Laurin Lehner
· 21.01.2026
Der Reißverschluss ist nicht mehr wegzudenken. Erfunden wurde der Vorläufer des Reißverschlusses Ende des 19. Jahrhunderts vom US-Amerikaner Whitcomb L. Judson. Wirklich praxistauglich wurde der Verschluss jedoch erst durch Gideon Sundback, der ihn ab 1913 entscheidend verbesserte und damit die Grundlage für das heutige Modell schuf.
Seinen Namen verdankt der „Zipper“ dem charakteristischen Geräusch beim Öffnen und Schließen. Ab den 1930er-Jahren hielt er Einzug in die Modewelt und ersetzte zunehmend Knöpfe und Haken. Heute ist der Reißverschluss ein unscheinbares, aber unverzichtbares Bauteil – und zum Glück in vielen Fällen reparierbar.
Häufigster Defekt: Der Schieber läuft, schließt aber nicht mehr. Ergebnis: Die Jacke öffnet sich unterhalb des Schlittens wieder. Die Lösung: Mit einer Zange den Schieber ganz vorsichtig seitlich minimal zusammendrücken. Testen, ob die Zähne wieder sauber ineinandergreifen.
Schrittweise vorgehen – zu viel Druck kann den Schieber zerstören. Die Anleitung findet ihr unten. Ist das Band gerissen oder fehlen mehrere Zähne, kann man auch den gesamten Reißverschluss tauschen lassen. Wegwerfen muss man eine Jacke deshalb also nicht.
Du brauchst dafür eine Flachzange, Licht und Fingerspitzengefühl. So klappst.
BIKE: Christiane, ihr habt in 18 Filialen Werkstätten. Hier kann man Produkte jeder Marke vorbeibringen oder einschicken. Was sind die häufigsten Defekte?
CHRISTIANE GAWLIK: Am häufigsten landen kaputte Reißverschlüsse oder Risse bei uns auf dem Tisch. Dazu kommen klassische Servicearbeiten wie das Waschen und Imprägnieren von Funktionsbekleidung und Wanderschuhen. Mehr als 45.000 Reparaturen allein im Jahr 2025 – und die Kurve zeigt weiter nach oben.
Auf eurer Website gibt es eine Preisliste – trotzdem werden die Preise individuell festgelegt. Warum?
Ganz einfach: Defekt ist nicht gleich Defekt. Ein kaputter Reißverschluss-Schieber ist schnell ersetzt. Sind allerdings die Zähne beschädigt, muss der komplette Reißverschluss raus – das ist deutlich aufwendiger. Los geht es bei etwa 13 Euro, der Rückversand ist bei eingesendeten Produkten bereits inklusive. Bei Zweiwege-Reißverschlüssen und komplexeren Defekten auch deutlich höher.
Ähnlich ist es bei Nähten: Manche lassen sich schnell instand setzen, andere sind technisch anspruchsvoll. Bei sicherheitsrelevanten Produkten wie Kletterausrüstung oder Schuhsohlen gehen wir kein Risiko ein – diese schicken wir grundsätzlich an den Hersteller.
Ist Reparieren für euch inzwischen ein wirtschaftlicher Faktor oder vor allem ein Nachhaltigkeits-Thema?
Die Kosten müssen natürlich gedeckt sein. Im Mittelpunkt stehen für uns aber ganz klar Nachhaltigkeit und Verantwortung – auch gegenüber unseren eigenen Produkten. Ziel ist es, ihnen ein möglichst langes Leben zu ermöglichen. Und: Auf jede Reparatur geben wir zwei Jahre Gewährleistung.
Wie alt sind die Produkte, die bei euch auf dem Reparaturtisch landen?
Das Spektrum ist riesig. Vom vierzig Jahre alten Retro-Rucksack bis zum fast fabrikneuen Teil ist alles dabei. Unvergessen ist ein uralter Laufstock, den – so die Notiz des Kunden – ein Esel angeknabbert hatte. Oder ein hochwertiges Zelt, das der Besitzer im Garten testweise aufgebaut hat und dabei den Rasenmähroboter vergessen hatte. Die Ecken waren ordentlich abgeschert – am Ende konnten wir das Zelt aber wieder voll einsatzfähig machen.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Produkte einzuschicken?
Kurz vor und nach der Sommersaison wird es erfahrungsgemäß voll, weil viele dann ihr Outdoor-Material checken. Einfache Reparaturen wie ein defekter Reißverschluss können meist direkt vor Ort repariert werden – wer vor Ort ist, kann das Teil oft direkt wieder mitnehmen. In Stoßzeiten kann die Bearbeitung allerdings auch eine Woche oder länger dauern.
Diese Firmen bieten Reparatur-Service an. Für eigene Produkte aber auch für fremde Klamotten.
Die Kalifornien-Marke gilt als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Repariert werden nur eigene Produkte, dafür aber oft kostenlos. z. B. in München und Berlin. Kann auch eingeschickt werden.
Der Hersteller vom Bodensee bietet Reparatur-Service auch für Fremdprodukte – hier werden oft individuelle Kostenvoranschläge gemacht. Vaude kooperiert zudem mit Globetrotter-Filialen.
Deuter repariert ausschließlich eigene Produkte. Geht der Defekt nicht auf auf Material- oder Herstellungsfehler zurück, wird ein Kostenvoranschlag erstellt.
Auch der Outdoor-Discount-Riese bietet Reparaturen an – auch für Fremdprodukte. Aufgrund der vielen Filialen macht ein Besuch vor Ort Sinn, hier kann der Preis vereinbart werden.
>> Decathlon startet Offensive zur Reparatur von Sportartikeln