Sachsen-Anhalt ist ein Paradies für Entdecker auf zwei Rädern. Ob sportliche Herausforderung oder entspanntes Genussradeln. Das Land bietet Radtouren für jede Stärke, Ausdauer und jeden Geschmack. Wer die Freiheit sucht, lässt sich einfach treiben - entspannt durch die unberührte Natur entlang der blau-glitzernden Bänder von Elbe, Saale und Unstrut oder bei einer Fahrt durch die weiten Naturparks des Landes.
Das Kernland der deutschen Geschichte fühlt sich an wie ein landschaftliches Bilderbuch, das wir in weiten Teilen der Vision von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und seinem Baumeister Erdmannsdorff verdanken. Sie schufen einst ein unvergessliches kulturelles Erbe, das sich von der Lutherstadt Wittenberg über Dessau, Wörlitz und Oranienbaum erstreckt. Für Kulturbegeisterte wird das Fahrrad in Sachsen-Anhalt zum Zeitreiseticket. Einen Einblick in die Geburtsstunde der Moderne gewinnt man auf der Bauhaus-Tour in Dessau, während die Gartenreichtour Fürst Franz einen tiefen Einblick in die prunkvolle Geschichte und die faszinierende Schlösserwelt gewährt. Tempo und Distanz bestimmt jeder selbst: Die Strecken variieren flexibel von der kurzen 20-Kilometer-Runde bis hin zu ausgiebigen Etappen von 60 Kilometern und mehr.
Ein besonderer Clou für alle, die das kulturelle Erbe des Landes in vollen Zügen genießen wollen, ist die WelterbeCard. Diese All-Inclusive-Gästekarte ist der perfekte Begleiter auf dem Rad: Einmal erworben, gewährt sie freien Eintritt oder attraktive Rabatte bei über 130 touristischen Attraktionen in der Welterberegion Anhalt-Dessau-Wittenberg, darunter zahlreiche Standorte der UNESCO-Welterbestätten. Je nach Zeitplan kann man sie für 24-Stunden oder als 3-Tage-Card erwerben.
Die Topografie bietet eine riesige Brandbreite: Wer es lieber flach mag, radelt über die weiten Ebenen entlang der Flussläufe und erkundet dabei spannende Städte ohne große Anstrengung. Wer hingegen die sportliche Kletterpartie sucht, kann an den Weinhängen Burgen und Berge erklimmen und wird mit einem spektakulären Ausblick belohnt. Die offiziellen Routen bieten zudem ein unbeschwertes Fahrerlebnis. Das hervorragend ausgebaute Radwegenetz mit seinem intuitiven Leitsystem, detaillierte Tourenpläne inklusive GPS-Tracks und eine erstklassige Infrastruktur greifen perfekt ineinander. Die Wege verlaufen zumeist sicher getrennt vom Autoverkehr.
Zahlreiche Gastronomiebetriebe, ob rustikale Schankwirtschaft oder gemütliche Cafés laden an den Strecken zur Rast ein. Sollte einem am Ende einer Tour dann doch einmal die Puste ausgehen oder das Wetter umschlagen, unterstützt der öffentliche Nahverkehr: In Nahverkehrszügen, PlusBus-Linien und S-Bahnen fahren Fahrräder kostenfrei mit. Mehr Infos unter sachsen-anhalt-tourismus.de
Es gibt Reviere, da wechselt das Panorama schneller als die Gangstufe. In Dessau-Roßlau haben wir eine Zeitreise auf zwei Rädern absolviert, die gegensätzlicher nicht sein könnte: Zuerst fahren wir durch die radikale Zukunftsvision der 1920er Jahre, tags darauf cruisen wir durch die verträumte Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Zwei Tage im Sattel zwischen Stahlrohr-Ästhetik und Elbdeich-Idylle.
Wir klicken die Pedale im Stadtzentrum am Bauhaus Museum Dessau ein. Der gläserne „Riegel“ ist für uns die perfekte Startrampe, um uns auf die Ästhetik der Moderne einzustimmen. Unsere Route auf der Bauhaus-Tour führt uns zunächst in den Süden der Stadt zur Siedlung Törten. Wer hier durch die Straßen rollt, merkt sofort: Das ist kein gewöhnliches Wohngebiet. Die Typenhäuser und das historische Konsumgebäude sind gebaute Demokratie. Bei den Laubenganghäusern schauen wir zwei Mal hin, bevor wir den Lenker Richtung Norden drehen, um den Klassiker, das Bauhausgebäude anzusteuern. Es ist ein technisches Vergnügen, den Glasflügel und das Werkstattgebäude zu umrunden. Das Spiel von Licht und Schatten auf den Fassaden wirkt im Vorbeifahren fast wie ein Film. Gefühlt nur einen Katzensprung entfernt erreichen wir die Meisterhäuser. Hier im lichten Kiefernwald surren unsere Reifen zwischen den weißen Villen von Gropius, Kandinsky und Klee hindurch. Die strenge Geometrie der Architektur bildet einen genialen Kontrast zum weichen Waldboden. Für den perfekten Tagesausklang fahren wir zum Kornhaus. Wir parken die Bikes direkt am Elbufer und genießen auf der halbrunden Veranda von Carl Fieger den weiten Blick über den Strom. Architektur, die sich so leicht anfühlt wie Rückenwind.
