Ortlieb TIDURAEigenes Gewebe für wasserdichte Taschen

Barbara Merz-Weigandt

 · 06.09.2026

Die fränkische Marke Ortlieb gilt seit über vier Jahrzehnten als Benchmark für wasserdichte Taschen – ob Gepäckträgertasche, Pendler-Rucksack oder Reisetasche. Doch trotz aller Fertigungstiefe hatte Ortlieb bislang eine Lücke: Das Gewebe selbst kam von externen Lieferanten. Mit TIDURA stellt Ortlieb jetzt ein vollständig selbst entwickeltes und gefertigtes Material vor.
Foto: Ortlieb

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Ortlieb bringt mit TIDURA ein eigenes Materialsystem für Taschen auf den Markt, das Robustheit, Wasserdichtigkeit und Reparierbarkeit verbinden soll.

​Ortlieb erweitert seine Fertigungstiefe: Der fränkische Taschenhersteller stellt mit TIDURA ein selbst entwickeltes Materialsystem vor. Es soll künftig in ausgewählten Gepäckträgertaschen, Rucksäcken und Reisetaschen zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt stehen zwei Gewebevarianten, die sich an unterschiedliche Einsatzzwecke richten: TIDURA strong für hohe Belastungen und TIDURA core für den täglichen Einsatz mit ausgewogenem Verhältnis aus Gewicht, Robustheit und Handhabung.

Die Markteinführung erfolgt im September 2026. Neu ist dabei weniger die grundsätzliche Ausrichtung von Ortlieb auf wasserdichte Taschen, sondern der Anspruch, auch das verwendete Gewebe einschließlich Beschichtung eng auf die eigene Konstruktion abzustimmen. Laut Hersteller wird das Grundgewebe in den Benelux-Ländern gewebt und anschließend im mittelfränkischen Heilsbronn beschichtet.

​Material, Beschichtung und Schweißnaht als Einheit

​Bei Fahrradtaschen entscheidet nicht allein das Obermaterial darüber, ob Gepäck trocken bleibt. Mindestens ebenso wichtig sind die Nähte, Verschlüsse und die Art, wie eine Tasche am Rad befestigt wird. Ortlieb versteht TIDURA deshalb als Gesamtsystem: Gewebe, TPU-Beschichtung, Hochfrequenzverschweißung und Verschluss sollen aufeinander abgestimmt sein.

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Das Material basiert auf einem technischen Polyestergewebe mit TPU-Beschichtung. TPU, also thermoplastisches Polyurethan, wird im Taschenbau eingesetzt, weil es eine dichte, flexible und strapazierfähige Oberfläche ermöglichen kann. Für Fahrradfahrer ist das besonders relevant: Packtaschen sind unterwegs nicht nur Regen ausgesetzt, sondern auch Spritzwasser vom Hinterrad, Schmutz, Reibung am Gepäckträger und häufigem Be- und Entladen.

Die Hochfrequenzverschweißung ersetzt klassische Nähte mit Faden. Dabei werden die Materialkanten miteinander verbunden, ohne dass Einstichlöcher entstehen. Gerade an den Nähten liegen bei vielen Taschen mögliche Schwachstellen für eindringendes Wasser. Ortlieb setzt bei TIDURA deshalb auf verschweißte Verbindungen, die Teil der wasserdichten Konstruktion sein sollen.

​Fazit

Mit TIDURA erweitert Ortlieb seine Fertigung um einen zentralen Baustein: das eigene Taschengewebe. Für Radfahrer sind vor allem die auf verschweißte Nähte abgestimmte TPU-Beschichtung, die hohe Abriebfestigkeit und die Reparierbarkeit interessant. Die ersten Modelle decken Pendeln, Radreisen und Alltag ab. Ob die Materialvorteile im harten Langzeiteinsatz einen spürbaren Unterschied machen, muss sich allerdings erst in unabhängigen Praxistests zeigen.

​Zwei Varianten für Alltag und hohe Belastung

Mit TIDURA strong und TIDURA core unterscheidet Ortlieb künftig zwischen zwei Materialausführungen. TIDURA strong ist für Reisen, schwere Lasten und regelmäßige Nutzung unter anspruchsvollen Bedingungen vorgesehen. Dazu zählen etwa Pendelstrecken bei jedem Wetter, mehrtägige Radreisen oder Touren, bei denen Taschen häufig mit dem Rad, Bordsteinkanten oder anderen Gegenständen in Kontakt kommen.

TIDURA core richtet sich dagegen stärker an urbane Alltagsfahrer und an Nutzer, die einen robusten, aber möglichst unkompliziert zu handhabenden Rucksack suchen. Die Variante soll leichter und ausgewogener ausfallen, ohne auf den grundsätzlichen Witterungsschutz zu verzichten.

Nach Herstellerangaben erreicht TIDURA core eine Zugfestigkeit von 1.500 Newton, TIDURA strong 2.400 Newton. Beide Varianten sollen mehr als 100.000 Martindale-Scheuerzyklen standhalten. Diese Kennzahl beschreibt die Abriebfestigkeit eines Materials unter wiederholter Reibung. Für die Praxis am Fahrrad bedeutet das zunächst: Das Gewebe ist auf häufigen Kontakt und langfristige Nutzung ausgelegt. Wie sich Material, Beschichtung und Verschlüsse im realen Dauereinsatz bewähren, müssen unabhängige Praxistests jedoch noch zeigen.

