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Mit Kindern auf Tour: Das sind die richtigen E-MTBs

  • Matthias Rotter
 • Publiziert vor einem Jahr

Als Zugmaschine oder am Kinder-Bike selbst: E-Antriebe ermöglichen gemeinsame Bike-Touren für Eltern und Kinder. Wir verraten, worauf bei E-MTBs für Kinder zu achten ist.

Sollen Kinder e-mountainbiken? Darüber wird unter bikenden Eltern leidenschaftlich gestritten. Kinder werden dadurch faul und verwöhnt, setzen sich auf normale Bikes gar nicht mehr – das sagen die Gegner. Aber auch die Pro-Argumente sind so schlicht wie stark: mehr Spaß, mehr biken, mehr Bewegung. Und das gleich für die ganze Familie. So oder so – Eltern, die selbst vom E-MTB-Virus infiziert sind, wären schlechte Vorbilder, wenn sie das Vergnügen den Kindern vorenthalten. Man kann ja auch kaum die Schokoladentafel selbst anknabbern, den Kleinen aber nichts davon abgeben. Wie so oft ist es wohl eine Frage der richtigen Dosis. Zum Beispiel, indem man das E-MTB für den Nachwuchs als Option sieht, besonders an den Tagen, wenn die ganze Familie Touren unternimmt. Denn darin liegt ja eine der Stärken des E-Mountainbikes: Es kann Leistungsunterschiede ausgleichen. Der Antrieb eröffnet wunderbare Möglichkeiten, den Bike-Sport gemeinsam in all seinen Facetten zu erleben. Ob die Kinder dann selbst auf dem E-MTB sitzen, im Kinderanhänger herumlümmeln oder auf dem Mitläufer mitstrampeln, hängt hauptsächlich vom Alter des Kindes ab. So oder so kann der E-Antrieb bei den Kindern spielerisch Begeisterung für das wecken, was man als Eltern selbst gerne tut. Dank des Motors wird die Berg-Tour zur Almhütte ungleich spannender oder gar überhaupt erst durchführbar.

E-Biken als Option bedeutet jedoch für Eltern auch eine hohe Investition. Nicht nur, dass ein Kinder-E-MTB mindestens 1700 Euro kostet. Hinzu kommt ja noch der Preis für ein Alltagsfahrrad ohne Antrieb. Und alle Eltern wissen aus leidvoller Erfahrung, wie schnell die Kleinen dem eben noch passenden Rahmen entwachsen sind. Aber: Das glückliche Lachen eines Kindes nach einer tollen Tour ist ja unbezahlbar.

KAUFBERATUNG E-MTBs FÜR KINDER

Die Qual der Wahl? Nur ein bisschen. Denn noch ist das Angebot an E-MTBs für Kinder in den Shops überschaubar. Aber immer mehr Hersteller reagieren auf das steigende Interesse und bieten mindestens ein Modell für Kinder an. In der Regel ein Hardtail mit 24-Zoll-Laufrädern, das ab einer Körpergröße von etwa 130 Zentimetern (Innenbeinlänge ab ca. 60 cm) passt.

So weit so gut. Doch die meisten Modelle sehen auf den ersten Blick aus wie geschrumpfte Erwachsenen-E-Bikes. Und genau hier liegt das Problem: Wer sich bereits einmal mit dem Kauf eines Kinder-Bikes ohne E-Antrieb beschäftigt hat, weiß, dass neben einer kindgerechten Ergonomie das Gewicht des Rades eine entscheidende Rolle spielt. Damit steht und fällt der Spaß am Radsport. Um das Gewicht der Bikes deutlich zu reduzieren, braucht es neue Denkansätze. Und am E-Bike ist dieser Aspekt nicht weniger wichtig. Denn: Zwar hilft der Antrieb beim Pedalieren, aber nicht beim Handling des Bikes. Zum Vergleich: Wenn ein 75 Kilo schwerer Erwachsener ein 22 Kilo schweres E-Bike bewegt, dann dürfte das Äquivalent zu einem 30 Kilo schweren Kind gerade einmal neun Kilo wiegen. Ein klassisch aufgebautes Kinder E-MTB mit Mittelmotor bringt jedoch rund 20 Kilo auf die Waage, fast so viel wie ein ausgewachsenes Modell. Von einem agilen Handling im Gelände kann man bei Mittelmotor-Bikes also nicht sprechen. Erst recht nicht beim Schieben oder Anheben, wenn mal ein Weidezaun oder ein quer liegender Baum im Weg ist. Zum Glück sind Mama und Papa auf Tour dabei. Denn für Kinder sind das mit ihren E-Bikes unüberwindbare Hindernisse.

Christoph Malin Spannendes Spielzeug: E-Bikes kommen bei Kids gut an. Während der Nachwuchs mit den technischen Finessen in der Regel schnell vertraut ist, macht hohes Gewicht nachhaltig zu schaffen.

