Sattelfest: 3 E-MTB Sättel im Vergleich Sattelfest: 3 E-MTB Sättel im Vergleich Sattelfest: 3 E-MTB Sättel im Vergleich
Seite 1: Test 2019: E-Mountainbike Sättel

Sattelfest: 3 E-MTB Sättel im Vergleich

  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 2 Jahren

Brauchen E-Biker einen speziellen Sattel? Wir sagen: Ja. Ein geeigneter E-MTB-Sattel verbessert die Klettereigenschaft markant. Wir haben drei Modelle getestet.

E-spezifische Produkte haben mit Vorurteilen zu kämpfen. "Reines Marketing-Brimborium", sagen Kritiker. Halbgare Argumente feuern diese Diskussion an. Beispiel gefällig? "E-Biker sitzen länger auf dem Rad als Bio-Biker." Das ist so natürlich Quatsch. Fakt ist hingegen: E-Mountainbiker haben in mancherlei Hinsicht andere ergonomische Anforderungen. Für uns war es zum Beispiel ein echter Aha-Moment, als wir zum ersten Mal auf dem Canyon Spectral:On mit hauseigenem E-MTB-Sattel Platz nahmen. Der große Unterschied: Der Sattel ist am Heck hochgezogen und bietet dem Fahrer eine starke Abstützung nach hinten. An steilen Anstiegen, wo man mit dem normalen Bike scheitern würde, gibt das viel Kontrolle und spart Kraft. Immer, wenn wir auf Test-Bikes mit rund gewölbten Sätteln ohne Heckaufbiegung steigen, wird der Unterschied besonders klar. An steilen Rampen hat man das Gefühl, nach hinten abzurutschen.



Legende zum Bild ganz oben:


1. Hohes Heck: Steilere Anstiege, mehr Schub nach hinten, höhere Trittfrequenz: Auf dem E-MTB wirkt mehr Kraft nach hinten. Hochgezogene Sattelenden machen steile Anstiege komfortabler.
2. Mehr bringt mehr: Gewichts-Tuning ist am Sattel fehl am Platz. Die Einbußen, die man durch einen rutschigen, wenig abgestützten Sattel hat, holen die paar Gramm Gewichtsersparnis definitiv nicht raus.
3. Lange Nase: Extrem steile Anstiege sind das Salz in der Suppe einer E-MTB-Tour. Wer die Grenzen auslotet, muss sein Gewicht weit nach vorne schieben. Eine lange, breite Sattelnase hilft.


Und warum braucht es die Wundersättel nur bei Motorunterstützung? Erstens: Mit dem E-MTB sind deutlich steilere Anstiege möglich (und üblich) als mit reiner Muskelkraft. Zweitens: Die Extra-Power des Motors sorgt für Schub nach hinten – und zwar ohne maximale Muskelspannung im Körper, die bei Vollgasfahrten mit reiner Körperkraft den Biker zentral auf dem Rad fixiert. Das ermöglicht es dem E-Mountainbiker, eine entspanntere Sitzposition beizubehalten. Kontrolle der Fahrsituation und Grip am Hinterrad steigen.

Eines gilt es allerdings zu beachten: Was bringt der beste E-Bike-Sattel, wenn längere Ausfahrten mit Gesäßschmerzen enden? Um das zu verhindern, betreiben Sattelhersteller viel Aufwand, bieten aufwändige Messmethoden für den Sitzknochenabstand und Sättel in verschiedenen Breiten oder andere Individualisierungen. Diesen ergonomischen Ansatz zeigen in diesem Testfeld Ergon und SQlab. Da die Geschmäcker und Biker-Hinterteile so unterschiedlich sind, wie die Auswahl an verschiedenen Sattelmodellen, bleibt der Sitzkomfort eine sehr persönliche Variable. Endgültigen Aufschluss können nur ausgiebige Testfahrten liefern.

Markus Greber E-MTB-Sättel unterscheiden sich markant von normalen Bike-Sätteln. Insbesondere schmale, rund gewölbte Race-Modelle ohne Heckaufbiegung bieten kaum Halt nach hinten. Der Unterschied ist deutlich spürbar.


Fazit von Florentin Vesenbeckh, EMTB-Testredakteur

Alle drei Modelle im Test bieten gegenüber flachen Standardsätteln spürbare Vorteile – gerne mehr davon. Canyon zieht das Konzept mit erhöhtem Heck am konsequentesten durch, das funktioniert. Allerdings braucht das spezielle Sitzgefühl etwas Gewöhnung. Eines gilt für E-Sättel genauso wie für alle anderen Fahrrad-sättel: Am wichtigsten ist ein angenehmes Sitzgefühl, auch auf langen Touren. Und das ist individuell sehr unterschiedlich. Hier hilft nur: ausprobieren!

Markus Greber Florentin Vesenbeckh, EMTB-Testredakteur


DIE DETAILS

Georg Grieshaber Grip-Tape: SQlab besetzt die Satteloberfläche an Heck und  Nase mit gummierten Elementen. Das soll zusätzlich für festen Halt auf dem Sattel sorgen.

Georg Grieshaber Entlastung: Alle drei Sättel im Test haben eine Vertiefung in der Sattelmitte, die Taubheitsgefühlen entgegenwirken soll. Bei Ergon ist diese besonders stark ausgeprägt.

Georg Grieshaber Gut geschützt: SQlab verstärkt die Seiten mit Kevlar. Das soll den Sattel bei Stürzen oder beim Anlehnen vor Beschädigungen schützen. Die Idee dahinter: An schweren E-Bikes sind die Belastungen höher.

DIE UNTERSCHIEDE


Neigung: Gerade an normalen Sätteln ohne erhöhtes Heck kann es sinnvoll sein, den Sattel etwas nach vorne zu neigen. Das ist an steilen Anstiegen angenehmer und verhindert ein Abrutschen nach hinten. Nach hinten geneigte Sättel sind kontraproduktiv. Auch bei spezifischen E-MTB-Sätteln lohnt sich das Tüfteln an der optimalen Neigung.


Lage: Weit ausgezogene Sattelstützen und softe Fahrwerke können an steilen Anstiegen den Hinterbau in die Knie zwingen. Der Dämpfer sackt ein, das Vorderrad steigt früher. Wer den Sattel nach vorne schiebt, wirkt diesem Effekt entgegen und kann die Steigfähigkeit seines E-MTBs verbessern. Achtung: Das Bike fühlt sich dadurch im Sitzen kürzer an.


Höhe: Wer viel in technischem Gelände bergauf fährt, kann mit der richtigen Sattelhöhe am E-MTB noch etwas herausholen. EMTB-Fahrtechnikexperte Stefan Schlie rät: "Stellen Sie den Sattel am E-MTB ruhig etwas tiefer ein als am normalen Bike. Etwa einen Zentimeter. Das bringt in kniffeligen Passagen mehr Bewegungsfreiheit."


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    Test E-MTB Sättel: Die Testergebnisse

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