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Test Sachs RS Test Sachs RS

E-MTB-Neuheiten Riva 2019: Sachs RS-Motor

Erster Test: Kraftvoller Sachs RS-Motor

Florentin Vesenbeckh am 04.05.2019

Der neue Sachs RS-Motor will mit hoher Qualität und Power den E-MTB-Markt auffrischen. Noch 2019 sollen Bikes mit dem Kraftpaket in Serie gehen. Wir konnten den Motor bereits im Gelände testen.

Auf der Eurobike 2018 präsentierte die neu formierte Marke Sachs Micro Mobility zum ersten Mal einen Prototypen ihres eigenen E-Motors. Inzwischen ist der Sachs RS fahrbereit. Das Kraftpaket steht vor der Markteinführung und schon bald werden erste E-MTBs mit dem neuen Antrieb auf die Trails rollen. Nominell soll der Motor 110 Newtonmeter Drehmoment liefern und damit die Konkurrenz um Bosch, Brose, Shimano und Yamaha in Sachen Maximalkraft in den Schatten stellen. Nach Angaben von Sachs sei lediglich der TQ-Motor noch stärker. Vom Charakter und dem Einsatzbereich sehen die Sachs-Entwickler ihren RS allerdings näher an den klassischen E-Motoren der Bosch-Liga, denn im TQ-Bereich. Im Gelände rund um Arco konnten wir uns schon einen ersten Eindruck von der Power und Abstimmung des Motors verschaffen.

Sachs RS Testbike

Der Sachs RS-Motor steckte für unsere Testfahrten in einem Nox Hybrid Allmountain Prototypen. Ob Nox künftig auch in Serienbikes auf den Sachs RS setzt, ist noch nicht klar.

Sachs RS E-MTB Motor

Dezent und ohne Logo: Sachs will als Motorenhersteller eher im Hintergrund bleiben und so eigenstädige Bikes verschiedener Marken ermöglichen.

Sachs RS

An unserem Testbike war der Speedsensor an der Kettenstrebe verbaut, dazu kommt ein klassischer Speichenmagnet. Künftig soll es auch eine integrerte Version geben, bei der der Magnet an der Bremsscheibe sitzt.

Sachs RS Fahrbericht

Im Rahmen des BIKE Festivals am Gardasee konnten wir den neuen Sachs-Motor bereits einer kurzen Probefahrt unterziehen.

Komplettsystem mit Akku und Displays

Neben dem RS-Motor hat das Konsortium auch einen Intube-Akku im Portfolio. Dieser stammt von BMZ, einem der vier großen Player hinter Sachs Micro Mobility. Optisch ähnelt der Energieträger genau dem BMZ-Akku, der zum Beispiel in den neuen E-Mountainbikes von Nox steckt. Allerdings sind zwei Zellen mehr verbaut, so dass eine Kapazität von 652 Wattstunden zu Stande kommt. Die BMZ-Version mit 630 Wh wiegt gut 4200 Gramm, die Sachs-Variante wird vermutlich etwas darüber liegen. Neben diesem Standard-Akku, den jeder Bike-Hersteller simpel in seine Bikes implementieren kann, ist Sachs auch offen für individuelle Lösungen. Die Abmessungen des RS erlauben relativ kompakte Geometrien. Der Nox-Prototyp kommt mit Kettenstreben mit 450 Millimetern Länge bei 27,5er-Laufrädern. Hersteller und Endkunden sollen die Möglichkeit haben, den Motor nach ihren persönlichen Vorlieben feinzutunen, zum Beispiel mittels App.

Sachs RS E-Antrieb

Auf den Vorführrädern war der Akku klassisch im Unterrohr integriert und nach unten entnehmbar. Theoretisch lässt er sich auch von oben oder von der Seite ins Unterrohr verbauen.

Sachs RS

Mit Hilfe des silbernen Riegels lässt sich der Akku nach unten entnehmen.

Sachs RS Akku

Der 652-Wh-Akku von BMZ ist kantig und der Kapazität entsprechend nicht gerade klein. Das Metall-Gehäuse ist robust.

Sachs RS

In einem Evoc FR Trail E-Ride findet der Akku Platz, allerdings lässt sich die obere Befestigungsschlaufe nicht schließen. Mit über 4,2 Kilogramm liegt der Akku allerdings schon schwer auf den Schultern.

Displays und Bedieneinheit von Sigma Sport

Für Displays und Bedieneinheiten stellt Sachs mehrere Varianten zur Verfügung. Zum einen stehen die Lösungen von BMZ zur Auswahl. Aber auch eine ganz eigene Variante können Bike-Hersteller wählen. Mit Sigma Sport steigt ein alter Bekannter ins E-MTB-Geschehen ein. Die Pfälzer haben eine Remote-Einheit, ein Display und eine aufwändige App exklusiv für den Sachs RS-Antrieb entwickelt. Als minimalistische Lösung kann die Bedieneinheit eigenständig und ohne Display verwendet werden. Mittels LEDs werden der Akkustand, die Unterstützungsstufe und Fehlercodes angezeigt. Außerdem kommuniziert der Shifter mittels Bluetooth mit dem Smartphone. Zusätzlich kann das individuell konfigurierbare Sigma-Display verbaut werden.

