Kids-Camps in Flims LaaxHilf mir, es selbst zu tun!

Das erste Mal mit dem Lift Höhenluft schnuppern und in einen hochalpinen Trail hineintasten.
Photo: Remo Thommen
Natur, Action und den Stars ganz nah - kein Wunder, dass Mountainbiken bei Kids hoch im Kurs steht. Daher bieten immer mehr Bikeschulen Kurse für Youngsters an. So auch die LAAX School in Graubünden, die im Bikepark einen pädagogisch fundierten Fahrtechnikkurs anbieten.

Text: Anton Rieger

Emil steht vor einem felsigen Absatz, gut 30 Zentimeter hoch. Und traut sich nicht. Der 11-Jährige ist Mountainbike-Einsteiger. Klar, zuhause in Zürich radelt der Knirps zur Schule und ins Fußballtraining. Aber Wurzeln und Stufen haben sich ihm noch nie in den Weg gelegt. Was tun? Die anderen Kids haben die schwierige Stelle alle schon gemeistert, stehen nun unten an der breiten Forststraße und schauen erwartungsfroh zu, ob Emil sich traut. Eine knifflige Situation. Für Emil, aber auch für Raffael Jacob, den Bike-Guide. Einerseits will er Emil nach Kräften unterstützen, das in den letzten drei Tagen Gelernte hier und jetzt im Gelände umzusetzen. Andererseits will er natürlich auch keinesfalls, dass der Junge stürzt und das Selbstvertrauen verliert. „In solchen Momenten bist du mehr Psychologe als Guide.“ Spannend!

Der „Raffi“ ist das, was Eltern gemeinhin als „Role Model“ bezeichnen. Jung (29), cool, sportlich – und auf dem Mountainbike ein Fahrtechnik-Chef erster Sahne. Zudem ist er Ausbildungsleiter Mountainbike in der LAAX School. Zur selben Unternehmung wie die „School“ gehören unter anderem auch die Bergbahnen von Laax, diverse Hotels und Restaurants, Sport- und Rental-Shops sowie eine Ski-, Snowboard- und Bikeschule. Apropos: „Ich komme eigentlich vom Wintergeschäft“, erzählt der St. Galler, der seit zehn Jahren in Flims wohnt. „Unsere LAAX School beschäftigt im Winter etwa 450 Skilehrer – und im Sommer etwa 25 bis 30 Bikeguides.“ Klar arbeiten nicht immer alle, aber im Hochsommer sind schon immer 15 ausgebildete Guides für ihre bikenden Gäste da. Die Kids, für die die Eltern einen Fahrtechnikkurs buchen, kommen größtenteils aus der Schweiz.

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In den Ferien kommen 90 Kinder pro Woche

„Am meisten ist auf unseren Trails natürlich in der Ferienzeit los“, sagt Raffael. „Von Anfang Juni bis Mitte August und dann nochmals drei Wochen im Herbst – da brennt die Hütte!“ Dann kommen bis zu 90 Kinder pro Woche, die das Mountainbiken von den Profis lernen möchten. „Seit letzter Saison teilen wir die Kids nicht mehr in fünf, sondern in sechs Levels ein.“ Damit die Gruppen in Sachen Können, Anspruch und Bedürfnisse möglichst homogen werden. Sehr vorbildlich: Die Kids müssen nicht am Anfang des Kurses vor allen anderen „vorfahren“, was für viele unangenehm ist. Sie schätzen sich schon bei der Online-Anmeldung mit Hilfe der Eltern selbst ein. „Das klappt meistens problemlos“, sagt der Guide. So kommen die besten Freundinnen und Freunde auf gleichem Level auch in die gleiche Gruppe. Normalerweise. Falls jemand so gar nicht in seine Gruppe passt, wird nach dem Mittagessen getauscht. Auch kein Problem.

Emil und sein Best Buddy Tim aus der Schule sind in der gleichen Gruppe. Zusammen mit maximal acht weiteren Kids auf gleichem Fahrniveau. Emils und Tims Eltern hatten ein dreitägiges „Kids Camp“ in Laax gebucht. Während Emil und Tim von 9:30 Uhr bis 15:30 Uhr versorgt sind – inklusive Mittagessen – erleben die Eltern in der Zeit eine Lifttour mit dem Bike.

Los geht der Dreitageskurs am Montag. Um Punkt halb zehn. Mit neuen Fullys aus dem “Laax Rental” ausgestattet, rollen die beiden Jungs die wenigen Meter hinüber zum Treffpunkt, wo Rental-Shop, Skill-Area, Restaurant und Talstation nur einen Katzensprung voneinander entfernt sind.

Es zählt nicht, wer der Schnellste ist

Endlich geht’s los! Die Nervosität der insgesamt acht Dreikäsehochs ist förmlich spürbar. Wie am ersten Schultag. Aber Raffi lässt Schüchtern- und Verlegenheit in Sekundenschnelle verfliegen – mit einem ersten Spielchen auf dem Bike um die Stimmung zu lockern und sich ans Fahren zu gewöhnen. Alles lacht, keiner hat mehr Bammel. „Die Freude am Biken steht bei uns immer im Vordergrund“, sagt der Guide. „Es zählt nicht, wer der schnellste ist, sondern, dass die Kids mit möglichst viel Spaß möglichst viel lernen.“ Dafür gibt’s das riesige Trailnetz rund um Laax – zuallererst aber die Skill-Area im Rocksresort. Rund um die Plaza der Hotelanlage gibt’s jede Menge Restaurants, einen Pumptrack, eine Skatebowl, die Freestyle Academy und, und, und.

