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So planen Sie E-Mountainbike-Touren perfekt

Uli Stanciu am 27.07.2016

Mit E-Antrieb verliert der Berg seinen Schrecken. Aber es kommt die Angst vor der leeren Batterie. Mit unserer Tourenplanung bekommen sie die besten Tipps für die perfekte E-MTB-Tour.

Es fängt schon morgens vor der Tour an: Wie viele Höhenmeter warten? Schaffe ich das mit meiner Batterie? Die Kalkulation und damit die Sorge im Kopf, ob man die geplante Tour auch wirklich mit der vorhandenen Akku-Kapazität schafft, begleitet einen als E-Mountainbiker den ganzen Tag. Und wenn die Batterie dann wirklich mitten im Anstieg leer ist, dann heißt es: schieben oder umkehren. Solchen Situationen kann man vorbeugen – hier die wichtigsten Tipps für die Touren-Planung.

Die Reichweite, oder besser die "Reichhöhe", ist heute der einzig wirklich limitierende Faktor für eine E-Tour. Jeder einigermaßen trainierte Biker schafft mit seinem normalen Bike etwa 1500 Höhenmeter am Tag. Nicht einmal für dieses moderate Pensum hat eine heute gängige E-Bike-Batterie genug "Saft". Mit den bisher gängigen 400 Wattstunden (Wh) schafft ein Biker mit 75 Kilo Gewicht ungefähr 1200 Höhenmeter – je nach Fahrstufe zwischen Eco und Sport etwas mehr oder weniger. Mit den neuen 500-Wh-Batterien (zum Beispiel von Bosch) sind es entsprechend 20 Prozent mehr, also gut 1400 Höhenmeter. Aber auch mit den noch größeren 600-Wh-Batterien, wie sie zum Beispiel Brose in einigen Bikes anbietet, ist eine große E-Tour nur eingeschränkt möglich. Zwar würde derselbe Normal-Biker, der ohne Motor 1500 Höhenmeter schafft, von seinen Kraftreserven her mit Motorunterstützung etwa das Doppelte erreichen – er ist ja mit dem E-MTB nicht nur schneller, sondern er spart auch Kraft. Aber die Voraussetzung wäre, dass auch die Akku-Kapazität für diese Kilo- und Höhenmeter ausreichen würde. Ergo: Für eine große, konditionell problemlos machbare Tour mit 2500 bis 3000 Höhenmetern, reichen die verfügbaren Akku-Kapazitäten nicht aus, ohne dass man noch eine Ersatzbatterie im Rucksack mitführt. Aber: Zusätzliche 2,5 Kilo auf dem Buckel – das ist nicht jedermanns Sache, mal abgesehen von den Kosten für die Zweitbatterie.

800 Höhenmeter pro Stunde sind mit dem E-MTB locker drin, wenn man keine Pausen macht. Ein normal trainierter Biker hat im durchgehenden Anstieg also nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden seine Batterie leergefahren. Unbefriedigend, schließlich will man mitunter deutlich länger im Sattel sitzen. Nachladen ist oft unmöglich, weil einfach keine Hütte oder kein Gasthaus in der Nähe ist. Beispiel: Der Tremalzo (1850 hm) oder auch der Monte Altissimo (2050 hm) – Gardasee-Klassiker, die man von der Kraft her mit dem E-MTB locker schaffen könnte. Mit den heutigen Batterien sind diese Touren dennoch nicht zu machen.

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Hochalpine Touren mit langen, steilen Anstiegen erfordern eine besonders ökonomische Fahrweise. Da heißt es: Selbst reintreten, was die Beine hergeben. 

Die bloße Reichweite wirkt dabei kaum einschränkend – mit einer Batterie und niedrigster Fahrstufe schafft man in der Ebene meist über 100 Kilometer. Viel wichtiger sind die zurückgelegten Höhenmeter. Denn im Anstieg braucht der Motor viel Energie, und der Biker nutzt hier meist eine höhere Unterstützungsstufe. Beim E-Mountainbike ist also die Reichhöhe der entscheidende, limitierende Faktor in der Touren-Planung. Die allermeisten Normal-Biker, die auf E-Antrieb umsteigen, wären konditionell in der Lage, 2500 Höhenmeter oder sogar mehr auf einer Tour unterzubringen. Technische Voraussetzung wäre eben eine Batteriekapazität, die dafür ausreicht – also 800 bis 1000 Wh. Dann müsste man während einer Tour nicht nachladen oder den Akku wechseln.

Immerhin kann man sich für eine große Tages-Tour heute mit einer Ersatzbatterie behelfen, die man im Rucksack mitführt. Schmerzhaft sind die Kosten dafür: Rund 500 bis 800 Euro gehen über den Ladentisch. Ein Bike mit fest eingebauter, nicht wechselbarer Batterie, empfiehlt sich für große Touren ohnehin nicht, denn die Zeit zum Nachladen (3–4 Stunden) auf einer Hütte oder in einem Gasthaus ist einfach zu lang. Davon abgesehen, dass man dann auch das Ladegerät im Rucksack mitführen müsste.

Durch die heutige Begrenzung der Batteriekapazität ist auch eine Transalp-Tour nur schwer zu organisieren und erfordert eine besondere Logistik. Denn eine Ersatzbatterie im Rucksack mitzuschleppen, ist nahezu unmöglich, da der Rucksack schon mit allen anderen Siebensachen für eine Etappenfahrt gefüllt ist. Man braucht also zwingend ein Begleitfahrzeug – mit all dem Aufwand und den Kosten, die damit verbunden sind. Selbst dann, wenn in Zukunft E-MTBs mit großen Batterien angeboten werden, stellt sich immer noch die Frage nach dem Ladegerät. Heutige Ladegeräte sind ebenfalls meist zu sperrig und schwer, um sie im Rucksack mitzuführen. Die müssten kleiner werden und möglichst am E-MTB oder sogar in der Batterie integriert sein.

Der Batterieverbrauch und damit die Reichhöhe hängt von vielen Faktoren ab. Da ist zuerst einmal die Fahrstufe, die man bergauf nutzt. Gut trainierte Biker werden bei flacheren Anstiegen im Eco-Modus fahren, obwohl der Eco-Modus gegenüber dem Normal-Bike meist gerade mal das höhere Bike-Gewicht und die zusätzlichen Fahrwiderstände ausgleicht. Wer schneller vorwärts kommen und die Vorteile des E-MTBs wirklich nutzen möchte, der wird je nach Steilheit im Tour- oder Sport-Modus fahren und damit natürlich mehr Batterie verbrauchen. Der Turbo-Modus (Bosch) sollte generell nur bei supersteilen Rampen eingesetzt werden, denn der bringt zwar die Herzfrequenz runter, saugt aber den Akku rapide leer.

Eine entscheidende Rolle spielt auch das Körpergewicht. Ein 50-Kilo-Leichtgewicht wird unserer Erfahrung nach mit gleicher Batterie etwa 40 Prozent mehr Reichhöhe erzielen als ein 90-Kilo-Fahrer. Kurbelt der schwere Fahrer mit einer 400-Wh-Batterie gerade mal 1200 Höhenmeter rauf, schafft es der leichte Biker auf knapp 1700 Höhenmeter. Als Faustformel kann gelten: Pro Kilo Körpergewicht braucht man fünf Wattstunden mehr. Ein paar Kilo abzuspecken, lohnt sich also. Auch ein leichtes Bike zahlt sich in puncto Reichhöhe aus.

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Uli Stanciu am 27.07.2016