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Test 2016: Mountainbike Rucksäcke für Hochtouren Test 2016: Mountainbike Rucksäcke für Hochtouren

Test Mountainbike Touren-Rucksäcke

Transalp-tauglich: 9 MTB-Rucksäcke für die große Tour

Stefan Frey am 08.03.2017

Die Packliste für eine MTB-Transalp liest sich wie der Einkaufszettel einer Großfamilie. Um alles in einem Bike-Rucksack unterzubringen, muss man das perfekte Modell besitzen. Neun Raumwunder im Test.

Als Hannibal seinerzeit die Alpen überquerte, musste er sich um sein Gepäck wohl keine großen Gedanken machen. Mehr als 50000 Mann und 37 Elefanten marschierten damals in seinem Tross – da wird sich für seine Wechselbekleidung schon ein Träger gefunden haben. Wenn Mountainbiker sich heute zur anderen Seite des Alpenhauptkamms aufmachen, ist der Weg zwar weit weniger beschwerlich und nicht annähernd so gefährlich wie damals. Dafür stehen sie schon vor der ersten Pedalumdrehung vor einer logistischen Denksportaufgabe: Ein ganzer Tante-Emma-Laden an Habseligkeiten soll in einem Rucksack Platz finden, der nicht größer sein soll als eine Einkaufstüte aus dem Supermarkt. Und der im besten Fall nicht mehr als sieben Kilo wiegt. Gerade mal neun Hersteller haben ein Transalp-taugliches Modell im Sortiment, das für eine solche Unternehmung in Frage kommt. Wir haben sie getestet und herausgefunden, welcher Bike-Rucksack sich für eine Mehrtages-Tour in den Alpen am besten eignet.

Diese MTB-Rucksäcke für Alpenüberquerungen und lange Touren finden Sie im Test:

Cube AMS 30+5*
• Dakine AMP 24
Deuter Attack Tour 28* (BIKE-Tipp: Komfort)
• Ergon BX4
• Evoc Explorer 30l (BIKE-Tipp: Handhabung)
• Jack Wolfskin Rock Surfer 30,5
Osprey Escapist 25*
• Shimano Hotaka 26 
Vaude Bike Alpin 25+5* (BIKE-Tipp: Testsieger)

Fotostrecke: Test 2016: Mountainbike Rucksäcke für Hochtouren

Die Packliste für eine Transalp  füllt eine komplette DIN-A4-Seite und belegt einen halben Tag später fast den gesamten Fußboden des Testbüros. Es folgt der schwierigste Teil der Aufgabe: Die umfangreiche Ausrüstung im Rucksack zu verstauen, gleicht der Auflösung des Gordischen Knotens – zigmal beginnt man von vorne, um am Ende frus­triert festzustellen: Die häufig benötigte Kompass-Karte ist irgendwo in den unendlichen Weiten des Hauptfachs verschollen. Jeder hat seine eigene Vorstellung von Ordnung. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Taschenaufteilung ihrer persönlichen Vorstellung von Ordnung entspricht. Besonders bewährt haben sich dennoch ein paar grundlegende Abteilungen: ein geräumiges Hauptfach, mit abgetrenntem Bodenfach; ein gut sortiertes Werkzeugfach, leicht zugängliche Fächer an den Seiten und Hüftgurten und ein flaches Abteil für Karten, Smartphone oder Geldbörse. Der Rest ist Geschmackssache.

Übersichtlich strukturiert sind vor allem die Modelle von Cube, Jack Wolfskin, Osprey und Vaude. Evoc treibt das Taschen-Management zur Perfektion. Besser organisiert ist nicht einmal die Fußball-Nationalmannschaft. Dem Deuter fehlt zwar ein separates Bodenfach, dafür lässt sich das Hauptfach so weit aufklappen, dass es auch bis in den letzten Winkel leicht zugänglich ist. Ausreichend Platz für eine Woche in den Alpen bieten laut Herstellerangaben zwar alle Modelle. Bei Dakine und Jack Wolfskin wird es aber eng. Mehr als 24, beziehungsweise 23 Liter Packvolumen konnten wir in den beiden Modellen beim Auslitern beim besten Willen nicht unterbringen. Verzicht statt Völlerei ist hier angesagt. Setzt man das Rucksackgewicht mit dem Packvolumen ins Verhältnis, stechen drei Modelle besonders hervor: Osprey und Vaude verwenden sehr leichte Materialen, was sich natürlich positiv aufs Gewicht auswirkt. Der AMS von Cube fällt hier allein schon durch sein riesiges Volumen aus dem Rahmen. Bei Deuter drücken solide Materialien und der integrierte Protektor auf die Waage. Zwischen dem leichtesten und dem schwersten Modell liegen ganze 862 Gramm – eine Welt in dieser Kategorie. Wobei man bei Deuter bei Bedarf die Rückenplatte weglassen und 300 Gramm sparen könnte.

Die Alpen überqueren heißt verzichten. Unverzichtbar ist jedoch ein hoher Tragekomfort. Das ist der erste Punkt, den man beim Rucksackkauf abklären sollte. Passt das Rückensystem nicht zum Träger, sind Schmerzen spätestens nach ein paar Tagen im Sattel vorprogrammiert. Im Laden sollte man den Rucksack daher immer mit dem angepeilten Gewicht Probe tragen. Ein Kletterseil eignet sich hier gut als Testgewicht. 

Hüftgurt, Brustgurt und Schultergurt – umfangreich einstellen lassen sich alle Modelle im Test. Cube, Deuter, Evoc, Osprey und Vaude können zudem über eine Lageverstellung an den Schultern kompakter an den Rücken geholt werden – etwa für technische Abfahrten. Bei drei Modellen lässt sich sogar die Rückenlänge individuell anpassen. Ein großer Vorteil, weil sich Ergon, Osprey und Vaude so immer richtig auf den Hüftknochen platzieren lassen. Auf ihnen sollte in der Regel auch das meiste Gewichte lasten – die Schultergurte halten den Packsack lediglich in Position. Breite Hüftgurte sollten bei Rucksäcken dieser Größenordnung sowieso zur Grundausstattung gehören. Sie stabilisieren die schwere Last und sorgen dafür, dass man am Ende der Abfahrt sein Gepäck nicht plötzlich am Bauch trägt.

Übrigens: Als Hannibal nach 16 Tagen auf der Nordseite der Alpen anlangte, hatte er nur noch einen seiner 37 Elefanten – und vermutlich keine Wechselklamotten mehr.
Mit dem richtigen Bike-Rucksack schleppen Sie Ihr Gepäck zwar immer noch selbst über die Berge, kommen dafür aber auch garantiert entspannter am Ziel Ihrer Reise an.

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Stefan Frey am 08.03.2017