Tempr Off-RoadCanyons Gravel-Schuh im Test

Adrian Kaether

 · 17.08.2026

Der Tempr Off-Road kostet 149,99 Euro und soll sportliche Mountainbiker und Gravel-Fans glücklich machen.
Foto: Georg Grieshaber
Nach Debut mit dem Tempr CFR Klick-Schuh will Canyon mit dem neuen Tempr Off-Road auch die Mittelklasse aufmischen. Wir haben den Gravel Tourenschuhe schon einige Ausfahrten lang testen können. Ob sich der Deal lohnt? Hier kommt die Antwort.

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​Der Tempr Off-Road überzeugt als sportlicher Allrounder für Gravel-Touren, Cross Country oder ambitionierte Radreisende. Wer jedoch einen kompromisslos sportiven Schuh mit maximaler Kraftübertragung sucht, ist hier falsch. Und den Laufkomfort eines Flat-Schuhs kann der Canyon natürlich auch nicht liefern. Der Kompromiss zwischen den Extremen ist es aber, der den Tempr Off- Road spannend macht. Achtung: Schmale Passform und deutliche Unterstützung des Außenfußes. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Erster Eindruck: Solide Erscheinung

Schon beim Auspacken macht der Canyon Tempr Off Road eine gute Figur. Die Verarbeitung wirkt durchweg wertig: Die Nähte sitzen sauber, lose Fäden sucht man vergebens, und auch die Materialübergänge sind sorgfältig ausgeführt. Für einen Schuh in der 150-Euro-Klasse ist das gelungen.

Optisch gibt sich der Tempr Off-Road betont sachlich. Eine schützende Zehenkappe, dezente Reflexelemente für mehr Sichtbarkeit in der Dämmerung und ein kräftiges Stollenprofil prägen das Bild. Wer es etwas auffälliger mag, bekommt den Schuh auch in weiß mit schwarzen Textilien. Optisch bleibt der Tempr Off-Road aber auf dem Boden der Tatsachen.

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Canyon Tempr Off-Road: Die Fakten

  • Preis: 149,99 Euro
  • Gewicht (Größe 45): 810 Gramm
  • Größen: 36-48, sogar in halben Größen
  • Ausstattung: Boa Li2 Drehverschluss; flexible Nylon-Sohle; TPU Zehenkappe und Reflex-Elemente
  • Passform: schmal, etwas luftiger im Zehenbereich

Passform und Verschluss: Zunächst ungewohnt

Schuhe müssen natürlich anprobiert werden. Bei Canyon ist das als Direktversender besonders schwierig. Im Zweifel muss man sich auf eine Paket-Retoure einstellen: Der Tempr Off-Road passt gut an eher flache, schmale Füße. Selbst in Größe 45 wirkt der Schuh noch angenehm kompakt und nicht wie das gefürchtete Schlauchboot.

Der einzelne Boa-Verschluss erledigt seinen Job durchaus gut. Die Fixierung am Mittelfuß gelingt zuverlässig, und das An- und Ausziehen klappt dank großzügiger Fersenlasche und dem schnell gelösten Drehregler unkompliziert. Die Ferse rutscht bei mir nicht. Etwas mehr Halt am minimal breiter geschnittenen Vorderfuß wäre dennoch wünschenswert – ein zweites Verschlusselement oder zumindest ein ergänzendes Klettsystem wie bei vielen Mittelklasse Gravel Schuhe würde die Passform abrunden.

Komfort: Canyons stärkstes Argument

Canyon hat beim Tempr Off Road den Komfort in den Vordergrund gestellt – und dieses Versprechen löst der Schuh tatsächlich ein. Das Abrollverhalten nach vorne ist geschmeidig und natürlich. Die Belüftung funktioniert gut: Auch an schwülen Tagen oder bei höherem Tempo jetzt im Sommer bleibt der Fuß angenehm temperiert.

Eine zunächst gewöhnungsbedürftige Eigenheit fällt eher vor der ersten Ausfahrt auf: Die Unterstützung des Außenfußes in der Sohle liegt vergleichsweise weit vorne. Das sorgt zunächst für ein ungewohntes Gefühl unter dem Fuß. Auf Langstrecke relativiert sich dieser Eindruck jedoch. Je mehr wir mit dem Schuh gefahren sind, desto normaler fühlte sich das an. Unangenehme Druckstellen oder Schmerzen bei langen Runden gab es nicht.

Grip und Stand: Gut (für Graveltreter)

Das Stollenprofil des Tempr Off Road ist für einen Klickschuh großzügig dimensioniert. Das zahlt sich aus: Der Grip auf losem Untergrund ist gut, und die Cleats kommen auf glattem Untergrund kaum in störenden Bodenkontakt. Das nervige Klacken der Cleats auf harten Böden wird damit weitgehend vermieden. Das Standgefühl ist dennoch typisch für diese Schuhkategorie: etwas kippelig und klar weniger sicher als bei einem Schuh mit flacher Sohle. Der Fokus liegt trotz allen Lauf-Komforts eher auf dem Fahren.

Steifigkeit und Vortrieb: Nichts für harte Angriffe

Wer maximale Kraftübertragung und einen brettharten Antritt sucht, wird mit dem Tempr Off-Road nicht glücklich werden. Die Sohle ist für einen Tour- und Alltagsschuh ausreichend steif. Dem Vergleich mit einem echten Rennschuh dürfte sie aber nicht standhalten. Das ist angesichts der Ausrichtung kein Makel – aber ein klares Argument gegen den Einsatz im Wettkampf oder für sehr ambitionierte Fahrer mit hohem Leistungsanspruch.

Das Gewicht von 810 Gramm pro Paar in Größe 45 (BIKE-Messung) ist ebenfalls nicht rekordverdächtig leicht. Das dürfte vor allem dem üppigen Profil geschuldet sein. Für den Tourenalltag ist das verschmerzbar - im Vergleich zum Beispiel zu vielen Mountainbike-Schuhe fällt der Tempr Off-Road immer noch leicht aus.

Preis-Leistung: Sauber kalkuliert

Mit 149,99 Euro positioniert sich der Canyon Tempr Off Road auf Augenhöhe mit Einstiegsmodellen namhafter Schuhmarken. Ein ausgewiesenes Schnäppchen ist er aber nicht. Für den Preis bekommt man solide Verarbeitung, angenehmen Tragekomfort, gute Belüftung und ein brauchbares Profil. Wir finden: Der Schuh ist sein Geld wert. Einziges Fragezeichen: Bei unseren doppelt so teuren Tempr CFR zeigte die obere Lasche nach einigen Monaten schon Risse. Der Tempr Off-Road sieht bislang noch top aus und bleibt von diesem ärgerlichen Defekt hoffentlich verschont.

Der Canyon Tempr Off-Road im Überblick

Stärken

  • Hoher Tragekomfort
  • Für einen Sport-Schuh gutes Geh- und Abrollverhalten
  • Saubere Verarbeitung

Schwächen

  • Ungewöhnliche Außenfuß-Stütze
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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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