Stefan Frey
· 09.08.2026
Ein Fahrradhelm soll die Energie eines Aufpralls aufnehmen und dadurch die Belastung für den Schädel reduzieren. Die harte Außenschale verteilt die Kraft, während der Schaumkern, meist aus expandiertem Polystyrol (EPS), verformt wird und somit einen Teil der Aufprallenergie absorbiert. So kann ein Helm bei einem Sturz schwere Verletzungen wie Schädelbrüche und bestimmte Kopfverletzungen verhindern oder deren Folgen abmildern. Ein Helm schützt jedoch nicht vor jedem Unfall und ersetzt weder eine vorausschauende Fahrweise noch eine gute Fahrtechnik.
Wichtig ist außerdem die richtige Erwartungshaltung. Ein klassischer Fahrradhelm schützt nicht den Nacken oder das Gesicht. Auch Gehirnerschütterungen lassen sich nicht zuverlässig ausschließen, denn bei einem schrägen Aufprall wirken zusätzlich Rotationskräfte auf den Kopf.
In Europa muss ein MTB-Helm für den Fahrradgebrauch mindestens die Anforderungen der Norm EN 1078 erfüllen. Die Norm beschreibt unter anderem Anforderungen an Stoßdämpfung, Haltesystem, Sichtfeld und Abdeckung. Sie ist jedoch eine Mindestanforderung und kein unabhängiges Ranking der Schutzleistung.
Einige aktuelle Helme erfüllen neben der europäischen EN-Norm auch noch weitere Normen. CPSC steht für Consumer Product Safety Commission und ist die in den USA gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsnorm für Fahrradhelme. Die CPSC-Norm testet Helme mit höheren Aufprallenergien bzw. größeren Fallhöhen als EN 1078. Dadurch müssen Helme stärkere Einschläge absorbieren können. Immer mehr Trail- und All-Mountain-Helme tragen mittlerweile zusätzlich das NTA-Siegel. Die NTA 8776 – die E-Bike-Norm – wurde ursprünglich für S-Pedelecs mit bis zu 45 km/h entwickelt und verlangt eine höhere Aufprallenergieaufnahme sowie einen erweiterten Schutzbereich am Hinterkopf.
Beim Kauf eines Mountainbike-Helms stehen vier Punkte ganz oben auf der Liste:
Erst danach kommen Gewicht, Optik und Zusatzfunktionen. Ein teurer Helm, der drückt oder verrutscht, ist die schlechtere Wahl als ein günstigeres Modell, das sicher und stabil sitzt. Denn ein Helm, der drückt, scheuert oder verrutscht, bleibt im Zweifel eher zu Hause - und das kann im Ernstfall unkalkulierbare Folgen haben.
Der Helm sollte waagerecht auf dem Kopf liegen und die Stirn ausreichend bedecken. Zwischen Augenbrauen und Helmkante bleiben in der Regel ein bis zwei Fingerbreit Abstand. Beim Schütteln des Kopfes darf der Helm auch dann nicht verrutschen, wenn die Riemen nicht unangenehm straff angezogen wurden.
Auch die Größe sollte man auf keinen Fall nur anhand der Zentimeterangabe wählen. Hersteller verwenden unterschiedliche Innenformen. Ein Helm mit dem Umfang 57 bis 59 Zentimeter kann bei einem Hersteller perfekt passen und bei einem anderen Druckstellen verursachen. Deshalb gilt: Immer mehrere Modelle anprobieren und den Helm einige Minuten lang tragen.
Mountainbike-Helme lassen sich grob in vier Kategorien einteilen. Die Übergänge sind fließend, doch die Unterschiede beim Schutzumfang und beim Gewicht sind deutlich.
| Helmtyp | Typischer Einsatz | Stärken | Mögliche Nachteile |
| Cross-Country-Helm | Marathon, Tour, schnelle Anstiege | Leicht, sehr gut belüftet, effizient | Weniger Schutz an Hinterkopf und Schläfen |
| Trail-Helm | All Mountain, technische Touren | Guter Kompromiss aus Schutz, Gewicht und Belüftung | Etwas schwerer als XC-Modelle |
| Enduro-Helm | Abfahrtsorientierte Trails, Bikepark | Tiefer Hinterkopf, stabiler Sitz, oft großes Visier | Höheres Gewicht, weniger Luftdurchsatz |
| Fullface-Helm | Bikepark, Downhill, anspruchsvolle Rennen | Schutz für Kopf, Kiefer und Gesicht | Schwerer, wärmer und weniger vielseitig |
Cross-Country-Helme sind auf geringes Gewicht und maximale Belüftung hin optimiert. Sie sitzen meist kompakt am Kopf und besitzen viele große Öffnungen. Für lange Anstiege und schnelle Touren sind sie besonders angenehm und stark belüftet.
