Seite 1: Test Mountainbike Touren-Rucksäcke

Transalp-tauglich: 9 MTB-Rucksäcke für die große Tour

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 4 Jahren

Die Packliste für eine MTB-Transalp liest sich wie der Einkaufszettel einer Großfamilie. Um alles in einem Bike-Rucksack unterzubringen, muss man das perfekte Modell besitzen. Neun Raumwunder im Test.

Als Hannibal seinerzeit die Alpen überquerte, musste er sich um sein Gepäck wohl keine großen Gedanken machen. Mehr als 50000 Mann und 37 Elefanten marschierten damals in seinem Tross – da wird sich für seine Wechselbekleidung schon ein Träger gefunden haben. Wenn Mountainbiker sich heute zur anderen Seite des Alpenhauptkamms aufmachen, ist der Weg zwar weit weniger beschwerlich und nicht annähernd so gefährlich wie damals. Dafür stehen sie schon vor der ersten Pedalumdrehung vor einer logistischen Denksportaufgabe: Ein ganzer Tante-Emma-Laden an Habseligkeiten soll in einem Rucksack Platz finden, der nicht größer sein soll als eine Einkaufstüte aus dem Supermarkt. Und der im besten Fall nicht mehr als sieben Kilo wiegt. Gerade mal neun Hersteller haben ein Transalp-taugliches Modell im Sortiment, das für eine solche Unternehmung in Frage kommt. Wir haben sie getestet und herausgefunden, welcher Bike-Rucksack sich für eine Mehrtages-Tour in den Alpen am besten eignet.

Diese MTB-Rucksäcke für Alpenüberquerungen und lange Touren finden Sie im Test:

Cube AMS 30+5
Dakine AMP 24
Deuter Attack Tour 28 * (BIKE-Tipp: Komfort)
Ergon BX4
Evoc Explorer 30l * (BIKE-Tipp: Handhabung)
Jack Wolfskin Rock Surfer 30,5
Osprey Escapist 25 *
Shimano Hotaka 26 
Vaude Bike Alpin 25+5 * (BIKE-Tipp: Testsieger)

Test 2016: Mountainbike Rucksäcke für Hochtouren

9 Bilder

Die Packliste für eine Transalp liest sich wie der Einkaufszettel einer Großfamilie. Um alles in einem Rucksack unterzubringen, muss man entweder Großmeister im Tetris sein, oder das perfekte Modell besitzen. Wir haben neun Raumwunder getestet. 

Die Packliste für eine Transalp  füllt eine komplette DIN-A4-Seite und belegt einen halben Tag später fast den gesamten Fußboden des Testbüros. Es folgt der schwierigste Teil der Aufgabe: Die umfangreiche Ausrüstung im Rucksack zu verstauen, gleicht der Auflösung des Gordischen Knotens – zigmal beginnt man von vorne, um am Ende frus­triert festzustellen: Die häufig benötigte Kompass-Karte ist irgendwo in den unendlichen Weiten des Hauptfachs verschollen. Jeder hat seine eigene Vorstellung von Ordnung. Deshalb ist es auch wichtig, dass die Taschenaufteilung ihrer persönlichen Vorstellung von Ordnung entspricht. Besonders bewährt haben sich dennoch ein paar grundlegende Abteilungen: ein geräumiges Hauptfach, mit abgetrenntem Bodenfach; ein gut sortiertes Werkzeugfach, leicht zugängliche Fächer an den Seiten und Hüftgurten und ein flaches Abteil für Karten, Smartphone oder Geldbörse. Der Rest ist Geschmackssache.

Übersichtlich strukturiert sind vor allem die Modelle von Cube, Jack Wolfskin, Osprey und Vaude. Evoc treibt das Taschen-Management zur Perfektion. Besser organisiert ist nicht einmal die Fußball-Nationalmannschaft. Dem Deuter fehlt zwar ein separates Bodenfach, dafür lässt sich das Hauptfach so weit aufklappen, dass es auch bis in den letzten Winkel leicht zugänglich ist. Ausreichend Platz für eine Woche in den Alpen bieten laut Herstellerangaben zwar alle Modelle. Bei Dakine und Jack Wolfskin wird es aber eng. Mehr als 24, beziehungsweise 23 Liter Packvolumen konnten wir in den beiden Modellen beim Auslitern beim besten Willen nicht unterbringen. Verzicht statt Völlerei ist hier angesagt. Setzt man das Rucksackgewicht mit dem Packvolumen ins Verhältnis, stechen drei Modelle besonders hervor: Osprey und Vaude verwenden sehr leichte Materialen, was sich natürlich positiv aufs Gewicht auswirkt. Der AMS von Cube fällt hier allein schon durch sein riesiges Volumen aus dem Rahmen. Bei Deuter drücken solide Materialien und der integrierte Protektor auf die Waage. Zwischen dem leichtesten und dem schwersten Modell liegen ganze 862 Gramm – eine Welt in dieser Kategorie. Wobei man bei Deuter bei Bedarf die Rückenplatte weglassen und 300 Gramm sparen könnte.

