sie. Und das entsprach auch dem allgemeinen Tenor nach diesem Rennen: Tolle Strecken, lässige Abfahrten und nur wenige etwas rutschige, holprige Passagen.
Während einige Fahrer im Ziel um jede Sekunde kämpften und so dem Publikum noch etwas Spannung boten, ließen es andere eher gelassen angehen. Zwei Brüder aus den Niederlanden waren mit ihren beiden Söhnen an den Start gegangen und überquerten auch gemeinsam die Ziellinie. „Die Väter haben immer noch die bessere Kondition“, lautete das Fazit der jungen Niederländer, die diese Vater-Sohn-Tradition schon seit einigen Jahren in Willingen immer wieder aufleben lassen.
Der Sieg hier toppt alles - Aaron Wilhelmi
Ganz andere Ambitionen hatte da der deutsche Fahrer Aaron Wilhelmi, der nach 4:28 Stunden als Erster auf der Langdistanz ins Ziel ausrollte. Laut bejubelt ließ sich der Sieger feiern, der im vergangenen Jahr nur auf Platz 7 gelandet war. „Es lief wie geschmiert“, lautete sein Fazit. Vor zwei Jahren hatte er es schon aufs Podium geschafft, „aber der Sieg hier toppt alles“. Obwohl er sein Hinterrad während des Rennens wechseln musste, war er schon nach dem ersten Berg allein mit den Motorrädern unterwegs, was Wilhelmi ganz gelegen kam, „so konnte ich mein eigenes Tempo fahren“. Mit rund vier Minuten Rückstand rauschte Teus Ruijters aus den Niederlanden über die Ziellinie. Auch 2025 war er einen Platz hinter Wilhelmi gelandet. Platz 3 sicherte sich mit einem deutlichen Abstand von rund acht Minuten auf den Erstplatzierten Peter Hermann.
Auch bei den Frauen gab es kein Kopf-an-Kopf-Rennen. Mit sieben Minuten Vorsprung (5:28 Stunden) kam Mariëlle Trouwborst (Niederlande) als Erste ins Ziel. „Die Strecke gefiel mir richtig gut“, sagte sie. Lange Zeit ist sie in einer Männergruppe mitgefahren und schließlich deutlich vor der Zweitplatzierten Lola Bakker, ebenfalls aus den Niederlanden, angekommen, die auch 2025 schon aufs zweite Podium gefahren war. Die deutsche Mountainbikerin Carolin Zinn (5:49) konnte ebenfalls ihren dritten Platz aus dem Vorjahr verteidigen.
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