2019 eröffnet, ist das Bauhaus Museum ein architektonisches Highlight. Es beherbergt die zweitgrößte Bauhaus-Sammlung weltweit. Der minimalistische Betonriegel in einer gläsernen Hülle präsentiert rund 49.000 Exponate der Stiftung Bauhaus Dessau. Im Zentrum der Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus“ stehen die Ideen und Entwürfe der berühmten Gestaltungsschule aus der Dessauer Blütezeit (1925–1932). Bauhaus wurde maßgeblich von seinen drei Direktoren Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe geprägt.
Unsere zweite Tour verlangt Ausdauer und belohnt mit Naturgenuss. Auf der Gartenreich-Tour Fürst Franz lassen wir die Strenge der Moderne hinter uns und steuern in den Morgenstunden das Georgium an, wo wir die klassizistische Schlossfassade passieren und uns von den perfekt komponierten Sichtachsen des englischen Landschaftsparks leiten lassen. Weiter geht es zum Luisium. Die Wege durch das Refugium der Fürstin Louise sind schmal und intim, ideal für ein entspanntes Rollen. Richtig Fahrt nimmt die Tour auf, als wir das Stadtgebiet verlassen. Jetzt heißt es: Kette rechts auf dem Elbdeich! Es ist dieses Gefühl von grenzenloser Freiheit, oben auf der Deichkrone zu radeln, während links die urwüchsigen Auen des UNESCO Biosphärenreservats Mittelelbe vorbeiziehen. Unser Ziel ist Wörlitz, das Herzstück des Gartenreiches. Wir navigieren unsere Bikes vorbei am Gotischen Haus und dem Schloss Wörlitz, immer entlang der sanften Wasserläufe. Doch der Tacho verträgt noch ein paar Kilometer, also kurbeln wir weiter nach Oranienbaum. Hier wechselt die Szenerie radikal: Das prächtige Barockschloss und die niederländisch geprägte Stadtanlage bieten einen strengen, faszinierenden Kontrast zur Verspieltheit von Wörlitz. Auf dem Rückweg nach Dessau genießen wir die Ruhe der Wälder, während das Licht der untergehenden Sonne die Kirchtürme am Horizont in Gold taucht. Zwei Tage, zwei Welten und die Erkenntnis: Dessau erfährt man am besten aktiv.
Die Wörlitzer Anlagen, ein UNESCO-Weltkulturerbe, sind ein Meisterwerk des Landschaftsgartens. Erschaffen wurde dieses Juwel von Fürst Franz von Anhalt-Dessau und seinem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, die hier den Klassizismus in Deutschland begründeten. Das Herzstück bildet das Wasser: Ein verzweigtes Kanalsystem durchzieht den Park. Eine Gondelfahrt ist das absolute Highlight. Sanft gleiten die Boote über den See, vorbei an Tempeln und Brücken. Diese Perspektive bietet tiefe Ruhe und romantische Ausblicke wie zu Goethes Zeiten.
Den perfekten Sonnenuntergang und gutes Essen genießt man in den wärmeren Monaten auf der Terrasse des Kornhaus Dessau. Die Bauhaus-Ikone von Carl Fieger ist bis heute ein beliebtes Ausflugsrestaurant. Hier trifft modernen Architektur auf regionale Küche.
Flussradwege gibt es viele, doch nur selten treffen zwei so unterschiedliche Charaktere so harmonisch aufeinander wie im südlichen Sachsen-Anhalt. Bei der Erkundung des „Blauen Bands“ der Saale und der sanften Weinberge der Unstrut findet man sich zwischen sportlichem Anspruch und purem Kulturgenuss wieder.
