Die MTB-Event-Spezialisten von „Die Rasenmäher“, Holger Meyer und Karen Eller, sind seit Jahrzehnten feste Größen der europäischen Mountainbike-Szene. Nach legendären Erfolgsformaten wie der „Schnitzeljagd“ haben die Garmischer nun ein neues Event-Format ausgeknobelt. Am 5. September startet im renommierten Bike District Canazei / Val di Fassa das „Hare'n Scramble“, ein neues Spaß-Enduro- Event mit bewährten Zutaten und neuer Würze. Gefordert sind taktische Cleverness und Bike-Skills, geboten werden grandiose Trails und purer Community-Spirit. Im Interview spricht Holger Meyer über den Wandel bei Rad-Events, veränderte Kunden-Erwartungen und die richtigen Zutaten für erfolgreiche Konzepte.
BIKE: Holger, Ihr habt Euch mit Fahrtechnik- und Erlebnis-Camps einen Namen gemacht, wart aber auch mit Euren Schnitzeljagd-Events echte Vorreiter für MTB-Events, die Competition und Gaudi verbinden. Nun steht das „Hare'n Scramble“ in den Startlöchern. Was ist das Besondere daran?
Holger Meyer: Im Grunde bleibt unsere Philosophie unverändert: Maximaler Trail-Spaß und ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis stehen immer an erster Stelle. Doch das Hare’n Scramble hebt das Ganze auf ein neues Level – hier geht es eindeutig darum, möglichst viele Trails an einem einzigen Tag zu rocken. Die Region Val di Fassa bietet mit ihrem Bike District eine absolute Traumkulisse. Die Herausforderung ist enorm: Insgesamt stehen 18 hochkarätige Trails auf dem Programm. Wer die komplette Distanz bewältigen will, sammelt rund 30 Kilometer und satte 5.000 Tiefenmeter!
Wie läuft das Event ab?
Das Format selbst ist bewusst simpel und extrem spannend aufgebaut. Los geht es spektakulär mit einem Massenstart im legendären Le-Mans-Style auf dem Berg. Sobald der Startschuss fällt, ist absolute Eigenregie gefragt, denn es gibt keine vorgeschriebene Strecke. Freie Routenwahl ist das Zauberwort! Die Teilnehmer müssen – entweder alleine, im Zweier-Team oder mit der ganzen Crew – ihre perfekte Route strategisch klug planen und versuchen, so viele „pinke Hasen“ wie möglich auf den Trails zu sammeln. Für diejenigen, die es etwas entspannter angehen lassen möchten oder noch nicht ganz so versiert im alpinen Gelände sind, bieten wir die Blue Challenge an. Diese kommt komplett ohne die schweren, schwarzen Trails aus, garantiert aber exakt dieselbe Dosis Fahrspaß. Wer hingegen Trails auslässt oder weniger fährt, bekommt eine Zeitstrafe. Taktik ist hier also mindestens genauso wichtig wie die reine Abfahrtsgeschwindigkeit.
Wie unterscheidet sich das Hare'n Scramble denn konkret vom alten Schnitzeljagd-Konzept und wieso habt ihr euch entschieden, die Schnitzeljagd-Serie nicht einfach weiter auszubauen?
Der wesentliche Unterschied zur Schnitzeljagd liegt in der Fokussierung: Es gibt deutlich weniger zeitraubende Spielchen oder Aufgaben an den Stationen, dafür aber spürbar mehr echten Trail-Spaß, pure Orientierung und ein intensiveres Community-Gefühl.
Die Schnitzeljagd war ein fantastisches Kapitel und absolut prägend für uns – wir haben dieses Event stolze 13 Jahre lang in Sölden durchgeführt und die Enduro-Szene damit ordentlich aufgemischt. Allerdings haben zwei der Regionen, in denen wir die Trail-Jagd etabliert hatten, irgendwann beschlossen, das Event in Eigenregie weiterzuführen. Für uns als Agentur war das der perfekte Impuls, um weiterzuziehen, Platz für neue kreative Ideen zu schaffen und ein frisches Format aufzusetzen. Das ist nun das Hare’n Scramble.
