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Seite 1: Test Mountainbike-Beleuchtung

13 MTB-Lampen im Test: Welche leuchtet am besten?

  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 4 Jahren

Je kürzer die Tage, desto eher gerät die Bike-Tour zur Nachtfahrt. BIKE testete Lampen unter 200 Euro und verrät, ob sich Modelle mit integriertem Akku gegen Hochleistungsstrahler behaupten können.

BIKE-Redakteur Ludwig verzieht die Mundwinkel, als er die Lampe vom Tisch nimmt. Damit soll er Biken gehen? Genau, wir wollten wissen: Wie viel Licht braucht man zum sportlichen Biken wirklich? Müssen es die Highend Strahler mit externem Akku sein, oder tut es auch die günstige Kompaktklasse mit integrierter Energiequelle? Die kompakten Modelle in unserem Test sind so klein und leicht, dass sie permanent im Rucksack liegen dürfen und somit auf jeder Tour parat sind, falls es mal wieder später wird. Für die Leistungsklasse mit externem Akku haben wir aber auch nicht in die oberste Preiskategorie gegriffen: Als Limit haben wir 200 Euro gesetzt und dafür mindestens 1000 Lumen gefordert. Ab diesem Wert liefern die Leuchten auch für sportlichste Einsätze erfahrungsgemäß genügend Power.

Die Frage war also nicht nur: Wie groß sind die Unterschiede zwischen Kompakt- und Leistungsklasse? Sondern auch: Können die günstigen Modelle der Leistungsklasse mit der rund doppelt so teuren Edelkonkurrenz mithalten? Als Referenzmodell sollte der Sieger unseres letzten Tests herhalten: die 350 Euro teure Lupine Piko R 4SC.

Positiv überrascht waren wir auf unserer Test­runde von den leistungsstärksten Kompaktlampen. Die als "Funzeln" abgetanen Leichtgewichte erleuchteten den Trail hell genug, um ungehemmt über den Kurs zu flitzen – auch die Skepsis unseres Testpiloten Ludwig war schnell vertrieben. Zumindest den Modellen von Cateye, Light & Motion und Moon kann man echte Geländetauglichkeit attestieren. Die zusätzlichen Lumen der Leistungsklasse fallen hauptsächlich im direkten Vergleich und bei hohen Geschwindigkeiten ins Gewicht. Gelegentliche Trail-Ausflüge sind aber durchaus auch mit ordentlichen Kompaktleuchten möglich.

Diese Fahrrad-Lampen finden Sie im Test:


KOMPAKTKLASSE:
• Azonic Hoss
• Cateye Volt 800
• Knog Blinder Beam 300
• Lezyne Micro Drive XL (BIKE-TIPP: Preis/Leistung)
• Light & Motion Urban 800 (BIKE-TIPP: Kompaktklasse)
• Moon X-Power 780
• M-Wave Ultra 900
• Sigma Buster 600 HL


LEISTUNGSKLASSE (Referenz Lupine Piko):
• Cateye Volt 1600
• Lezyne Power Drive XL
• M-Wave Ultra 2500
Sigma Buster 2000 HL * (BIKE-TIPP: Testsieger)
• Spanninga Thor

Test 2017: Mountainbike Beleuchtung

14 Bilder

Je kürzer die Tage, desto eher gerät die Feierabend-Tour zur Nachtfahrt. BIKE testet 13 Lampen und verrät, ob sich kompakte Modelle mit integriertem Akku gegen Hochleistungsstrahler behaupten können.  Außerdem: 50 Euro oder 350 Euro – muss der Bike-Spaß nach Sonnenuntergang teuer sein?

Helm oder Lenker – Wo soll die Lampe hin?

Ob entspanntes Trail-Cruisen oder ängstliches Vorantasten, darüber entscheidet auch die Positionierung der Lampe. Für nächtliche Trail-Ausritte gehört die Lampe auf den Helm. Sitzt die Lampe am Lenker, werden Kurvenfahrten zum Blindflug, außerdem hüpft der Lichtkegel unruhig über jedes Hindernis. Neben einer soliden Halterung ist geringes Gewicht Voraussetzung für die Erleuchtung am Haupt. Ab 150 Gramm spürt man die Zusatzlast deutlich – ein Nachteil der Modelle mit integriertem Akku. Lampen mit externer Energiequelle tragen sich meist angenehmer und brauchen keine Kompromisse bei der Akku-Kapazität – hier verschwindet der Akku in der Regel im Rucksack.

