Adrian Kaether
· 05.05.2026
Das Scott Patron 930 ist ein guter, aber etwas schwerer Tourer für Fans von Systemintegration. Das Potential des Bikes wird aber von der einfachen und wenig auf Trails fokussierten Ausstattung gebremst. Das Patron 930 kann dafür mit vorinstalliertem Lichtkabel vorne, Rücklicht ab Werk, Ständeraufnahme und Mini-Fender ein kompetenter Partner sein, wenn neben Bergtouren auch Alltagseinsätze auf dem Programm stehen.
| Price | 4.999,00 € |
| Suspension travel | 150 mm |
| Wheel size | 29"/622mm |
| Weight | 25.9 kg |
| Motor | Bosch Performance Line CX |
| Battery | Bosch Power Tube 800 |
| Fork | RockShox Psylo Silver RC |
| Rear shock | X-Fusion O2 Trunnion PRO RL |
| Drivetrain | Shimano Deore |
| Front brake | Shimano BL-M 4100/BR-MT 420 |
Bei den klassischen Mountainbikes von Scott ist die Integration des Dämpfers schon lange Standard – das sieht cleaner aus, und Schmutz wird von der empfindlichen Fahrwerkstechnik ferngehalten, so das Argument. Dass Scott denselben Streich mit dem Patron auch an einem E-MTB durchzieht, hat vor einigen Jahren aber doch für Aufsehen gesorgt: Das bietet so kein anderer Hersteller.
Zum Glück zeichnet sich das E-Bike der Schweizer nicht nur durch den integrierten Dämpfer aus. Die Fahreigenschaften des Patron waren immer besonders rund und einsteigerfreundlich. Hier nun also die günstigste Variante von Scotts E-MTB-Allrounder, die zumindest beim Motor keine Kompromisse eingeht.
Auch beim Patron 930 werkelt ein Bosch CX mit 800 Wattstunden im Unterrohr. Das sorgt für Reichweite satt. Die Bedieneinheiten sind mit Mini-Remote und System-Controller minimalistisch gehalten.
Der Ausstattung merkt man den Preisdruck dafür deutlich an. Die günstigen Shimano Vierkolben-Bremsen kommen mit langen Hebeln. Den Suntour-Dämpfer im Heck kombiniert Scott mit der Psylo-Gabel von Rockshox in der einfachen Silver-Variante mit Stahl Tauchrohren und simpler Dämpfungstechnik. Die mechanische Shimano Hyperglide Zwölffach-Schaltung ist hingegen klassenüblich, ob Deore oder XT macht funktional kaum einen Unterschied. Die Reifen setzen Schwerpunkte nicht nur im Gelände sondern auch beim Rollwiderstand.
Leider macht sich der hohe Integrationsfaktor auch beim Gewicht bemerkbar. Mit fast 26 Kilo ist das Patron trotz leichter Reifen mit das schwerste Rad in unserer Testgruppe. Dafür stehen 150 Millimeter Federweg vorne und hinten sowie Zusatz-Features wie das integrierte Rücklicht und der Schleppzeiger zur SAG-Anzeige auf der Habenseite. Gerade letzterer ist wichtig, weil er das Setup des integrierten Dämpfers erleichtert.
Besonders gelungen ist die leicht vorderradorientierte Sitzposition. Sie verbessert die Kontrolle bergauf spürbar und führt trotzdem auf flachen Strecken nicht zu unangenehmem Druck auf den Händen. Hier gelingt Scott wirklich ein exzellenter Kompromiss: Das Bike fährt sich auch auf anspruchsvollen Uphills sehr unkompliziert und sicher. Der bestens modulierbare Bosch-Motor tut sein Übriges für maximale Kontrolle bergauf.
Bergab arbeitet das Fahrwerk eher linear, was dem Komfort zugute kommt. Der Hinterbau erzeugt viel Fahrkomfort, nicht erst auf krassen Trails oder bei extremer Fahrweise. Mit dem tiefen Tretlager steht man souverän und gut integriert hinter der hohen Front. Das bringt grundsätzlich Fahrspaß, auch im anspruchsvolleren Gelände.
Das hohe Gewicht, die einfachen Bremsen sowie die Gabel machen sich letztendlich aber doch bemerkbar. Die Reifen funktionieren zwar auf trockenen Trails anständig, gerade bei steilen Abfahrten oder bei Nässe wünscht man sich aber mehr Grip und Pannenschutz.
Ambitionierten Bikern raten wir daher unbedingt zum deutlich trail-fokussierteren ST-Modell. Der Aufpreis ist mit 1600 Euro zwar happig, mit Carbon-Hauptrahmen, den besseren Bremsen, der längeren Federgabel und griffigen Reifen spielt das Patron ST 910 aber in einer anderen Liga, und das Geld ist definitiv gut investiert.

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