Der wesentliche Unterschied zur Schnitzeljagd liegt in der Fokussierung: Es gibt deutlich weniger zeitraubende Spielchen oder Aufgaben an den Stationen, dafür aber spürbar mehr echten Trail-Spaß, pure Orientierung und ein intensiveres Community-Gefühl. Das ist es, was in unseren Augen heute wirklich zählt. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, das Biken in einer der spektakulärsten Kulissen der Welt. Und das Event endet ja nicht an der Ziellinie: Abends kommen alle beim großen Barbecue am Lagerfeuer zusammen, lauschen dem DJ, genießen kalte Drinks und fachsimpeln beim Trail-Talk. Zudem gibt es eine riesige Tombola mit coolen Sachpreisen unserer Industriepartner. Und als absolutes Highlight können am Sonntag alle Teilnehmer noch einmal gemeinsam die weltberühmte Sella Ronda unter die Stollen nehmen. Canazei bietet hierfür einfach eine erstklassige Infrastruktur und ist eine extrem motivierte Bike-Region, die kontinuierlich wächst.
Viele Mountainbike-Events auf dem Markt tun sich derzeit spürbar schwer. Beobachten wir hier einen normalen Abnutzungseffekt, schwindende Kaufkraft oder haben sich schlichtweg die Erwartungshaltungen der Kundschaft verändert?
Es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Man merkt deutlich, dass sich das Kauf-, Buchungs- und Reiseverhalten in den letzten Jahren massiv verändert hat. Die Menschen buchen heute extrem kurzfristig. Faktoren wie die aktuelle Wetterprognose, spontane Freizeit-Planungen und einfach die allgemeine Flexibilität fließen bis zur letzten Minute in die Entscheidung ein. Zudem wägen die Biker sehr genau ab, welchen Gegenwert sie für ihr hart verdientes Geld bekommen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss absolut stimmig sein.
Preis-Leistung wird vermutlich nicht allein daran gemessen, was sportlich geboten wird. Welche Überraschungen stecken darüber hinaus in Eurem Paket?
Genau, deshalb haben wir das Startpaket beim Hare’n Scramble extrem attraktiv geschnürt. Für 75 Euro Anmeldegebühr bekommt man nicht nur den Startplatz inklusive professioneller Zeitnahme, sondern auch ein hochwertiges Event-Shirt, einen BBQ- und Getränkegutschein, kostenlose SCOTT-Testbikes sowie exklusive Workshops zu den Themen Routenplanung, Fahrwerk und Tubeless-Setup. Wer eine Gravity Card besitzt, benötigt nicht einmal ein zusätzliches Liftticket. In der heutigen Zeit voller Preissteigerungen ist das ein wirklicch günstiges Angebot, das natürlich auch nur möglich ist, weil uns der lokale Tourismusverband stark subventioniert. Dennoch spüren auch wir bei unseren anderen Camps, dass die Kunden länger nachdenken, bevor sie final auf „Buchen“ klicken. Der Markt ist zudem regelrecht geflutet mit Events. Da der Sommer kalendarisch nur begrenzt Wochenenden bietet, kommt es schnell zu Überschneidungen, bei denen sich die Veranstaltungen gegenseitig die Teilnehmer streitig machen. Es bleibt also eine spannende Herausforderung für die gesamte Branche.
Sind Tourismusregionen und Sponsoren in der heutigen Zeit überhaupt noch offen für Mountainbike-Events dieser Art oder wird es zunehmend schwieriger, Partner zu überzeugen? Und was steht für sie im Fokus – Teilnehmerzahlen, Reichweite oder eine spitze Zielgruppe?
Glücklicherweise stoßen wir mit innovativen Ideen bei den Tourismusregionen nach wie vor auf sehr offene Ohren. Viele Verbände sind dankbar für frischen Wind, und es macht unglaublichen Spaß, gemeinsam neue Event-Konzepte maßzuschneidern. Ein ganz entscheidender Fels in der Brandung ist für uns unser langjähriger Partner SCOTT. Eine solche Partnerschaft ist nicht selbstverständlich, denn das größte Problem für viele Sponsoren aus der Industrie ist heutzutage gar nicht der Wille oder das Geld, sondern schlicht die Manpower, um die unzähligen Event-Wochenenden personell zu besetzen.
