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Handschuhe gehören zu den unterschätzten Kontaktpunkten am Bike. Während viele Modelle mit dicken Polstern oder robusten Protektoren punkten wollen, verfolgt Hestra beim Ergo Grip Race Cut einen anderen Ansatz. Das schwedische Unternehmen setzt auf maximale Beweglichkeit und eine ergonomische Konstruktion, die sich möglichst natürlich um Lenker und Bremshebel legt.
Das Herzstück ist die von Hestra entwickelte Ergo-Grip-Konstruktion. Die Nähte sind so angeordnet, dass die Finger bereits in einer leicht gekrümmten Haltung vorgeformt werden. Gleichzeitig soll überschüssiges Material in der Handfläche reduziert werden.
In der Praxis fällt zunächst die ungewöhnliche Fingerkonstruktion auf. Die dreigeteilten Finger fühlen sich anfangs etwas ungewohnt an. Nach wenigen Ausfahrten verschwindet dieser Eindruck jedoch nahezu komplett. Dann zeigt sich die größte Stärke des Handschuhs: Der Schnitt nimmt die natürliche Handhaltung am Lenker bereits leicht vorweg und sorgt für eine auffallend entspannte Position an Griff und Bremshebel.
Das elastische Außenmaterial unterstützt diesen Eindruck zusätzlich. Weder am Handrücken noch zwischen den Fingern entstehen Druckstellen. Selbst auf längeren Touren zeigt der Handschuh keinerlei Tendenz zum Reiben oder Zwicken.
Wer Hestra aus dem Wintersport kennt, weiß, welchen Stellenwert die Schweden dem Thema Verarbeitung einräumen. Genau das spürt man auch beim Ergo Grip Race Cut. Selten wirkt ein Bike-Handschuh so sauber verarbeitet. Nähte, Materialien und Übergänge hinterlassen einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck.
Der Preis von rund 75 Euro positioniert den Hestra klar im Premiumsegment. Angesichts der Verarbeitungsqualität und des Tragekomforts erscheint die Investition jedoch nachvollziehbar.
Praktisch sind die touchscreenfähigen Einsätze an Zeige- und Mittelfinger. Smartphone oder GPS-Gerät lassen sich bedienen, ohne den Handschuh auszuziehen. Ebenfalls gelungen ist der weiche Fleece-Einsatz am Daumen, der unterwegs als Nasenwischer dient.
Das lange Bündchen dürfte Geschmackssache sein. Es fällt etwas länger aus als bei vielen klassischen Trail-Handschuhen. Im Fahrbetrieb stört das zwar nicht, gehört aber nicht zu den Highlights des Modells. Positiv: Trotz fehlendem Klettverschluss sitzt der Handschuh sicher und lässt sich problemlos anziehen.
An Griffen und Bremshebeln gelingt Hestra ein überzeugender Kompromiss aus Beweglichkeit und Halt. Der Handschuh liefert genügend Grip für anspruchsvolle Trail-Passagen, bewahrt gleichzeitig aber ein sehr direktes Feedback vom Cockpit.
Gerade Fahrer, die viel Wert auf präzise Bremsdosierung und ein unverfälschtes Griffgefühl legen, werden den Race Cut zu schätzen wissen. Statt auf dicke Polsterung setzt Hestra konsequent auf Kontrolle und Kontakt zum Bike.
Der Hestra Ergo Grip Race Cut ist einer der hochwertigsten Bike-Handschuhe, die ich bislang gefahren bin. Die Verarbeitung bewegt sich auf höchstem Niveau, die vorgeformte Passform funktioniert auf dem Trail hervorragend und das Tragegefühl erinnert nach kurzer Eingewöhnung tatsächlich an eine zweite Haut. Die ungewöhnliche Fingerkonstruktion verlangt anfangs etwas Umstellung, danach sitzt der Handschuh nahezu perfekt. Wer maximale Polsterung oder zusätzlichen Protektorschutz sucht, wird woanders fündig. Wer dagegen einen extrem komfortablen Performance-Handschuh für Trail, Marathon, XC oder Gravel sucht und bereit ist, den hohen Preis zu zahlen, bekommt mit dem Hestra einen echten Premium-Handschuh. Top für Trail und Race. Stefan Frey, BIKE-Redakteur

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