​Wasserdicht bis zur Verschlusstechnik

Ortlieb nennt für TIDURA-Produkte eine Wassersäule von 100.000 Millimetern, einschließlich Material und verschweißter Nähte. Die konkrete Schutzklasse hängt laut Hersteller vom jeweiligen Modell ab. Genannt werden IP53, IP64 und IP67. Während IP53 Schutz gegen Staubablagerungen und schräg auftreffendes Spritzwasser beschreibt, steht IP64 für Schutz gegen Staub und kräftiges Spritzwasser. IP67 bedeutet, dass ein Produkt zeitweise untergetaucht werden kann.

Für den Fahrradalltag ist diese Abstufung sinnvoll. Eine Gepäckträgertasche muss bei Dauerregen und nasser Fahrbahn zuverlässig schließen, während ein Rucksack im Alltag oft zusätzlich beim Abstellen oder auf dem Weg zur Arbeit geschützt werden soll. Entscheidend bleibt dabei der Verschluss: Rollverschlüsse funktionieren rein mechanisch und lassen sich bei korrektem Einrollen dicht schließen. Bei der Duffle Zip setzt Ortlieb auf einen wasserdichten TIZIP-Reißverschluss.

Dass solche Konstruktionsdetails mehr als Marketing sind, zeigte auch ein Test von Ortlieb-Bikepacking-Taschen: Dort schnitten die Rollverschlüsse beim Schutz vor Nässe besonders gut ab.

​Erste Produkte mit TIDURA

Zum Start soll TIDURA strong in drei bekannten Produktkategorien eingesetzt werden. Die Back-Roller 20L Zip-Pocket ist eine Hinterradtasche mit dem QL2.2-Befestigungssystem. Sie richtet sich damit an Tourenfahrer, Pendler und E-Bike-Fahrer, die Gepäck am Träger transportieren. Das Quick-Lock-System ist für eine werkzeuglose Anpassung an viele konventionelle Gepäckträger ausgelegt.

Ebenfalls mit TIDURA strong kommt der Velocity 23L, ein Rolltop-Rucksack mit Notebookfach und belüftetem Rückenteil. Hinzu kommt die Duffle Zip in 40 und 60 Litern. Für TIDURA core ist der neue Daypack 23L vorgesehen, ein urbaner Tagesrucksack mit Rollverschluss, Laptopfach und belüftetem TPU-Rückenteil.

Damit deckt Ortlieb unterschiedliche Fahrrad-Szenarien ab: die klassische Packtasche am Gepäckträger, den Rucksack für den Weg zur Arbeit sowie Reisetaschen für längere Touren und Outdoor-Einsätze. Gerade für Radreisende ist die Kombination aus belastbarem Material, dichtem Verschluss und langfristig verfügbaren Ersatzteilen relevant.

​Reparatur soll Teil des Konzepts bleiben

Ortlieb verknüpft TIDURA mit seinem bekannten Reparaturansatz. Für die Produkte gilt eine fünfjährige Garantie, Ersatzteile sollen mindestens zehn Jahre nach Auslistung verfügbar sein. Verschleißteile wie Haken, Halterungen oder Verschlüsse können damit im Idealfall ersetzt werden, statt die gesamte Tasche auszutauschen.

Das passt besonders zu Gepäckträgertaschen: Ihre Befestigungsteile sind im Alltag starken Belastungen ausgesetzt, etwa beim Abnehmen am Bahnhof, beim Wechsel zwischen verschiedenen Rädern oder auf ruppigen Wegen. Ortlieb führt für seine Quick-Lock-Systeme bereits einzeln verfügbare Ersatzteile auf.

​Die wichtigsten Punkte zu Ortlieb TIDURA

  • Eigenes Materialsystem: Ortlieb entwickelt Gewebe, Beschichtung, Schweißnähte und Verschlüsse als zusammenhängende Konstruktion.
  • Zwei Varianten: TIDURA strong ist für hohe Belastung und Reisen gedacht, TIDURA core für Alltag, Stadt und vielseitige Einsätze.
  • TPU-beschichtetes Gewebe: Das Material soll robust, flexibel und für verschweißte Nähte geeignet sein.
  • Hohe Abriebfestigkeit: Beide Varianten sind laut Hersteller für mehr als 100.000 Scheuerzyklen ausgelegt.
  • Wasserdichte Konstruktion: Je nach Produkt sollen IP53-, IP64- oder IP67-Schutzklassen erreicht werden.
  • Befestigungssystem: Zum Start kommt TIDURA unter anderem in einer Back-Roller-Gepäckträgertasche mit QL2.2-System zum Einsatz.
  • Lange Nutzungsdauer: Fünf Jahre Garantie und mindestens zehn Jahre Ersatzteilverfügbarkeit sollen Reparaturen erleichtern.
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Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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