Kids und Trainer kurbeln die wenigen Meter hinüber zur Skill-Area. In Steilwandkurven, auf dem Wurzelfeld und auf kleinen Absätzen verbessern die Kids unter Anleitung von Raffael spielerisch ihre Fahrtechnik. Wer kann langsam – nicht schnell! – über den Absatz fahren? Wer schafft es, aus voller Fahrt auf den Zentimeter genau an der Haltelinie zu stoppen? Solche kleinen Challenges machen stolz – und die Kids lernen automatisch besser Radfahren. Erst das gemeinsame Mittagessen unterbricht den allgemeinen Flowzustand der acht Kinder. „Was, schon Essenszeit? Schade!“

Unglaublich, welche Mengen kleine Mountainbiker beim Mittagessen wegzaubern können! Frisch gestärkt geht’s nach dem Mittagessen gleich mitten rein ins Gelände. Raffi und seine Kolleg:innen haben das perfekte Fahrtechnikgelände vor der Haustür, um die Kids Schritt für Schritt besser – und damit auch selbstbewusster – zu machen. Die ausgebildeten Guides der LAAX School haben alle einen didaktisch und methodisch bewährten „Werkzeugkasten“ dabei, um alle Kids individuell optimal zu fordern und zu fördern. Im Kids Camp lernen die Kurzen viel mehr, als „nur“ auf den Punkt zu bremsen oder eine knifflige Abfahrt zu meistern. Sie lernen fürs Leben: Niederlagen einstecken können. Nicht aufgeben. Es immer und immer wieder probieren, bis es klappt. Siege gemeinsam feiern. Den anderen helfen. Sich helfen lassen. Die Lernerfahrungen ließen sich schier unendlich weiterführen.

Dafür haben Emil, Tim und der Rest der Gang aber keine Zeit. Sie wollen nämlich hoch hinaus. Und den berühmten „Runca Trail“ fahren. Aber wer abfahren will, muss erst einmal hochkommen. Keine Sorge! Dafür gibt’s in Laax jede Menge Seilbahnen. Mit dem Bike in die Gondel – wie cool ist das denn? Oben angekommen, gibt Raffi den Nachwuchsbikern die letzten Tipps mit auf den Weg: Nicht überholen! Keine Bremsspuren hinterlassen! Schwierige Stellen nur dann fahren, wenn du dir hundertprozentig sicher bist.

Und jetzt steht Emil vor diesem fiesen Absatz. Und traut sich nicht. Was tun? Tausend Gedanken schießen dem 11-Jährigen durch den Kopf: Was werden nur die anderen Kids denken, wenn ich als einziger kneife? Aber die Stelle schaut von oben so schwer aus! Was, wenn es mich überschlägt? Während Emil so vor sich hin sinniert, steht plötzlich Raffi neben ihm. Er hat kurzerhand sein Bike unten hingelegt und ist die zehn Höhenmeter zu Fuß hochgestiegen. Die erwartungsfrohen anderen Kinder stehen unten und sehen, wie die beiden leise miteinander plaudern. Dann klopft sich Emil beherzt auf die Brust, atmet hörbar ein und aus – und fährt die knifflige Stelle, wie wenn es nichts Leichteres auf der Welt gäbe. Unten angekommen, freuen sich die anderen mit ihm, Tim klopft seinem Kumpel freundschaftlich auf die Schulter. Emil hat heute seinen inneren Schweinehund besiegt. Was Raffi ihm oben gesagt hat? „Betriebsgeheimnis!“

Infos Laax

Das Revier: Die Destination Flims Laax liegt auf einem Hochplateau in den Bündner Alpen der Schweiz, oberhalb des Vorderrheins. Umgeben von Bergen und Seen, bietet sie eine vielseitige Landschaft mit Wäldern, spannenden Felsformationen wie dem Flimser Bergsturz und über 330 Kilometern an Biketrails. Moderne Bergbahnen und eine gut ausgebaute Infrastruktur sorgen dafür, dass man die Trails schnell und komfortabel erreicht.

Anreise: Wenn man von Zürich, Basel oder vom Bodensee kommt, folgt man der Autobahn A3/A13 in Richtung Chur und nimmt die Ausfahrt Reichenau (Nr. 18). Anschließend folgt man der Route Nr. 19 und erreicht Flims Laax nach etwa 15 Minuten. Reist man mit der Bahn an, bringen internationale Zugverbindungen einen bis nach Chur. Von dort gelangt man mit dem Postauto nach Laax Murschetg. Dasselbe gilt bei einer Anreise mit der Rhätischen Bahn bis nach Ilanz.

Beste Reisezeit: Bei Trails auf über 2600 Meter kann der Schnee auch etwas länger liegen, daher liegt die beste Reisezeit zwischen Juni und Oktober. In den tieferen Lagen (die Rheinschlucht liegt etwa auf 670 Metern über Null, kann man auch schon früher/später Mountainbiken.

Übernachtung: Mit dem Rocksresort, Signinahotel und Riders Hotel stehen spezialisierte Bike-Hotels zur Auswahl, die mit verschiedenen Serviceleistungen alles bieten, was Bikerinnen und Biker sich nach einen erlebnisreichen Tag im Sattel wünschen. laax.com/shop

Guiding: Die LAAX School bietet ein vielseitiges Programm mit individuell geführten Touren und Fahrtechnik-Trainings für alle Altersgruppen an. Ob Technikverbesserung mit einem Coach oder Fahrsicherheitstraining mit dem E-Bike – hier lassen sich Fahrkönnen und Bike-Wissen gezielt erweitern. Lokale Guides zeigen zudem die Highlights der Region und vermitteln praktische Tipps zur Instandhaltung und Reparatur. laax.com/school

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