Die Alpen überqueren heißt verzichten. Unverzichtbar ist jedoch ein hoher Tragekomfort. Das ist der erste Punkt, den man beim Rucksackkauf abklären sollte. Passt das Rückensystem nicht zum Träger, sind Schmerzen spätestens nach ein paar Tagen im Sattel vorprogrammiert. Im Laden sollte man den Rucksack daher immer mit dem angepeilten Gewicht Probe tragen. Ein Kletterseil eignet sich hier gut als Testgewicht.

Hüftgurt, Brustgurt und Schultergurt – umfangreich einstellen lassen sich alle Modelle im Test. Cube, Deuter, Evoc, Osprey und Vaude können zudem über eine Lageverstellung an den Schultern kompakter an den Rücken geholt werden – etwa für technische Abfahrten. Bei drei Modellen lässt sich sogar die Rückenlänge individuell anpassen. Ein großer Vorteil, weil sich Ergon, Osprey und Vaude so immer richtig auf den Hüftknochen platzieren lassen. Auf ihnen sollte in der Regel auch das meiste Gewichte lasten – die Schultergurte halten den Packsack lediglich in Position. Breite Hüftgurte sollten bei Rucksäcken dieser Größenordnung sowieso zur Grundausstattung gehören. Sie stabilisieren die schwere Last und sorgen dafür, dass man am Ende der Abfahrt sein Gepäck nicht plötzlich am Bauch trägt.

Übrigens: Als Hannibal nach 16 Tagen auf der Nordseite der Alpen anlangte, hatte er nur noch einen seiner 37 Elefanten – und vermutlich keine Wechselklamotten mehr.
Mit dem richtigen Bike-Rucksack schleppen Sie Ihr Gepäck zwar immer noch selbst über die Berge, kommen dafür aber auch garantiert entspannter am Ziel Ihrer Reise an.


...

In einigen unserer Auftritte verwenden wir sogenannte Affiliate Links. Diese sind mit Sternchen (*) gekennzeichnet. Wenn Sie auf so einen Affiliate-Link klicken und über diesen Link einkaufen, erhalten wir von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter (wie z.B. Rose oder Amazon) eine Provision. Für Sie verändert sich der Preis dadurch nicht.

  • 1
    Test Mountainbike Touren-Rucksäcke
    Transalp-tauglich: 9 MTB-Rucksäcke für die große Tour
  • 2
    Richtiges Taschen-Management
    MTB-Rucksack richtig packen
  • 3
    Sinnvolle Detaillösungen von MTB-Rucksäcken
    Clever & Smart: Das sollte ein guter Transalp-Rucksack haben
  • 4
    Test: Mountainbike-Rucksäcke für lange Touren
    Interview mit Touren-Guide Peter Brodschelm
  • 5
    9 MTB-Rucksäcke im Vergleich: Die Testergebnisse
    DIE TESTERGEBNISSE DER RUCKSÄCKE

Themen: AlpenüberquerungCubeDakineDeuterErgonEvocJack WolfskinOspreyRucksäckeShimanoTestTransalpVAUDE


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
  • Bike-Touren im Hochgebirge: Dolomiten, Karwendel, Ötztal
    Die 3 besten MTB-Hochtouren in den Alpen

    24.02.2017

  • Mountainbike Hochtouren: 10 Tipps für Body und Bike
    So machen Sie sich fit für MTB Touren im Hochgebirge

    06.03.2017

  • Radon Black Sin 29 8.0

    30.10.2012

  • Special: Transalp Tour-Planer 2011

    10.03.2011

  • Test 2018: BMC Speedfox 01
    BMC Speedfox 01 im Test

    23.01.2018

  • Test 2015 MTB Windwesten Damen: Adidas Infinity Wind Vest
    Damen-Windweste Adidas Infinity Wind Vest im Test

    07.12.2015

  • Trentino: Neue Trailsperrungen für Mountainbiker?
    Trentino: Rabbijoch und Montozzo-Scharte weiterhin frei

    02.02.2016

  • Test: Radhosen für Mountainbiker
    Komfortzone: Radhosen bis 150 Euro im großen Vergleich

    17.04.2019

  • Test 2015 Marathon-Fullys: GT Helion Carbon Pro
    GT Helion Carbon Pro im BIKE-Test

    25.02.2016

  • Test All Mountain Federgabeln 2015: Magura TS8 R 150 27,5"
    Magura TS8 R 150 DLO 27,5" im All Mountain Gabeltest

    01.09.2015

  • Hosen-Test 2013: MTB-Hosen und Shorts im Test
    Bike-Hosen: 38 Modelle im Praxistest

    19.07.2013