2001 hielten viele die Leoganger für crazy. Ein Bikepark? In Österreich? Für ein paar Freaks, die mit Protektoren gepanzert die Berge hinunterstürzen? Klingt nach einer Geschäftsidee mit überschaubarer Zielgruppe.
Heute lächelt Leogang über diese Skepsis. Heute. Damals wussten die Verantwortlichen auch nicht genau, worauf sie sich einlassen. Sie hatten ein mulmiges Gefühl. Gleichzeitig sind die Leoganger auch risikofreudig und probieren gerne aus. Also wurde gewerkelt, die ersten Trails gebaut (viel zu steil), die ersten Drops gezimmert (viel zu stumpf), die ersten Sprünge geshapt (zu kurz, zu lang, selten richtig), Wallrides angelegt (zu senkrecht!).
Doch so ist das nun mal. Wie die Amis sagen: „From Nothing comes Nothing, from Something comes Something.“ In den Anfangstagen war der Bikepark in Leogang eher Stolperfalle als Hüpfburg. Doch das Team um Bergbahn-Chef Kornel Grundner lernte schnell.
Der erste Bikepark Österreichs wurde zum Maßstab in Europa. Was damals mit wenigen, improvisierten Strecken begann, ist heute eines der bedeutendsten Mountainbike-Zentren Europas. 45 Kilometer Lines und Trails, eingebettet in Österreichs größte Bike-Region mit Saalbach, Hinterglemm und Fieberbrunn. Vor allem aber: ein Ort, der Mountainbike-Geschichte geschrieben hat, denn die Events, die hier abgehalten wurden, waren erstklassig.
Leogangs Downhill war schon immer hart. Bei Hobby-Bikern erzeugte er Respekt, Anspannung, bei vielen Angst. Auch bei uns. 2010 bekam die Strecke Worldscup-Status. Die Weltmeisterschaften fanden hier statt – 2012 zum ersten Mal.
Noch immer zählt die Weltcup-Strecke zu den technisch anspruchsvollsten im Kalender. Besonders bei Regen. Wurzeln, Steinfelder, Highspeed-Passagen und Sprünge wechseln sich im Sekundentakt ab. Fehler verzeiht sie selten, Geschwindigkeit und Bestzeiten gibt es nur die Mutigsten. Valis Hölle ist der ehrlichste Test für die besten Park-Rider. Schnell wird er zum Alptraum. Wer hier mit Zug durchkommt, darf stolz auf sich sein.
Mehr noch:
Wer den Kurs meistert, darf behaupten: Er kann Downhill.
Zwei DH-Momente stechen besonders raus aus all den Worldcup-Jahren:
Aaron Gwins kettenloser “Chainless”-Run (2015) und der österreichische Doppelsieg von Andy Kolb und Vali Höll (2023).
Leogang war nie nur Downhill.
Beim 26TRIX wurde Slopestyle in Europa salonfähig, lange bevor Triple-Whips und Double-Backflips selbstverständlich waren. Die weltbesten Trickfahrer verwandelten den Hang in eine Freiluft-Zirkusbühne. 2006 gelang Greg Watts der erste Doppelflip in einem Wettkampf und Lance McDermott der erste Frontflip (2007). Hier hatte auch der damals 17jährige Brandon Semenuk seinen ersten großen Auftritt, scheu, wortkarg, bleich, doch gesegnet mit irrem Talent, das ihn später zum vielleicht größten Freerider aller Zeiten werden ließ.
Dann kam White Style: Slopestyle im Schnee, mitten im Winter. Was zunächst verrückt klang, entwickelte sich zum Kult-Event. Flutlicht, Minusgrade und Backflips – nur in Leogang hielt das jemand für eine vernünftige Idee. Mit-Initiator und Freeride-Konsul Tarek Rasouli holte die Top-Stars nach Österreich.
Dazu kommen Weltcups, Weltmeisterschaften und seit Jahren die WHOOP UCI Mountain Bike World Series. Kaum ein anderer Ort vereint so viele Disziplinen auf so engem Raum.
Ein Bikepark entsteht nicht von allein. Nicht über Nacht. Und nicht ohne Lehrgeld.
Bei einem seiner ersten Leogang-Runs sagte der Whistler-verwöhnte Freeride-Profi Matt Hunter: „Worst Bikepark ever!“ Trailbau-Guru aus British Columbia Tom Pro legte nach dem Trail-Check in Leogang seine Stirn in Falten und rieb sein Kinn.
Auch wir vom FREERIDE-Magazin hielten uns mit Kritik selten zurück. In den Anfangstagen war in Leogang viel Murks. Zudem hatten die Leoganger Trailbauer das Talent gerade die gelungenen Stunts zu verschlimmbessern oder abzubauen. Da stand ein On-Off-Holztisch im Wald – ein Highlight für viele Park-Rider. Plötzlich war er weg.
Im Bereich der Talstation gab es eine nahezu perfekte Drop-Batterie. Fast schon ein Markenzeichen für den Park – irgendwann abgebaut.
Einige Jahre gab es einen Boner-Log, der eine tolle Flugsensation erzeugte, ohne wirklich technisch schwierig zu sein. Er wurde ersetzt durch eine viel steilere Variante, die kaum gesprungen wird, weil sketchy und windanfällig. Schade!
Noch ein Beispiel:
Auf der Downhill-Strecke gab es einen Hip-Jump. Das Sahnestück jeder Abfahrt. Hier entstanden Banger-Shots. Ja, sogar Covershots. Mal abgesehen wie viel Spaß der Hip-Jump machte. Jeder wollte scubben wie Finn Illes. Auch dieses Schmankerl wurde eliminiert. Bummer!
Während Besucher nach Feierabend ins Hotel rollen, beginnt für die Shaper oft erst die eigentliche Arbeit. Rund 18 Streckenbauer pflegen, reparieren und entwickeln die Lines beinahe täglich weiter. Jede Wurzel, jede Landung und jede Anliegerkurve wird beobachtet, angepasst und verbessert. Im Idealfall. Das klappt nicht immer. Nirgends. Außer vielleicht im Vorzeige-Bikepark Whistler, zumindest früher; wir waren schon länger nicht mehr dort.
Zum 25. Geburtstag lädt Leogang nicht zu einer Gala, sondern zu dem, was Mountainbiker am liebsten tun: fahren.
Bei den (Leo)Gang Days stehen keine langen Festreden im Mittelpunkt, sondern Whip-Off-Contest unter Flutlicht, Community-Rides, Foto-Challenges, Familienprogramm und jede Menge Lagerfeuer-Gefühl zwischen Expo und Liftstation.
Das passt zu diesem Ort. Genau wie das BIKE-Festival. Nicht ohne Grund veranstalten wir es in Leogang. Dieses Jahr recht spät, im Indian Summer (hoffentlich!) – in den Bergen weiß man nie.
BIKE-Festival, Termin: 02. Oktober bis 04. Oktober.
Leogang wollte nie der flowigste Bikepark Europas sein. Sondern der spannenste.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum hier seit einem Vierteljahrhundert Generationen von Mountainbikern ihre ersten Sprünge wagen, Profis Weltcups gewinnen – und selbst Weltmeister noch mit leuchtenden Augen von dieser Strecke sprechen.

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