Trail-Helme decken den Hinterkopf und die Schläfen meist tiefer ab als leichte XC-Modelle. Sie besitzen meist ein verstellbares Visier, eine stabilere Konstruktion und eine ausgewogene Belüftung. Für viele Mountainbiker ist dieser Helmtyp die vielseitigste Lösung. Er funktioniert auf der Tagestour ebenso wie auf technischen Naturtrails.
Enduro-Helme sind für Fahrer gedacht, die bergauf pedalieren, bergab aber möglichst viel Schutz wünschen. Die Schale reicht meist weit nach unten, während das Visier größer und stabiler ausfällt. Eine spezielle Ausführung der Enduro-Helme sind die sogenannten Jet- oder Dreiviertel-Helme. Ihre Schale reicht wie bei einem Fullface-Helm weit in den Nacken und bedeckt Ohren sowie einen Teil des Kiefers. Lediglich der Kinnbügel fehlt hier. Im Vergleich zu Trail-Helmen sind Enduro-Modelle oft schwerer und weniger luftig.
Ein Fullface-Helm schützt zusätzlich Kinn und Gesicht. Er ist die erste Wahl für Downhill, Freeride, anspruchsvolle Bikeparks und Strecken mit großen Sprüngen. Einige Modelle verfügen über eine abnehmbare Kinnbügel-Einheit oder lassen sich mit einem separaten Kinnschutz kombinieren. Solche Systeme erhöhen die Vielseitigkeit, erreichen beim Schutzumfang aber nicht immer das Niveau eines klassischen Downhill-Fullfaces.
MTB-Helme kosten je nach Modell und Ausstattung zwischen etwa 50 und mehreren hundert Euro. Der Preis allein sagt jedoch nicht aus, wie gut ein Helm bei jedem denkbaren Aufprall schützt. Ein günstiger aber schwerer Helm kann unter Umständen sogar bessere Werte im Labor erzielen als ein teurer und leichterer Helm.
Teure Modelle bieten häufig eine aufwendigere Konstruktion. Dazu gehören beispielsweise:
Bei sehr leichten Helmen fließt außerdem viel Entwicklungsarbeit in die Konstruktion. Gewichtseinsparungen werden oft durch optimierte Schaumformen, dünnere Schalen und aufwendige Verstärkungen erreicht.
Ein günstiger Helm kann die grundlegenden Sicherheitsanforderungen erfüllen und trotzdem eine gute Wahl sein. Der Aufpreis lohnt sich vor allem dann, wenn Passform, Komfort, Belüftung, Gewicht oder Zusatzschutz im Alltag einen deutlichen Unterschied machen. Entscheidend bleibt, dass der Helm geprüft, unbeschädigt und passend ist.
Beim Thema Belüftung laufen die Marketingabteilungen zur Hochform auf: “Air Flow Channeling”, “Flow through Ventilation” und wie die Systeme nicht alle heißen. Fakt ist: Die Belüftung lässt sich im Geschäft nur eingeschränkt beurteilen. Sie ist stark abhängig von Geschwindigkeit, Außentemperatur, Haarfülle etc. Trotzdem gibt es einige Hinweise, die eine gute Einschätzung ermöglichen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Öffnungen allein. Ein Helm mit vielen Löchern kann schlechter belüftet sein als ein Modell mit weniger, aber besser geformten Kanälen. Luft muss vorne eintreten, über die Kopfhaut geführt werden und hinten wieder austreten können. Wenn du schon im Geschäft das Gefühl hast, dass sich die Luft im Helm staut, lass lieber die Finger davon.
Achte beim Anprobieren auf folgende Punkte:
Trage den Helm zehn bis 15 Minuten mit geschlossenen Augen und bewege den Kopf dabei leicht. Druckstellen und Hitzepunkte zeigen sich oft erst nach einiger Zeit. Noch besser ist eine Probefahrt mit Rückgabemöglichkeit.
Das beste Schutzsystem funktioniert nicht, wenn der Helm nicht sicher am Kopf bleibt. Die seitlichen Riemen sollten sich leicht einstellen lassen und unterhalb der Ohren ein sauberes V bilden. Der Versteller darf sich während der Fahrt nicht selbstständig verschieben. Der Kinnriemen sollte eng anliegen, aber nicht würgen. Als Orientierung gilt: Zwischen Riemen und Kinn sollten ungefähr ein bis zwei Finger passen. Beim Verschluss haben sich verschiedene Lösungen etabliert:
Ein Magnetverschluss ist nicht automatisch sicherer als ein herkömmlicher Steckverschluss. Wichtiger sind eine stabile Konstruktion, eine saubere Gurtführung und die Möglichkeit, das System korrekt einzustellen. Achte außerdem darauf, ob der Verschluss beim Fahren auf den Kehlkopf drückt. Schon kleine Druckstellen können auf langen Touren unangenehm werden.