Für den Wechsel an die Unstrut nutzen wir die entspannte Logistik der Region. In den Morgenstunden steigen wir mitsamt unseren Bikes in die Regionalbahn von Freyburg nach Wangen. Von hier geht’s auf dem Unstrut-Radweg einige Kilometer flussaufwärts zum Kloster Memleben. Die Aura der einstigen Kaiserpfalz ist greifbar. Bei einer Führung durch die Ruinen der Klosterkirche spüren wir die enorme Bedeutung dieses Ortes für die deutsche Geschichte. Anschließend fahren wir zurück nach Wangen, wo wir in die Welt der Astronomie eintauschen. Die Arche Nebra am Fuße des Mittelbergs ist Architektur und Wissensvermittlung auf höchstem Niveau. Wir lassen uns von der Geschichte der Himmelsscheibe faszinieren, bemerken aber beim Blick auf die Uhr, wir müssen noch Boden gutmachen. Erneut treten wir in die Pedale und fahren durch das Unstruttal Richtung Osten. Der Weg führt uns durch das nördlichste Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands. Rechts und links der Strecke prägen terrassierte Steilhänge und hunderte historische Weinbergshäuschen das Bild. Genussradeln par excellence: Die Strecke ist flach, der Asphalt meist top. In Freyburg, der „Hauptstadt“ des Weinanbaus, steuern wir direkt die Rotkäppchen Sektkellerei an. In der modernen Erlebniswelt erfahren wir, wie das Prickeln in die Flasche kommt. Ein standesgemäßes Glas Sekt im historischen Lichthof bildet den krönenden Abschluss einer Tour, die uns sowohl sportlich als auch kulturell begeistert hat.
Unser nächstes Abenteuer beginnt am Blütengrund bei Naumburg. Bevor wir die erste Kurbelumdrehung machen, genießen wir eine morgendliche Stärkung im Gasthof „Zur Henne“. Nach nur knapp drei Kilometern auf dem Saaleradweg steht der erste Abstecher in Richtung Innenstadt, genauer gesagt zum UNESCO-Welterbe Naumburger Dom, an. Die Begegnung mit der steinernen Stifterfigur Uta und der anschließende Spaziergang durch die kopfsteingepflasterte Altstadt sind der perfekte Startschuss in den Tag. Wieder zurück am Fluss zeigt der Saaleradweg sein bestes Gesicht: Wir gleiten über Deichwege, durchqueren weite Auen und kleine, verschlafene Ortschaften. Immer wieder laden kleine Schankwirtschaften zur kurzen Rast ein. In Bad Kösen wird es historisch: Wir passieren das monumentale Gradierwerk, dessen salzhaltige Luft uns eine willkommene Brise verschafft. Dann steht das Tageshighlight an: der Aufstieg zur Rudelsburg. Wir lassen die befestigte Straße links liegen und entscheiden uns für den naturbelassenen, rauen Rad-Wanderweg. Hier ist Trail-Feeling gefragt! Wer die steilen Rampen kurz vor dem Ziel ohne E-Unterstützung knackt, darf stolz auf seine Waden sein. Alle anderen schalten den Motor zwei Stufen höher. Oben angekommen, belohnt uns der Burghof mit deftiger Küche und einem Panoramablick über das Saaletal, der jede Anstrengung vergessen macht.
Der Naumburger Dom St. Peter und Paul ist Meisterwerk der Gotik und UNESCO-Welterbe. Als Highlight gilt der Westchor mit den berühmten Stifterfiguren des Naumburger Meisters, darunter Uta von Naumburg. Eine fachkundige Führung macht die Geschichte des Hochmittelalters lebendig und beleuchtet die einzigartige Architektur sowie die romanische Krypta. Von April bis Oktober sind zudem spezielle Turmführungen möglich, die einen weiten Blick über die Region bieten.
Als architektonisch spektakuläres Bauwerk darf man die Arche Nebra bezeichnen, die wie ein riesiges Schiff über der Unstrut thront. Es liegt nahe dem Mittelberg, wo 1999 die über 3600 Jahre alte Himmelsscheibe gefunden wurde. Das Besucherzentrum bietet mit seiner Ausstellung interaktive Einblicke in die Bronzezeit, Astronomie und die Geschichte des Fundes. Ein Planetarium und der nahegelegene Fundort mit Aussichtsturm runden das Erlebnis ab.
Seit 170 Jahren steht Rotkäppchen für prickelnden Genuss aus Freyburg. Die Wurzeln der traditionsreichen Sektkellerei reichen bis 1856 zurück. Heute ist das Unternehmen Marktführer in Deutschland. In der neu gestalteten, interaktiven Erlebniswelt verschmelzen Historie und Moderne. Besucher bekommen an über 50 Stationen auf spielerische Weise Wissen vermittelt, dürfen den historischen Keller besichtigen und können prickelnde Momente im modernen Pavillon genießen.
Perfekt genächtigt haben wir im Gasthaus und Hotel „Zur Henne“ vor den Toren Naumburgs. Haupthaus und Nebengebäude befinden sich in einer ehemaligen Brauerei von 1889, direkt an der Saale und den Weinbergen des Blütengrunds. Das familiengeführte Haus verbindet Tradition mit Komfort und bietet gemütliche Zimmer. Der einladende Biergarten und das Restaurant verwöhnen mit regionaler Küche. Ideal für Radfahrer, Weinfreunde und Reisende, die Natur, Geschichte und Herzlichkeit suchen.