Am Lenker müssen die Leuchten besonders fest sitzen, da hier Schläge intensiver ankommen und der Leuchtkegel sonst zum Flimmerkasten wird. Das stellt die Hersteller vor eine Gewissensfrage, denn Lampen ohne STVZO-Zulassung dürfen nicht als Fahrradbeleuchtung und somit auch nicht mit Lenkerhalterung verkauft werden. Die montierten Bänder werden meist als Universalhalterungen angepriesen – eine rechtliche Grauzone. Schwache Halterungen haben in unserem Praxistest einigen Lampen die Geländetauglichkeit geraubt. Die Azonic Hoss, die Knog Blinder und Sigmas Buster 600 quittierten Schläge mit einem nervig hüpfenden Leuchtkegel. Bei einigen Herstellern gibt es solidere Lenkerhalterungen aufgrund der rechtlichen Situation nur im Zubehörsortiment, z. B. bei Cateye und Sigma Sport.

Lux oder Lumen – was ist wichtiger?

Das oberste Kriterium für Bike-Beleuchtung heißt Helligkeit. Was simpel klingt, stellt den Käufer vor eine echte Herausforderung. Die Hersteller geben die Leuchtstärke in Lux oder Lumen an. Unser Test zeigt, dass beide Werte keinen eindeutigen Aufschluss über die tatsächliche Leuchtkraft geben. Besser eignet sich eine Kombination. Der Lichtstrom (Lumen) gibt dabei die gesamte Strahlungsleistung einer Lampe an, grob gesagt: Wie viel Licht gibt die Lampe ab? In Lux wird die Beleuchtungsstärke angegeben, also, wie viel Licht auf einer Fläche auftrifft. Eine Aussage über die Verteilung des Lichts fehlt. Zum Vergleich: Ein Laserpointer liefert 400000 Lux – als Wegweiser auf dem Rad ist er aber völlig unbrauchbar. In unserem Test haben wir deshalb zusätzlich die Lux-Werte im Außenbereich (zwei Meter links und rechts der Mitte, zehn Meter Entfernung) gemessen. Drastisches Beispiel für die Unklarheit einzelner Messwerte: Die M-Wave Ultra 900 liefert mittelmäßige 540 Lumen, mit einem Lux-Wert von 100 dis­tanziert sie ihre Kompaktkonkurrenten aber um Längen. Erst der Blick auf die Werte im Außenbereich und das Leuchtbild entlarvt die schmale und in der Praxis gewöhnungsbedürftige Spot-Beleuchtung. Heißt: Die Lux- und Lumen-Angaben werden erst zusammen mit dem Blick auf die Leuchtbilder aussagekräftig.

In vergangenen Tests war der Lumen-Schummel ein großes Thema. Insbesondere günstige Lampen konnten im Labor nicht die versprochene Leistung bringen. Im aktuellen Testfeld erreichten 10 von 14 Lampen die angegebenen Lumen-Werte und überschritten sie teils sogar markant. Lediglich die beiden Modelle von M-Wave verfehlten ihre Angaben drastisch. Die Ultra 2500 lieferte in der Ulbricht-Kugel magere 730 Lumen – statt der versprochenen 2500. Weniger deutlich, aber immer noch spürbar, fiel der Kraftmangel bei Spanninga und Azonic aus.

Dauer-Power: Wie lange hält der Akku der MTB-Lampen?

Auch die Akku-Laufzeiten können den Bike-Alltag gehörig vermiesen, denn die beste Lampe bringt nichts, wenn im entscheidenden Moment die Energie fehlt. Dabei bieten die Leuchten völlig unterschiedliche "Notlaufeigenschaften": Manche Fabrikate (Cateye 1600, M-Wave, Sigma 2000, Spanninga) lassen den Biker buchstäblich im Dunkeln stehen und schalten innerhalb von Sekunden von 100 auf Null. Das kann bei schneller Fahrt sogar gefährlich werden. Zwar haben diese Lampen eine Ladestandsanzeige, wenn die Lampe am Helm und der Akku im Rucksack sitzt, wird man diese allerdings kaum wahrnehmen. Andere Lampen dimmen nach der angegebenen Laufzeit deutlich ab und bieten dann noch Schonzeit auf Sparflamme. Die Azonic Hoss glüht z. B. noch ganze vier Stunden, bevor sie völlig abschaltet.


FAZIT von Florentin Vesenbeckh, BIKE Testredakteur: "Wer eine kompakte Lampe für den Alltag sucht, ist mit den Top-Modellen unserer Kompaktklasse sehr gut bedient – sie sind so klein und leicht, dass man sie ständig im Rucksack mittragen kann. Einziger Wermutstropfen: die relativ geringe Akku-Laufzeit. Wer gerne nachts im Gelände biket, wird zu einem Spezialisten greifen. Sigma Sport bietet mit der Buster 2000 HL einen sehr lichtstarken Begleiter zum fairen Preis. Die Unterschiede zur teureren Referenz Lupine Piko liegen nicht in der Lichtleistung, vielmehr in Detaillösungen, Verarbeitung, Handling und Gewicht. Wer wesentlich günstiger davonkommen will, muss deutliche Abstriche bei der Leistung in Kauf nehmen. Immerhin liefern M-Wave und Spanninga sehr starke Akku-Laufzeiten."

Georg Grieshaber BIKE-Redakteur Florentin Vesenbeckh


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