Stürze laufen nicht nach Schema F ab und schon gar nicht so, wie ein standardisierter Aufprall beim TÜV-Test. Trifft der Kopf schräg auf dem Untergrund auf, entstehen Rotationsbewegungen. Diese Kräfte können das Gehirn belasten und stehen mit bestimmten Formen von Gehirnverletzungen in Verbindung. Klassische Helmnormen konzentrieren sich vor allem auf die lineare Stoßdämpfung und erfassen Rotationsbewegungen nur eingeschränkt.
Rotationssysteme sollen diese Belastung reduzieren. MIPS verwendet dafür eine reibungsarme Innenschicht, die sich bei einem schrägen Aufprall begrenzt gegenüber dem Helm bewegen kann. Andere Systeme arbeiten mit speziellen Schaumstrukturen, elastischen Elementen, Gleitflächen oder mehrlagigen Innenkonstruktionen.
Laboruntersuchungen zeigen, dass Rotationssysteme die Rotationsbeschleunigung unter bestimmten Testbedingungen reduzieren können. Die Ergebnisse fallen jedoch je nach Technologie, Helmform, Aufprallwinkel und Testverfahren unterschiedlich aus. Ein MIPS-Schriftzug garantiert deshalb nicht automatisch eine bessere Schutzleistung im Fall eines Sturzes.
Wer zwei ähnlich gut passende Modelle zur Auswahl hat, kann ein Rotationssystem als sinnvolles Entscheidungskriterium nutzen. Einen schlecht sitzenden Helm macht MIPS jedoch nicht zu einem guten Helm.
Ein MTB-Helm kann heute deutlich mehr als nur den Kopf bedecken. Manche Funktionen erhöhen den Komfort, andere verbessern die Alltagstauglichkeit. Wir haben versucht, die unterschiedlichen Features nach Sinnhaftigkeit zu sortieren.
Ein höhenverstellbares Visier schützt vor Sonne, tief hängenden Ästen und aufgewirbeltem Schmutz. Wichtig ist, dass es fest sitzt und nicht im Sichtfeld klappert. Wer häufig eine Brille oder Goggle trägt, sollte prüfen, ob sich das Visier ausreichend hoch schieben lässt. Im Fall eines Sturzes sollte sich das Visier vom Helm lösen, um nicht zum zusätzlichen Verletzungsrisiko zu werden.
Eine Nackenstütze, die sich in der Höhe verstellen lässt, kann ein echter Gamechanger für Tragekomfort und sicheren Sitz sein. Je nach Position kann es sein, dass das Verstellrädchen im Nacken drückt - oder eben nicht.
Schweiß, Staub und Sonnencreme setzen den Polstern zu. Herausnehmbare und waschbare Polster erleichtern die Pflege und verlängern den Komfort. Ersatzpolster sollten erhältlich sein.
Bis vor einigen Jahren war dieses Feature an den meisten hochwertigen Helmen zu finden. Heute sind nur noch wenige Modelle mit einem Insektenschutz ausgestattet. Schade: Kaum ein Detail bringt bei so geringem Zusatzgewicht derartig großen Nutzen.
Eine Gummierung oder Vertiefung am Hinterkopf verhindert, dass das Band bei langsamen Passagen verrutscht. Brillenhalterungen an der Vorder- oder Rückseite können ebenfalls praktisch sein. Entscheidend ist, dass die Brille nicht auf die Polster drückt und sicher verstaut werden kann.
Ein Rücklicht erhöht die Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen. Es ersetzt keine vorgeschriebene Fahrradbeleuchtung, kann aber im Straßenverkehr und auf dunklen Zufahrten eine sinnvolle Ergänzung sein.
Eine stabile Halterung kann für bestimmte Einsätze praktisch sein. Zusätzliche Anbauteile verändern jedoch das Gewicht und können bei einem Sturz unerwünschte Kräfte einleiten. Verwende nur vom Hersteller vorgesehene Systeme und befestige keine harten Gegenstände mit improvisierten Lösungen am Helm. Im Fall eines Sturzes muss sich die Halterung vom Helm lösen, um nicht zum Risiko für den Helmträger zu werden.
Für Fahrerinnen und Fahrer mit langen Haaren kann eine Öffnung im Hinterkopf den Komfort deutlich erhöhen. Der Helm darf dadurch aber nicht locker sitzen. Die Frisur sollte die Anpassung nicht behindern.
