Noch ist unklar, wie viele Fahrer tatsächlich mit den Systemen unterwegs sind. Offiziell sprechen weder Teams noch Hersteller offen darüber. Doch im Fahrerlager ist das Thema längst präsent.
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Wer die Bilder aus dem Weltcup mit bekannten Fahrrad-Airbags vergleicht, erkennt sofort den Unterschied.
Der in Deutschland wohl bekannteste Fahrrad-Airbag ist der Mase Airding der bayerischen Firma MASE. Das System sitzt in einem Rucksack und schützt vor allem Kopf, Halswirbelsäule und Schultern. Sensoren erfassen Position und Bewegung hunderte Male pro Sekunde und lösen den Airbag innerhalb von weniger als 150 Millisekunden aus. Bekannt wurde das System nicht zuletzt durch Moderator Kai Pflaume, dessen Sturzvideos millionenfach geklickt wurden. Auch wir konnten uns auf der Eurobike 2025 einen Eindruck von der Technologie verschaffen.
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Die Westen im Downhill funktionieren jedoch nach einem völlig anderen Prinzip. Statt eines aufblasbaren Kragens legt sich der Airbag wie eine zweite Protektorweste um Brust, Rücken und Flanken. Die Bauform orientiert sich am Motorsport und zielt darauf ab, den gesamten Oberkörper bei schweren Einschlägen zu schützen.
Hohe Geschwindigkeiten, harte Untergründe und massive Einschläge – die Parallelen zwischen Motorrad, Ski und Downhill liegen auf der Hand.
Die Wurzeln der Airbag-Technologie liegen allerdings nicht im Mountainbike. Alpinestars entwickelt sein Tech-Air-System schon seit rund zwei Jahrzehnten für den Motorradsport. Dainese brachte sein D-air-System zunächst auf die Rennstrecke und später in den Ski-Weltcup – lange bevor es den Weg auf das Mountainbike fand.
Das System, das zuletzt bei Weltcup-Profi Amaury Pierron auslöste, stammt Insidern zufolge von seinem Bekleidungssponsor DHaRCO. Pierron und Jordan Williams sind allerdings nicht die Ersten, die Airbags in den Downhill-Weltcup bringen. Bereits 2024 setzte Canyon Factory Racing gemeinsam mit Dainese die D-air-Weste ein, unter anderem bei Troy Brosnan.
Das Funktionsprinzip ähnelt dem aus dem Motorrad- und Skisport: Beschleunigungs- und Drehratensensoren erfassen permanent die Bewegungen des Fahrers. Erkennt der Algorithmus ein typisches Sturzmuster, entfaltet sich der Airbag innerhalb weniger Millisekunden – noch vor dem Aufprall. Die zusätzlichen Polster schützen Brust, Rücken und Flanken und verteilen die Aufprallenergie großflächig. Wie die Systeme von Pierron und Williams im Detail funktionieren, ist bislang jedoch nicht bekannt.
Spannend ist vor allem, was in diesem Zusammenhang im Skisport passiert ist. Nach fast zehn Jahren Entwicklungsarbeit führte die FIS (Fédération Internationale de Ski) Airbags zunächst schrittweise ein. Seit der Saison 2024/25 sind sie in den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G Pflicht. Genau an diesem Punkt könnte der Downhill-Weltcup heute stehen: Die Technik existiert, sie funktioniert offenbar – verbindliche Regeln gibt es bislang aber nicht.
Nach Informationen aus dem Fahrerlager stammen die aktuell im Gravity-Sport eingesetzten beziehungsweise entwickelten Systeme vor allem von Dainese, Alpinestars und DHaRCO. Wie viele Fahrer tatsächlich mit Airbags starten, welche Modelle genau eingesetzt werden und wie weit die Entwicklung bereits ist, darüber gibt es keine offiziellen Informationen. Auch von der UCI gibt es bislang keine Aussagen, ob das Thema künftig regulatorisch aufgegriffen wird. Insider munkeln jedoch, dass die beiden jüngsten und sehr prominenten Fälle – Pierron und Williams – so kurz vor der Sommerpause womöglich einen Trend entfacht haben könnten. Denn selten war das Thema so präsent. Und wer weiß: Vielleicht springen bis zum nächsten Weltcup nach der Sommerpause in Andorra noch weitere Fahrer auf den Zug auf.
Für Holger Meyer, der mit seinem Sohn Lois Eller die Junioren-Weltcups bereist und die Entwicklung aus nächster Nähe mitbekommt, ist die Richtung jedenfalls die richtige: „Es ist cool zu sehen, dass sich nicht nur die Bikes ständig weiterentwickeln, sondern auch beim Thema Sicherheit etwas passiert." Dass Airbag-Westen eines Tages ähnlich selbstverständlich werden wie Fullface-Helme oder Rückenprotektoren, hält er durchaus für realistisch: „Ich könnte mir vorstellen, dass die UCI das Thema irgendwann aufgreift und Airbags im Downhill sogar zur Pflicht macht."
Noch ist das Zukunftsmusik. Doch nach den Bildern aus La Thuile und Andorra dürfte klar sein: Airbags sind im Downhill-Weltcup keine ferne Vision mehr. Die Technik ist auf der Strecke angekommen – jetzt stellt sich die Frage, ob der Sport ihr folgt.

Redakteur
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