In diesem Artikel verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Bei jedem Einkauf über diese Links erhalten wir eine Provision vom Händler. Alle vermittlungsrelevanten Links sind mit gekennzeichnet. Mehr erfahren.
Der italienische Hersteller Northwave bringt eine Sohlentechnologie aus dem Straßenrennsport in den Offroad-Bereich. Die Hyperlight HT-Sohle wurde ursprünglich für den Veloce Extreme entwickelt, den Zeitfahr-Weltmeister Filippo Ganna nutzt. Jetzt kommt die Konstruktion im Extreme X für Cross-Country, Marathon und Gravel-Rennen zum Einsatz und soll dort für enorme Steifigkeit und hervorragende Kraftübertragung bei gleichzeitig perfektem Halt im Schuh sorgen.
Die Sohle besteht aus 100 Prozent unidirektionalem Carbon. Beim sogenannten High-Tail-System handelt es sich um einen asymmetrischen Aufbau, bei dem sich die Sohle entlang des äußeren Fersenbereichs nach oben zieht. Diese Konstruktion soll den Fuß stabilisieren und die Innenkante des Fußgewölbes unterstützen. Gegenüber der Vorgängergeneration erreicht die Hyperlight HT-Sohle damit laut Northwave eine um 169 Prozent höhere Torsionssteifigkeit und 41 Prozent höhere Drucksteifigkeit. Das patentierte PowerShape-System unterstützt dabei das Fußgewölbe.
Gummi- und TPU-Einsätze an der Außensohle sorgen für Traktion beim Gehen. Übrigens sind die drei Stollen-Platten im Carbon verschraubt und lassen sich austauschen, was die Nutzungsdauer des Schuhs verlängert. Hier zeigt sich auch ein Unterschied zu spezialisierten Gravel-Schuhen, die oft auf größere Profilblöcke und mehr Gehkomfort setzen. Ansonsten folgt der Extreme X der Race-Philosophie klassischer Cross-Country-Schuhe: maximale Steifigkeit für die Kraftübertragung am Pedal, minimale Kompromisse beim Gewicht.
Gravel-Schuhe wie der Specialized S-Works Recon oder der Shimano RX8 nutzen eine Kombination aus Carbon und flexibleren Materialien. Der Grund liegt in der Vielseitigkeit des Einsatzbereichs. Gravel-Fahrer legen oft lange Strecken zurück, tragen ihre Räder über Hindernisse und laufen auf unterschiedlichem Terrain. Eine zu steife Sohle kann dabei unbequem werden.
Der Extreme X geht einen anderen Weg. Die 100-prozentige Carbon-Konstruktion entspricht dem Ansatz reiner Marathon- und Cross-Country-Rennschuhe: jedes Watt soll auf das Pedal übertragen werden, Gehkomfort steht nicht im Vordergrund. Für Rennsituationen, in denen Fahrer selten absteigen, funktioniert dieses Konzept. Bei mehrstündigen Gravel-Events mit Tragepassagen kann die extreme Steifigkeit jedoch zum Nachteil werden.
Das Obermaterial wurde gegenüber dem Vorgängermodell leichter konstruiert. Laser-geschnittene Belüftungszonen sollen die Temperaturregulation verbessern. Die ARS 3.0-Struktur (Anatomical Reticular Support) umschließt den Fuß von innen. Eine sogenannte Underlap-Konstruktion lässt dabei die oberen Materiallagen ineinandergreifen, was eine druckfreie Passform ermöglichen soll.
Beim Verschluss setzt Northwave auf das hauseigene SLW3-Drehrad, das eine exakte Anpassung in beide Richtungen auch während der Fahrt erlaubt. Im Lieferumfang sind zudem zwei anatomisch geformte Einlegesohlen enthalten: 5 mm für eine schmalere Passform und 3 mm für die reguläre Variante. Beide bieten Unterstützung im Fußgewölbe und Mittelfußbereich.
Der Extreme X ist in Weiß und Schwarz erhältlich. Typisch Northwave und ein großer Vorteil bei der optimalen Passform sind die vielen verfügbaren Größen. Diese reichen von 36 bis 50, zudem gibt es - typisch für den italienischen Hersteller - Halbgrößen von 39,5 bis 45,5.
Knapp 300 Euro für einen Top-Race-Schuh - das wirkt heutzutage beinahe schon günstig. Vor allem, weil der italienische Hersteller über viel Erfahrung im Race-Schuh-Bereich verfügt und in vergangenen Tests immer wieder mit Bestnoten geglänzt hat. Im Renneinsatz - vor allem auf kürzen Distanzen - dürfte sich die hohe Steifigkeit bezahlt machen. Sobald es aber runter vom Rad geht, dürften die Nachteile der schlecht abrollenden Sohle in den Vordergrund rücken. Top sind die vielen verfügbaren Größen, und auch die Möglichkeit, die Stollen ersetzen zu können, ist ein Argument für den Extreme X. Gerade im Renneinsatz können die harten TPU-Einsätze schnell abnutzen oder ausreißen. Ein Ersatz verlängert die Lebensdauer des High-End-Race-Schuhs.
Ein Vergleich mit etablierten Modellen zeigt die Einordnung: Der Shimano S-Phyre XC9 kostet 400 Euro und wiegt in Größe 42 etwa 290 Gramm. Der Specialized S-Works Recon liegt bei 425 Euro und 310 Gramm. Beide nutzen Carbon-Sohlen mit maximaler Steifigkeit. Der Northwave Extreme X kostet 299,99 Euro , Gewichtsangaben nennt der Hersteller aktuell leider nicht.

Redakteur