Unchained Enduro-PrototypHigh-Pivot-Hinterbau trifft Getriebe & Fräskunst

Jan Timmermann

 · 06.07.2026

Definitiv kein Nullachtfufzehn-Enduro: Der Unchained Prototyp auf der Eurobike-Messe 2026.
Photo: Jan Timmermann
Dieser Prototyp vom Schweizer Label Unchained macht so einiges anders: Getriebe statt Schaltwerk, Riemen satt Kette, High Pivot und CNC-Muffen statt Mainstream. An diesem Alu-Enduro gibt es definitiv viel zu entdecken! Wir sind in die Details des Unchained Mountainbike-Prototypen abgetaucht.

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Mit dem ersten Enduro-Prototypen von Unchained Bicycles betritt ein spannendes Newcomer-Projekt die Bühne. Das Bike kombiniert einen High-Pivot-Hinterbau mit Pinion-Getriebe, Gates-Riemenantrieb und einem außergewöhnlichen Fertigungskonzept. Zwei Entwickler, eine klare Vision und jede Menge Ingenieurskunst: Entstanden ist ein Mountainbike, das konsequent auf Performance, Haltbarkeit und Wartungsarmut ausgelegt wurde.

Das Unchained-Enduro zeigt eindrucksvoll, dass Innovation im Mountainbike-Bereich nicht zwangsläufig von den großen Herstellern kommen muss. Der Prototyp hebt sich jedenfalls deutlich von der Masse ab. Ob daraus ein Serienmodell wird, bleibt abzuwarten. Das technische Potenzial ist jedoch groß. Wer sich für alternative Antriebskonzepte und moderne Fahrwerksentwicklung interessiert, sollte Unchained Bicycles in den kommenden Jahren definitiv im Blick behalten.

Unchained Enduro Prototyp im Detail

  • Einsatzgebiet: Enduro
  • Federweg: 170 / 175 mm
  • Laufradgröße: 29 / 27,5” (Mullet)
  • Rahmenmaterial: Aluminium
  • Gewicht: ca. 18 kg
  • Preis: k.A. (Prototyp)
  • Besonderheiten: Getriebe-Schaltung, variable Rahmensteifigkeit, Progressions-Flip-Chip, Riemenantrieb, High-Pivot-Hinterbau

Gegen den Strom

Während viele Hersteller ihre Enduros kontinuierlich in ein und dieselbe Richtung weiterentwickeln, verfolgt Unchained einen radikal anderen Ansatz. Statt klassischem Kettenantrieb arbeitet der Prototyp mit einer zentral im Rahmen sitzenden Pinion-Getriebeeinheit.

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Die Kraftübertragung erfolgt über einen Gates-Carbonriemen – ein Konzept, das Schaltwerk, Kassette und Schaltauge komplett überflüssig macht. Der Spanner, um den Riemen auf Zug zu halten, ist eine Eigenentwicklung von Unchained.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Gewicht konzentriert sich im Bereich des Tretlagers, die ungefederte Masse am Hinterrad sinkt deutlich und empfindliche Antriebskomponenten sind besser vor Steinschlägen geschützt. Gleichzeitig reduziert sich der Wartungsaufwand – insbesondere für Vielfahrer und ambitionierte Enduristen ein interessantes Argument.

Auch beim Fahrwerk gehen die Entwickler eigene Wege. Herzstück des Bikes ist ein Mid-/High-Pivot-Hinterbau mit Umlenkrolle. Das Konzept ermöglicht eine nach hinten verlaufende Hinterradachse während des Einfederns. Dadurch soll das Hinterrad Hindernisse effektiver absorbieren können und auf ruppigen Trails weniger Geschwindigkeit verlieren.

Über einen Flip-Chip lässt sich die Progression des Hinterbaus variieren. Statt lediglich bestehende Kinematiken zu kopieren, wurde der gesamte Hinterbau von Unchained eigens entwickelt. Ziel war ein sensibles Ansprechverhalten kombiniert mit hoher Laufruhe bei gleichzeitig effizientem Pedalieren.

Ungewöhnliche Fertigung

Mindestens ebenso spannend wie die Kinematik ist der Rahmen des Unchained-Prototypen selbst. Anstelle eines vollständig geschweißten Aluminiumrahmens setzt Unchained auf präzise CNC-gefräste Verbindungselemente, in die Aluminiumrohre eingesetzt werden.

Diese werden nicht nur verklebt, sondern zusätzlich mechanisch verschraubt. Dieses Bauprinzip erlaubt schnelle Änderungen während der Entwicklung und eröffnet langfristig interessante Möglichkeiten für Reparaturen oder zukünftige Modellanpassungen. Gleichzeitig wirkt der Rahmen ausgesprochen hochwertig und vermittelt einen fast industriellen Manufaktur-Charakter. Besonders spannendes Feature: Über austauschbare Platten kann die Steifigkeit des Chassis individualisiert werden.

​Optisch verzichtet der Prototyp auf überflüssige Spielereien. Sichtbare Frästeile, klare Rohrformen und der offen präsentierte Antrieb verleihen dem Bike einen funktionalen, technischen Look. Genau diese Ehrlichkeit macht den Reiz aus: Hier steht nicht Design um seiner selbst willen im Mittelpunkt, sondern die konsequente Umsetzung einer Idee.

Auch die Geometriedaten zeigen, wohin die Reise gehen soll. Ein Lenkwinkel von rund 63,5 Grad, ein steiler Sitzwinkel von etwa 77,5 Grad sowie ein Reach um 475 Millimeter (Größe L) entsprechen aktuellen Enduro-Standards. Je nach Laufradkonfiguration variiert die Hinterbaulänge, wodurch sich das Bike sowohl mit Mullet-Setup als auch mit zwei 29-Zoll-Laufrädern fahren lässt.

Fazit

Es ist faszinierend zu sehen, welch spannendes Enduro aus einem anfangs völlig privaten Projekt hervorgehen kann. Der Unchained Prototyp vereint eine Getriebeschaltung mit einem High-Pivot-Hinterbau und einer variablen Rahmenplattform - das muss man als Technik-Nerd einfach geil finden! Ich bin gespannt, ob das Unchained Enduro eines Tages in Serie gehen wird. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Wie seht ihr das: Welche Features hätte euer ganz spezielles Traum-Enduro an Bord? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Jan Timmermann is a true mountain biker. His interests cover almost everything from marathon to trail bikes and from street to gravel. True to the motto "life is too short for boring bikes", the technical editor's heart lies above all in bikes with charisma. Jan also runs the fitness centre for our cycling brands.

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