Max Fuchs
· 19.08.2026
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Verrückt, was Decathlon für knapp 70 Euro an eine Rahmentasche packt. Die Rockrider Full Frame ADVT 9 L wirkt robust, sitzt bombenfest und nutzt den Platz im Rahmendreieck ausgesprochen geschickt. Vor allem die Kombination aus kräftigen Befestigungsgurten, Klettlaschen und leichtgängigen, abgedeckten Reißverschlüssen überzeugt im Alltag.
Mit 9 Litern schluckt die Tasche reichlich Gepäck für lange Tagestouren und sogar mehrtägige Bikepacking-Trips mit Hotelübernachtung. Werkzeug, Ersatzteile und Wertsachen verschwinden im kleineren Fach, Kleidung, Snacks und sonstiger Reiseballast wandern ins große Hauptabteil.
Der größte Haken: Die Full-Frame-Tasche räumt das Rahmendreieck konsequent leer. Trinkflaschen müssen deshalb an die Gabel oder an einen anderen Platz umziehen. Wer damit leben kann, bekommt für 69,99 Euro eine der überzeugendsten Transportlösungen in dieser Preisklasse.
Schon beim Anfassen macht die Rockrider-Tasche einen erstaunlich hochwertigen Eindruck. Das Obermaterial bringt ordentlich Substanz mit, die Konstruktion kombiniert 600D-Polyester mit PU-Beschichtung und TPU-Laminierung. Decathlon setzt außerdem auf eine geschweißte Konstruktion, die zusammen mit den beschichteten Reißverschlüssen und deren Abdeckungen den IPX3-Schutz ermöglicht. Einem Wolkenbruch hält die Tasche damit zuverlässig stand.
Noch stärker punktet die Befestigung.
An Unter-, Sitz- und Sitzrohr ziehen selbstblockierende Spanngurte die Tasche stramm an den Rahmen. Rund um die Tasche sitzen zusätzliche Klettschlaufen, über die sich die Tasche bündig an den Rahmen zurren lässt. Auch gut: Die Klettverschlüsse sind doppelseitig. Die weiche Seite schützt den Lack, die glatte Außenseite verhindert, dass sich Kleidung daran verfängt.
In der Praxis sitzt das Ganze damit bombenfest. Die Tasche bewegt sich kaum, selbst wenn der Untergrund weitaus ruppiger wird als frisch gewalzter Asphalt. Besonders angenehm: Die Reißverschlüsse lassen sich während der Fahrt problemlos mit einer Hand bedienen. Die Tasche bleibt dabei an ihrem Platz.
Neun Liter klingen zunächst nicht spektakulär. Im Rahmendreieck fühlen sie sich allerdings erstaunlich groß an.
Zwei seitliche Reißverschlussöffnungen erschließen den Stauraum. Eine herausnehmbare Trennwand unterteilt das Innere nach Bedarf. Decathlon integriert außerdem kleine Riemen für Pumpe oder Zeltgestänge sowie eine Durchführung für Kabel oder den Schlauch einer Trinkblase.
Im Test funktioniert die Aufteilung besonders praktisch: Im unteren, kleineren Fach landen Werkzeug, Wertsachen und Ersatzteile. Das große obere Abteil nimmt Kleidung, Verpflegung und alles auf, was unterwegs schnell zur Hand sein soll.
Damit verschwindet erstaunlich viel Gepäck im Fahrradrahmen. Für lange Tagestouren reicht das locker. Selbst bei einer mehrtägigen Reise mit Hotelübernachtung macht die Tasche einen Großteil der üblichen Gepäckstücke überflüssig. Trikotaschen, Rucksack oder eine klobige Satteltasche kann man sich sparen.
Der vielleicht größte Vorteil der Rahmentasche liegt gar nicht in ihrem Volumen.
Anders als Lenkertaschen oder große Satteltaschen ragt sie kaum über die Silhouette des Fahrrads hinaus und hält den Schwerpunkt tief – genau dort, wo er aus fahrdynamischer Sicht am meisten Sinn ergibt.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, macht auf langen Touren aber einen Unterschied. Eine vollgepackte Tasche am Lenker kann das Lenkverhalten spürbar verändern. Eine schwere Arschrakete am Sattel schwingt bei jedem Wiegetritt mit. Die Rahmentasche bleibt dagegen einfach da, wo sie hingehört: mitten im Fahrrad.
So fällt die Tasche trotz ihres großen Volumens im Fahrbetrieb nicht auf. Und bei Gepäck ist unauffällig meistens ein ziemlich großes Kompliment.
So viel Stauraum fordert allerdings seinen Tribut. Die 9-Liter-Tasche besetzt praktisch das komplette Rahmendreieck. Klassische Trinkflaschen am Unter- oder Sitzrohr fallen damit aus.
Für Gravelbikes mit zusätzlichen Gewindeösen an der Gabel entsteht daraus kaum ein Problem. Dort lassen sich die Flaschen während der Fahrt überraschend entspannt erreichen. Die Alternative funktioniert also besser, als es zunächst klingt.
Wer keine Gabelösen besitzt, kann sich nach Montagepunkten unter dem Unterrohr umschauen. Falls auch diese nicht vorhanden sind, bleibt Rockriders kleinere Rahmentasche als Alternative. Die Rockrider ADVT 900 Full Frame 6 L kostet aktuell 59,99 Euro und wiegt 264 Gramm. Sie nimmt zwar drei Liter weniger Gepäck auf, lässt dafür je nach Rahmen zumindest am Sitzrohr Platz für eine Trinkflasche.
Die Rockrider Full Frame ADVT 9 L ist kein Produkt, das mit exotischen Materialien oder Hightech-Gedöns beeindrucken will. Sie macht etwas viel Interessanteres: Sie löst das Gepäckproblem unauffällig, aber extrem effektiv.
Das Material wirkt hochwertig, die Befestigung funktioniert, die Aufteilung ergibt Sinn und das Gepäck sitzt dort, wo es am Fahrrad am wenigsten nervt. Dazu kommen 9 Liter Volumen und ein Gewicht von 348 Gramm. Für 69,99 Euro ist das eine ziemlich starke Ansage.
Natürlich fehlt der Tasche die absolute Wetterfestigkeit einer wirklich wasserdichten Bikepacking-Tasche. IPX3 bedeutet Spritzwasserschutz. Wer stundenlang durch Dauerregen fährt, sollte empfindliche Ausrüstung deshalb zusätzlich verpacken.
Für normale Touren, wechselhaftes Wetter und ambitionierte Bikepacking-Ausflüge reicht der Schutz aber allemal.
Unterm Strich zeigt die Tasche ziemlich eindrucksvoll, wie viel Bikepacking-Ausrüstung heute für relativ wenig Geld möglich ist. Wer sein Gepäck lieber am Fahrrad als auf dem Körper transportiert, findet hier eine ausgesprochen clevere Lösung.

Redakteur
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