Legendäre MTB-Touren - Teil 1Das Eisjöchl

Gitta Beimfohr

 · 05.07.2026

Legendäre MTB-Touren - Teil 1: Das EisjöchlPhoto: BIKE Magazin
Das Monster als Tagestour. Alpenüberquerer gehen das Eisjöchl dagegen von Moos in Passeier an - was nicht weniger Herausforderung ist.
2400 Höhenmeter am Stück - das Ganze steil, steiler und immer schwieriger zu kurbeln: Das 2909 Meter hohe Eisjöchl in Südtirol gehört seit den 90er Jahren zu den härtesten MTB-Herausforderungen der Alpen. Prädikat: Muss man erlebt haben.

Man kann die Bikepark-Kids regelrecht denken hören: “Hä? Gibt’s denn da keinen Lift?” Nein. Im Gegenteil! Als Mountainbiker - und speziell Alpenüberquerer - das Eisjöchl in den 90er Jahren für sich entdeckten, ging es genau darum: Die härtesten, längsten Anstiege der Alpen finden und möglichst ohne Fußabsetzen und Pausen bezwingen. Bergauf wie bergab - die Challenge hieß: durchziehen!

Wobei so mancher Aspirant mit dem Eisjöchl seinen Meister fand: Selbst Top-Trainierte, ließen bereits in den steilen Asphaltrampen samt nervenaufreibender Tunnel beim Einstieg zu viele Körner, um die im Talschluss immer enger gelegten, felsigen Serpentinen der letzten 1000 Höhenmeter präzise anzusteuern. Und wenn es nicht der eigene Puls und die zittrigen Gliedmaßen waren, die aus dem Tritt brachten, dann rutschte in einer der bis zu 20 Prozent steilen Kehren bestimmt loses, hochalpines Geröll unterm Vorderreifen weg. Vor allem, wenn zusätzlich der Transalp-Rucksack an den Schultern zog. Vier bis fünf Stunden bastelte man hier locker an diesem einen, einfach nicht enden wollenden Aufstieg. “Komplett gefahren” konnten damals die Wenigsten behaupten. Aber so hatte man wenigstens die Augen frei für den spektakulären Kurvenstapel, den man bereits unter sich gelassen hatte - und die vielen Trockenmauern auf der Bergseite, die es noch hoch zu schieben und zu tragen galt.

Wie fährt sich das Eisjöchl heute?

Der Übergang vom Südtiroler Passeiertal ins Schnalstal liegt im Naturpark Texel und ist Teil des Meraner Höhenwegs. Der Weg wird dementsprechend regelmäßig gepflegt. Zwischendrin hatte man es mal zu gut gemeint und scharfkantige Wasserablaufrinnen quer über den Weg installiert, was Mountainbikern auf der langen Abfahrt schier in den Wahnsinn, wenn nicht sogar in eine Platten-Serie trieb. Doch diese Kanten wurden vor einigen Jahren eingeebnet. 2012 hatte ein Erdrutsch Teile des Wegs oberhalb der Lazinser Alm mitgerissen. Danach wurde der Pfad-Abschnitt mit Steinplatten gepflastert und insgesamt so saniert, dass diese Bergseite mit sehr guter Kondition als komplett fahrbar gilt. Für hochalpine Verhältnisse jedenfalls.

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Die Höhe ist das, was diesen Pass bis heute so unberechenbar und spannend macht. Nicht nur, dass die Luft ab 2500 Meter Höhe spürbar dünner wird. Auch das Wetter kann hier oben schnell umschlagen. Wolken von Westen bleiben in den Felsen als Nebel kleben und kühlen die Luft nochmal ein paar Grad runter. Schneefall im Juni oder sogar Juli ist hier oben keine Seltenheit, mit größeren Restschneefeldern muss man am Eisjöchl immer rechnen.

Im Februar 2014 brach am Gipfel eine Lawine los und zerstörte die Stettiner Hütte - die einzige Einkehr- und Aufwärmstation in Gipfelnähe. Inzwischen wurde die Hütte aber wieder hochmodern aufgebaut. Seit 2022 kann man auf 2875 Meter Höhe wieder Energie tanken und in einem der 80 Betten auch übernachten. Witterungsbedingt ist die Saison aber kurz: Die Stettiner Hütte öffnet am 1. Juli und schließt - je nach Wetter - wieder Ende September. Wer hier oben übernachten will und den von hier oben traumhaft schönen Sonnenaufgang samt Texel-, Ortler- und Dolomiten-Panorama erleben will, sollte rechtzeitig reservieren.

Infos zur Tour

  • Das Eisjöchl als Rundtour von Naturns insgesamt: 90 km / 2980 hm
  • Stettiner Hütte: Geöffnet vom 1.7. bis Ende September, Übernachtung inklusive Halbpension: 55 Euro.
  • E-MTB-Info: Mit dem Nachladen des Akkus besser nicht bis zur Stettiner Hütte warten. Eine offizielle Ladestation gibt es dort oben nicht. Der Wirt entscheidet, ob die jeweilige Stromsituation auf der Hütte ausreicht. Besser vorher in den Eishöfen oder auf der Lazinser Alm nachladen und: Ladegerät nicht vergessen!

Habt ihr das Eisjöchl schon mal mit dem MTB bezwungen? Auf der Skala von 1 bis 10: Wie hart war es? Schreibt es in die Kommentare!

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Gitta Beimfohr joined the BIKE travel resort during her tourism studies when the Strada delle 52 Gallerie on the Pasubio was closed to mountain bikers. Since Gitta crossed the Alps twice at racing speed, she has favoured multi-day tours - by MTB in the Alps or by gravel bike through the German low mountain ranges.

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