Der richtige Helm beginnt mit dem eigenen Fahrprofil. Frage dich zunächst, wo und wie du unterwegs bist:
Anschließend misst du den Kopfumfang mit einem Maßband. Das Maßband sollte knapp über den Augenbrauen und um die breiteste Stelle des Hinterkopfs geführt werden. Der ermittelte Wert dient nur als Ausgangspunkt. Die tatsächliche Passform zeigt sich erst beim Anprobieren.
Setze den Helm auf, ohne die Riemen sofort festzuziehen. Er sollte gleichmäßig anliegen und keine einzelnen Druckstellen erzeugen. Drückt es an der Stirn, kann die Innenform zu rund sein. Entsteht der Druck an den Seiten, passt die Form möglicherweise nicht zu deinem Kopf.
Der Helm sollte weder wackeln noch unangenehm drücken. Wenn du ihn nach wenigen Minuten wieder absetzen möchtest, wird es auf einer vierstündigen Tour kaum besser werden.
Ein MTB-Helm braucht wenig Pflege, aber die richtige Reinigung ist wichtig. Schweiß, Staub und Schlamm lassen sich meist mit lauwarmem Wasser und milder Seife entfernen. Die Innenpolster sollten, sofern vom Hersteller erlaubt, herausgenommen und per Hand gewaschen werden.
Vermeide aggressive Reinigungsmittel, Lösungsmittel, Benzin, starke Entfetter und Produkte mit Ammoniak oder Bleichmitteln. Solche Stoffe können Materialien angreifen, ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Auch hohe Temperaturen können den Schaumkern und die Kunststoffschale beschädigen.
Beachte daher folgende Regeln:
Der Schaumkern darf nicht mit harten Gegenständen eingedrückt werden. Kleine Kratzer in der Außenschale sind nicht immer kritisch, Risse, tiefe Kerben oder lose Verbindungen dagegen schon.
Für die Lebensdauer eines Fahrradhelms gibt es keine einheitliche Frist. Material, Nutzung, UV-Strahlung, Schweiß, Temperatur und Pflege beeinflussen die Alterung. Die Empfehlung vieler Helm-Hersteller, einen Fahrradhelm bereits nach wenigen Jahren im Einsatz gegen einen neuen auszutauschen, verunsichert viele Radfahrer.
Um herauszufinden, wie sicher gebrauchte Helme sind, haben wir 6 bis 9 Jahre alte Helme mit von uns getesteten neuen Helmen verglichen. Unsere Stichprobe mit 18 Helmen hat ergeben, dass das Stoßdämpfungsvermögen durchschnittlich nur um 10 g nachgelassenhat. Kurz: Auch ältere Helme sind sicher!
Entscheidend ist deshalb der Zustand des Helms und die Empfehlung des Herstellers. Nach einem Sturz mit Kopfaufprall muss der Helm ersetzt werden, auch wenn äußerlich kein Schaden zu erkennen ist. Der Schaumkern kann sich verformen oder feine Schäden aufweisen, die von außen nicht sichtbar sind. Genau deshalb weisen Sicherheitsbehörden und Hersteller darauf hin, einen Helm nach einem relevanten Aufprall auszutauschen.
Ein Austausch ist außerdem sinnvoll, wenn:
Ein Helm, der jahrelang unbenutzt im Keller lag, altert anders als ein Modell, das täglich bei Sonne, Regen und Schweiß eingesetzt wurde. Trotzdem ist ein sehr alter Helm kein wirklich guter Sparringspartner. Bei Unsicherheit ist ein Austausch die vernünftigere Entscheidung.
Vor dem Kauf solltest du diese Punkte prüfen:
Helmtragen ist beim Mountainbiken keine Frage des Könnens, sondern eine einfache und wirksame Sicherheitsentscheidung. Auch erfahrene Fahrer stürzen nicht immer wegen eines Fahrfehlers. Ein nasser Trail, ein versteckter Stein, ein Ast oder ein unglücklicher Rutscher können genügen.
Beim Kauf zählt deshalb nicht zuerst der niedrigste Preis oder das geringste Gewicht. Entscheidend sind eine passende Innenform, ausreichende Abdeckung, ein sicherer Sitz und ein zuverlässiges Gurtsystem. Danach folgen Belüftung, Komfort und die Ausstattung, die zum eigenen Fahrstil passt.
Ein Rotationssystem wie MIPS kann eine sinnvolle zusätzliche Schutzfunktion sein. Es ersetzt aber weder einen guten Sitz noch einen Helm, der zum Einsatzbereich passt. Wer auf langen Touren unterwegs ist, profitiert meist von einem leichten und gut belüfteten Trail- oder XC-Helm. Wer regelmäßig technische Abfahrten und Bikeparks fährt, sollte mehr Wert auf tiefe Abdeckung, Stabilität und gegebenenfalls einen Fullface-Helm legen.

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