Entscheidend ist bei solchen Veranstaltungskonzepten auch immer die Region. Wie seid Ihr auf Canazei gekommen?
Durch die Austragung der Enduro World Series und des UCI Enduro World Cups (EDR) hat das Val di Fassa einen extrem starken, aber eben auch sehr sportlich-elitären Namen in der Core-Race-Szene. Mit dem Hare’n Scramble wollen sie nun ganz bewusst den Schritt heraus aus dieser reinen, verbissenen Profi-Rennnische machen und sich dem breiten „Jedermann- und Jederfrau-Markt“ öffnen – speziell dem deutschsprachigen Hobby-Enduro- und Trail-Markt.
Mit wievielen Teilnehmer plant Ihr für das Hare’n Scramble?
Bei einer Premiere darf man die Erwartungen an die reinen Teilnehmerzahlen natürlich nicht zu hoch ansetzen. Wenn wir mit 50 Teilnehmern starten, sind wir absolut happy. Die alte Schnitzeljagd hat damals auch mit gerade einmal 30 Startern begonnen, und am Ende standen 600 auf der Liste! Die größte Herausforderung bei einem neuen Event liegt ohnehin nicht in der Partnersuche oder der Streckenrecherche vor Ort, sondern ganz klar in der zielgerichteten Bewerbung und im Marketing. Man muss das Vertrauen der Teilnehmer erst gewinnen. Wenn die Fahrer erst einmal vor Ort sind und ein grandioses Wochenende erleben, nehmen sie diesen Spirit mit nach Hause, betreiben Mundpropaganda und bringen beim nächsten Mal ihre gesamte Bike-Crew mit. Wir geben so einem Format daher immer realistisch drei Jahre Zeit, um sich fest zu etablieren.
Neben den großen Events veranstaltet ihr sehr erfolgreich viele kleinere Camps. Müsst ihr euch ständig neu erfinden, um attraktiv zu bleiben?
Der absolute Trend in unserem Camp-Programm geht ganz klar in Richtung Exklusivität und Reisen, die für den Einzelnen logistisch und organisatorisch nur sehr schwer selbst zu realisieren sind. Ein klassischer Trip nach Finale Ligure zum Beispiel ist heute dank Social Media und digitaler Transparenz kein Hexenwerk mehr; dort gibt es dutzende Shuttle-Unternehmen, die man einfach online buchen kann. Da braucht man uns als Reiseveranstalter kaum noch. Wenn es aber um epische, komplexe Unternehmungen wie eine Montblanc-Umrundung oder die legendäre Stoneking Rally geht – die wir dieses Jahr neu im Programm haben – sieht die Welt ganz anders aus.
Für solche Abenteuer benötigt man enormes lokales Know-how, ein perfekt abgestimmtes Netzwerk aus Shuttle-Fahrern mit passenden Anhängern und die exakt richtigen Unterkünfte an den Etappenorten. Dieser spürbare Abenteuerfaktor ist genau das, was die Leute im Moment suchen und was hervorragend funktioniert. Klassische, reine Fahrtechnikkurse sind bei uns hingegen stark rückläufig. Dafür verzeichnen wir einen echten Boom bei kleineren Gravel-Abenteuern, wie beispielsweise meinem Gravelcamp in Portugal.
Klassische Fernreisen, die mit langen Flügen verbunden sind, schätzen wir im Moment als extrem schwierig ein. Das liegt zum einen an den drastisch gestiegenen Flugpreisen, zum anderen aber ganz massiv am unaufhaltsamen Siegeszug des E-Bikes. Das Thema E-MTB wird von Jahr zu Jahr präsenter in unserer Community. Da man die leistungsstarken Akkus aus Sicherheitsgründen jedoch unter keinen Umständen im Flugzeug transportieren darf, wird das Reisen zu weit entfernten Destinationen mit dem eigenen E-Bike logistisch fast unmöglich.

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