Hersteller wie Ben-E-Bike oder Orbea zeigen dagegen, wie sich mit alternativen Antriebskonzepten einige Kilo sparen lassen. Die Idee: Um genauso weit wie die Eltern zu fahren, müssen Motor und Akku bei einem halb so schweren Fahrer weitaus weniger leisten, können also kleiner dimensioniert sein. Das Ergebnis: halbe Kapazität und Gewicht beim Akku in Kombination mit einem kompakten Hinterrad-Nabenmotor. Auch die Tretlagerbreite (horizontaler Kurbelabstand), der sogenannte Q-Faktor, kann mit einem Heckmotor geringer ausfallen, was dem schmalen Becken eine Kindes eher entspricht.

Der Nachteil von Heckmotoren, dass der Schwerpunkt des Bikes nach hinten wandert und der Antrieb weniger standfest ist, hat bei Kindern weniger Relevanz. Denn die technischen Schwierigkeiten im Gelände sollten ohnehin defensiv gewählt werden, und das leichte Körpergewicht packt auch der Nabenmotor. Beim Einsatz an Kinder-E-Bikes gilt für alle Motortypen, dass ihre Unterstützung bereits bei 20 km/h (statt 25 km/h) abgeregelt werden sollte. Diese Geschwindigkeitsbegrenzung wird in der Regel vom Hersteller voreingestellt. Wenn nicht, kann man die Bordelektronik auch nachträglich umprogrammieren lassen. Sicher ist, dass beim Thema Antrieb die Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft sind. Die Industrie wird immer kompaktere und leichtere Motoren entwickeln. So stellte der Hersteller VPace jüngst ein Kinder-E-Bike mit dem Minimal-Assist-Antrieb von Fazua vor, das in naher Zukunft auf den Markt kommen soll (siehe Seite 16). Es bleibt spannend. Auf was Eltern beim Kauf eines Kinder-E-Bikes außerdem achten sollten, haben wir in unseren Tipps kompakt zusammengefasst.


7 TIPPS FÜR KIDS (E-)MOUNTAINBIKES


1 Rahmengröße

Sicheres Auf- und Absteigen ist entscheidend im Gelände. Deshalb ist neben der Rahmenhöhe (Sitzrohrlänge) die Überstandshöhe wichtig. Sie wird gemessen vom Boden bis zur Oberseite des Oberrohrs. Denn, wenn das Kind absteigt, muss es mit beiden Füßen stehen können, ohne auf dem Oberrohr aufzusitzen. Dieser Wert sollte also mindestens der Innenbeinlänge des Kindes entsprechen. Probesitzen!


2 Laufradgröße

Je größer die Laufräder, desto besser sind Komfort, Grip und Traktion. Wenn Körpergröße und Überstandshöhe es zulassen, spricht nichts gegen ein E-Bike mit größtmöglichen Laufrädern. Kinder E-MTBs starten bei 20 Zoll (Ben-E-Bike). Die meisten rollen auf 24 Zoll, gefolgt von 26 Zoll (Kinder bis Jugend). Bei Jugendlichen passen oft kleine Damen- (oder Herren-) Modelle mit 27,5-Zoll- oder sogar 29-Zoll-Rädern.


3 Reifen und Luftdruck

Wenn Rahmen und Gabel genügend Reifenfreiheit bieten, dann sind fette Schlappen ein immenser Zugewinn. Das gilt besonders bei 24-Zoll-E-Bikes, die im Gelände eher holprig unterwegs sind. Voluminöse Reifen, zum Beispiel 2,6" gegenüber 2,2", können mit weniger Luftdruck gefahren werden, was Traktion und Komfort optimiert.


4 Federgabel

Bei überwiegendem Einsatz auf der Straße und in leichtem Gelände kann man auf eine Federgabel verzichten. Das senkt das Gewicht. Bei E-Bikes mit Federgabel gilt: Probieren Sie bei der Probefahrt aus, ob sich die Gabel weich genug für das Körpergewicht abstimmen lässt. Sie muss schon beim Aufsitzen etwas einfedern. Ein guter Shop hilft beim Setup.


5 Schaltung

Kinder haben weniger Kraft in den Fingern als Erwachsene. Ist der Schaltzug schwergängig, schaffen sie es kaum, die Gänge zu wechseln. Die Züge sollten in harmonischen Bögen verlegt sein. Abhilfe können beschichtete Züge schaffen.


6 Bremsen

Bei einem schweren E-Bike sind kraftvolle Scheibenbremsen noch wichtiger als bei einem normalen Bike. Leichtgängigkeit ist oberstes Gebot. Die Hebel müssen zur Anatomie von Kinderfingern passen. Der Hebelabstand zum Lenker (Griffweite) muss auf kurze Finger justierbar sein.


7 Dropper Post

Eine Teleskopsattelstütze ist ein sinnvolles Tuning-Objekt. Mit abgesenktem Sattel lassen sich Abfahrten sicherer und entspannter meistern. Sie passt allerdings erst ans E-Bike, wenn der Sattel eine gewisse Höhe hat.


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