Max Fuchs
· 03.05.2026
Volle Akkus, ohne auf einen Landstromanschluss angewiesen zu sein – für E-Biker war das auf mehrtägigen Roadtrips lange ein Widerspruch. Wer jeden Tag fahren will, braucht jeden Tag eine frische Akkuladung. Strom von Campingplätzen ist die einfache, aber unfreie Lösung. Powerstations klingen besser – scheitern aber schnell: Zu Hause vollgeladen, reichen sie je nach Größe meist für ein bis drei Akkuladungen, dann brauchen sie selbst wieder Strom.
Die verbreitetsten Ansätze, um eine Powerstation unterwegs ohne die klassische Steckdose zu laden: Solar und die 12-V-Steckdose im Auto. Solar? Schön in der Theorie, zu wetterabhängig für die Praxis. Außerdem benötigt man sehr große Solarpanels, um unter Idealbedingungen einigermaßen schnelle Ladezeiten zu erzielen. Der 12-Volt-Anschluss im Auto ist schlicht zu schwach, um größere Powerstations in überschaubarer Zeit wieder aufzuladen.
Die Lösung heißt Kfz-Schnellladen direkt über die Lichtmaschine. Spezielle Schnellladegeräte, die direkt an die Starterbatterie angeschlossen werden, können während der Fahrt je nach Modell bis zu 1000 Watt Ladeleistung erzeugen. Für die Praxis bedeutet das: Mit einer entsprechend großen Powerstation reichen zwei Stunden Fahrt aus, um zwei E-Bikes mit jeweils einem 800-Wh-Akku vollständig aufzuladen.
Faustregel: Anzahl täglicher Akkuladungen × Akku-Größe × 1,2. Der Faktor 1,2 deckt Ladeverluste ab: Der Wechselrichter in der Powerstation (5–15 %) und das E-Bike-Ladegerät (10–15 %) schlucken zusammen rund 15 bis 20 Prozent der entnommenen Kapazität.
| Kapazitätsrechner – Beispiele |
| 1 Fahrer, 800-Wh-Akku, 1 Ladung/Tag: 800 × 1,2 = 960 Wh → ca.1000-Wh-Powerstation |
| 2 Fahrer, 800-Wh-Akku, 2 Ladungen/Tag: 1600 × 1,2 = 1920 Wh → ca. 2000-Wh-Powerstation |
| → Immer mit Puffer planen – lieber zu groß als zu knapp. |
Ob ein 1000-Watt-Schnellladegerät seine maximale Ladeleistung während der Fahrt überhaupt entfalten kann, hängt letztendlich von der Lichtmaschine ab. Wie viel Strom diese maximal erzeugt, steht im Benutzerhandbuch oder auf der Lichtmaschine selbst. Oft können derart performante Ladegeräte in Kombination mit einer kleineren Lichtmaschine ihre volle Ladeleistung gar nicht entfalten, und man ist mit einem günstigeren Charger besser beraten.
| Lichtmaschinen-Leistung (brutto) |
| Schwach (60 A × 14,8 V): 888 W brutto → ~500–600 W netto für die Powerstation |
| Mittel (100 A × 14,8 V): 1480 W brutto → ~800–1000 W netto |
| Stark (120 A × 14,8 V): 1776 W brutto → ~1000–1400 W netto |
| Das Fahrzeug benötigt selbst ca. 200–400 W für Eigenbedarf (Lichtanlage, Radio, Klimaanlage und Co.) → immer abziehen. |
| → Schritt 1 vor dem Kauf: Leistungsdaten der Lichtmaschine prüfen! |
Mit der Netto-Ladeleistung lässt sich ausrechnen, wie lange man fahren muss, um die Powerstation zu füllen:
| Ladezeiten – praxisrelevante Beispiele |
| 560 W (Bluetti Charger One, vollständig konfiguriert): ~1 Stunde 50 Minuten für 1000 Wh |
| 1000 W (DJI Auto Super Schnellladegerät): ~60 Minuten für 1000 Wh |
| Zum Vergleich – 12V-Steckdose/Zigarettenanzünder (150 W): ~7 h für 1000 Wh |
Die genannten Kfz-Schnellladegeräte funktionieren nur mit Fahrzeugen mit konventioneller Lichtmaschine und Starterbatterie. Hybrid- und vollelektrische Fahrzeuge sind aktuell nicht kompatibel, da ihre Ladesysteme anders arbeiten als bei klassischen Verbrennern. Auch bei Dieselfahrzeugen ab der Abgasnorm Euro 6 kann es zu Problemen durch Schnellladegeräte kommen. Um sicherzugehen, dass kein Schaden entsteht, sollte vor der Nutzung der Fahrzeug- oder Gerätehersteller kontaktiert werden.

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