Sachs RS

Das BMZ-Display ist aktuell schon mit Brose-Motoren im Einsatz. Minimalistisch, kompakt und funktional. Hier sind Schalter und Display kombiniert.

Sachs RS

Nagelneu sind die Bedienelemente und Displays von Sigma Sport. Der Remote kann eigenständig eingesetzt werden, dann informieren LEDs in sechs Farben über Akkustand und Unterstützungsstufe.

Sachs RS Display

Zusätzlich gibt´s ein schlankes Display, das mittels App individuell konfiguriert werden kann und über unzählige Funktionen verfügt. Der Sigma-Screen kann vor den Vorbau oder auch hinter den Lenker montiert werden.

Sachs RS

Alternativ gibt´s auch die Möglichkeit, das Sigma-Display komplett in den Vorbau zu integrieren. Allerdings ist dafür ein sehr langer Vorbau nötig, an sportlichen E-MTBs sicher nicht die erste Wahl.

Sachs RS App

Die EOX-App von Sigma bietet eine Fülle an Funktionen: von Navigation, über Leistungsmessung und vielem mehr. Über die App können auch Motorparameter oder das Display konfiguriert werden.

Die Fakten zum Sachs RS:

  • Maximales Drehmoment: 110 Newtonmeter (Herstellerangabe)
  • 48-Volt-System
  • Motorgewicht: 3,5 Kilo
  • Intube-Akku mit 652 Wattstunden
  • Offenes System mit Individualisierungsmöglichkeiten für Bike-Hersteller und Endkunden

Fahrbericht: Der Sachs RS im Gelände

Eines vorweg: Die Power des Sachs RS ist enorm. Wir biegen von der Asphaltstraße auf einen steilen Felsen-Trail. In höchster Unterstützungsstufe schiebt der Motor so stark, dass wir das Gefühl haben, den Berg hinaufzufliegen. In puncto Maximalkraft stellt der Neuling die Konkurrenz um Bosch, Shimano und Brose in den Schatten, so unser erster Eindruck. Einen direkten Vergleich zu anderen Motoren hatten wir während unserer kurzen Testfahrt zwar nicht, im Anschluss sind wir die gleiche Strecke aber nochmal mit einem Shimano E8000-Antrieb gefahren – und fühlten uns bestätigt.

Sachs RS Fahrtest

In steilen Anstiegen macht sich die hohe Maximalpower des Sachs RS bemerkbar. Ausführliche EMTB-Tests in Labor und Praxis werden zeigen, wo sich der neue Motor einordnet.

Die Feinabstimmung des Motors ist sehr ordentlich, in einigen Situationen vermittelte der RS allerdings ein etwas pulsierendes Gefühl. Insbesondere bei geringer Tretkraft und hoher Unterstützungsstufe ist uns dieses etwas unrunde Verhalten aufgefallen. Das Anfahren am Berg klappt sehr gut. Der Motor setzt nicht ganz so zackig ein, wie etwa ein Yamaha PW-X, greift aber schnell genug, um auch an steilen Stellen problemlos in Fahrt zu kommen. Im Verhältnis zur starken Maximalpower haben wir die Geräuschentwicklung als gering empfunden. Insbesondere bei voller Power surrt der Sachs RS nicht so laut, wie beispielsweise ein Shimano E8000. Je geringer die Trittfrequenz, desto leiser der Motor. Von der Flüsterklasse eines Brose ist der Sachs RS allerdings klar entfernt. Das Geräusch erinnert, anders als gängige Motoren, an das Pfeifen eines Turboladers im Auto. Bei unserem Testmotor handelte es sich nicht um ein Serienmodell. Sowohl die Hardware, als auch die Software-Abstimmung soll beim Serien-Antrieb noch optimiert werden.

Verfügbare Bikes mit Sachs RS

Aktuell sind noch keine Bikes mit dem neuen Motor verfügbar. Allerdings soll Bulls noch dieses Jahr ein E-Bike mit Sachs RS auf den Markt bringen. Im Modelljahr 2020 sollen mehrere Bikes und Modelle verschiedener Marken folgen. Konkrete Infos gibt es allerdings noch nicht. Auch Nox, die die Testbikes für die Präsentation des Motors angefertigt haben, haben diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen.

Fazit zum Sachs RS:

Wer Wert auf besonders hohe Maximalpower legt, bekommt mit dem Sachs RS eine neue, spannende Wahlmöglichkeit. Allerdings wird der Antrieb nicht gerade für eine leichtere Generation E-Mountainbikes sorgen, denn Motor und Akku treiben das Gesamtgewicht in die Höhe. Das System ist schwerer als ein Shimano E8000- oder Brose Drive S Mag-Antrieb. Dafür soll der Antrieb besonders standfest und unempfindlich bei Dauerbelastung sein.

Bisher konnten wir den Motor nur auf einer kurzen Trail-Runde ausprobieren, aufwändige Labortests sind in Planung. Wie effizient arbeitet der Sachs RS und welche Reichhöhe ist zu erwarten? Wie hoch ist die Power im Vergleich zur Konkurrenz? Harte Fakten und ausführliche Tests des Sachs RS gibt´s in EMTB 3/2019, ab Mitte August am Kiosk.

Florentin Vesenbeckh am 04.05.2019