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Vergleich: Womit navigieren Biker am besten?

GPS-Navigation: Apps besser als Fahrrad-Navis?

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mit Active Routing versprechen GPS-Hersteller Navigation wie im Auto. Ziel eingeben und los. Wie viel Fahrspaß bringt die automatische Routenberechnung für Biker? Ein Selbstversuch.


"Bitte wenden", fleht das Display meines GPS-Geräts jetzt schon seit Minuten, und dabei piepst es wirklich hundserbärmlich.

Als wolle es mir sagen: genug jetzt! Mir reicht’s von dem Gerüttel über hol­­prige Trails. Dabei sollte mich mein Navi eigentlich auf dem schönsten Weg von München raus nach Schäftlarn lotsen. Doch unsere Vorstellung von schön geht offenbar weit auseinander. Während das GPS-Gerät gerne gemütlich auf Schotter- und Radwegen dahingleiten möchte, suche ich lieber den direkteren Weg zwischen zwei Punkten, auf möglichst engen Pfaden und Trails. Die Hersteller versprechen mit Active Routing das Seelenheil für planungsfaule Mountainbiker. Einfach ein Ziel eingeben, und schon errechnet die Software mit Hilfe vektorisierter Karten den Weg. So wie im Auto. Kein lästiges Stöbern in Online-Portalen, keine aufwändige Planung an der PC-Software. Klingt verlockend, oder? Doch wie gut funktioniert die Routenführung in der Praxis wirklich, und können die GPS-Geräte tatsächlich unseren Trail-Hunger stillen?

Der Weg zur Tour ist kinderleicht. Gerade eben noch habe ich mit vorfreudigem Kribbeln dem smarten Lotsen mein Fahrerprofil eingebläut: Mountainbiken, bitte! Hauptstraßen und Radwege vermeiden und so viele unbefestigte Wege wie möglich. Verständnisvoll piepst das Gerät, als wolle es meine Wünsche abnicken, und keine zwei Minuten später kann ich aus drei Routenvorschlägen auswählen. Das geht ja flott, staune ich, entscheide mich für Vorschlag Nummer eins, starte die Aufzeichnung und rolle los.

Active Routing für Mountainbiker ist nicht ganz neu. Schon vor einigen Jahren kam Falk mit einem Routing-fähigen Gerät auf den Markt. Durch Eingabe eines Fahrerprofils und der gewünschten Touren-Länge errechnete der Tiger bis zu drei Rund-Tour-Vorschläge. Die Erlösung für so manchen Biker, der sich bisher als Gefangener seiner eigenen Hausrunde sah. Neues entdecken, ohne die Angst im Nacken, den Weg zurück zur eigenen Haustür nicht mehr zu finden – da öffnete sich auf einmal eine völlig neue Welt. Falk ist inzwischen pleite, doch das Konzept führen andere Hersteller fort. Garmin hat das Routing per Zieleingabe inzwischen im Angebot, und auch Teasi lockt mit einem preiswerten Gerät, das Biker eigenständig ans Ziel lotst. Zudem finden Smartphone-Besitzer in den App-Stores gleich mehrere Anwendungen, die das Active Routing beherrschen. Eine der beliebtesten ist Komoot, mit mehr als einer Million Downloads.

Die Basis für die automatische Zielführung ist immer dieselbe: Eine Vektorkarte enthält die Informationen, aus denen sich mit der entsprechenden Software eine Route errechnen lässt. Garmin, Komoot und Teasi nutzen hierfür das kostenlose Open-Street-Maps-Material, das jeweils an die entsprechenden Bedürfnisse angepasst wurde. Bei Garmin und Teasi ist das Kartenmaterial bereits auf dem Speicher installiert. Von Komoot erhält man mit der Anmeldung die erste Region kostenlos. Um weitere Gebiete offline freizuschalten und die Navigation darauf zu ermöglichen, müssen Kartenausschnitte dazugekauft werden. Am besten greift man gleich zum weltweiten Kartenmaterial samt lebenslanger Updates. Das gibt es für 30 Euro – ein ziemlich faires Angebot, wie wir finden.

In 150 Metern rechts Richtung Wolfratshauser Straße, signalisiert das Display meines GPS-Geräts, und um die Ansage noch mal zu untermauern, schickt das Navi einen unüberhörbaren Piepser hinterher. Weiter geht es auf die alte Isartalbahn-Trasse und dann links rüber zur "Selbstmörderbrücke". Scheint, als würde mich das Gerät auf direktem Weg in Richtung Isar lotsen. So weit, so gut. Gleich ist es so weit, und ich kann direkt rechts in den Trail einbiegen. Ich zucke schon nervös am Lenker, doch das Navi schickt mich weiter geradeaus. Verstehe: Es möchte erst noch über die Brücke und dann auf die Trails am Ostufer der Isar. Soll mir auch recht sein. Doch auch auf der anderen Seite macht mein Lotse keine Anstalten, endlich vom Hauptweg abzubiegen, sondern führt mich stur geradeaus auf den Radweg Richtung Grünwald. Etwas gereizt zoome ich aus der Karte heraus. Wie mit dem Lineal gezogen verläuft die Route weiter Richtung Schäftlarn – ich ahne schon, was auf mich zukommt. Also nehme ich mein Schicksal selbst in die Hand und schwenke beim nächst besten Pfad spontan rechts weg. Eine Wohltat, wie die Wurzeln endlich meinen Rücken wie kleine Stromstöße durchzucken. Doch schon wenige Sekunden später reißt mich das Navi laut piepsend aus meiner Ekstase. Es hat ruckzuck die Route neu berechnet und nach einer schnellen Links-rechts-Kombination rolle ich wieder rückenschonend auf dem breiten Schotterband in Richtung Süden. Was ist da los? Laut Karte müsste mein elektronischer Führer doch sämtliche Trails der Gegend kennen. Will er mich nicht überfordern? Oder will er sich nicht überfordern? Als ich kurz darauf beim Bruckenfischer einrolle, verzeichnet das Trail-Barometer kaum mehr als ein paar winzige Ausschläge. Ernüchtert nippe ich an meiner Saftschorle und starte den Rückweg mit dem Navi im Rucksack – ausgeschaltet.

Auch die übrigen Testfahrten über unbekanntes Gelände verlaufen ähnlich: viel Schotter, hin und wieder ein kurzes Stück Radweg und in guten Momenten ein kleiner Schlenker auf leichte Trail-Passagen. Bisher ist Active Routing wohl eher ein nettes Hilfsmittel, um entspannt von A nach B zu kommen. Nichts für Biker, die den Kick auf verwinkelten Pfaden suchen. Doch wer weiß: Vielleicht werden wir ja schon bald lautstark piepsend ermahnt, wenn wir mal gemütlich den Schotterweg entlangrollen und mit dem Hinweis "bitte wenden" zurück auf den Trail geschickt.


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