Enduro World Series 2018 #1 Chile: Rennbericht

Hill und Ravanel gewinnen EWS-Auftakt in Chile

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

Der Auftakt der Enduro World Series hätte spektakulärer nicht sein können. Unter den wachsamen Augen kreisender Kondore focht die Enduro-MTB-Elite in Chile das erste Rennen der Saison aus.

Nach einem halben Jahr Pause ist die Enduro World Series wieder da. Und das Eröffnungsrennen der EWS in Lo Barnechea in den chilenischen Anden geizte wahrlich nicht mit Highlights. Im tiefen Staub und auf losem Schotter fanden die Reifen kaum Grip, spitze Felsen wurden nicht nur einigen Reifen, sondern auch so mancher Felge zum Verhängnis während sich vor den Fahrern das großartige Panorama der Anden ausbreitete. Plus die längste EWS-Stage, die der Enduro-Rennzirkus je gesehen hat und das auch noch in der chilenischen Höhenluft, die das Atmen ohnehin schon deutlich erschwerte.

Richie Rude ist zurück – Sam Hill geht nach Tag 1 in Führung


Schon mit der ersten Stage dieses Jahr folgte das erste große Ausrufezeichen. Richie Rude ist zurück. Der Amerikaner holte den ersten Stagesieg dieses Jahr und ging damit in Führung liegend ins weitere Rennen. Auf Platz zwei folgte aber bereits EWS-Champ Sam Hill mit nur einer Sekunde Rückstand. Und auf der zweiten Stage konnte dann Hill seine Downhill-Qualitäten und seine überlegene Erfahrung ausspielen. Niemand konnte ihm hier Paroli bieten. Und zwar auf der mit elf Kilometern nominell längsten Wertungsprüfung, die die EWS je gesehen hat. Mehr als acht Sekunden gewann Sam Hill hier auf den Zweitplatzierten, Young Gun Adrien Dailly, der damit jedoch ebenfalls für dieses Jahr Großes erahnen lässt.

Ines Thoma hatte in Chile Probleme mit dem Material, konnte sich aber trotzdem gut halten und verlor erst auf der letzten Stage massig Zeit. Platz neun ist am Ende dafür trotzdem noch ganz in Ordnung.


Mit einem zweiten Platz auf der mit fünf Minuten recht kurzen dritten Stage konnte Sam Hill mit einer deutlichen Führung von 19 Sekunden nach dem ersten Tag durchaus mit sich zufrieden sein. Kein Sieg, denn der ist in Chile bis zur Ziellinie nie sicher, aber immerhin ein guter Anfang. Pech hatte dagegen Richie Rude. Zwar schlug er sich auch auf Stage drei gut und daran sollte sich auch bis zum Ende des Rennens nichts mehr ändern, doch die mörderisch lange Stage zwei machte seinem Vorderreifen den Garaus und seine Chancen auf eine Podiumsplatzierung an diesem Wochenende zunichte.

Cecile Ravanel nicht zu schlagen


Bei den Damen begann die EWS 2018 so wie sie 2017 aufgehört hatte. Cecile Ravanel ist und bleibt die unangefochtene Königin des Enduro-Rennsports (also so lange Tracey Moseley sich von der Strecke fernhält). Sie konnte jede einzelne Stage gewinnen. Fitness, Fahrkönnen und eine gehörige Prise Mut haben die Französin bisher über jedes Hindernis hinweggehoben, auf der langen Stage zwei konnte sie fast 30 Sekunden Vorsprung auf die Zweitplatzierte Isabeau Courdurier herausfahren.

Wie 2017 so 2018. Sam Hill ist der Mann, den es zu schlagen gilt. Der Downhill-Profi hat im Winter offensichtlich auch fleißig die Fitness trainiert und holt jetzt auf fast jeder längeren Stage den Sieg.


Auch Courdurier zeigte sich jedoch stark, im ersten Rennen nach dem Wechsel ihres Hauptsponsors – sie wechselte zu Intense, nachdem Sunn sein gesamtes Rennengagement Ende letzten Jahres aufgegeben hattte. Das neue Bike scheint ihr zu liegen. Wie gewohnt fuhr sie konstant sehr schnell und holte am ersten Tag zwei zweite und einen dritten Platz, während sich die Schottin Katy Winton sich mit Platz drei begnügen musste.

Tag zwei: Martin Maes holt ersten Tagessieg


Am zweiten Tag gab es zunächst im Damen- als auch im Herren-Rennen eine kleine Überraschung. Ausgerechnet die Favoriten Hill und Ravanel konnten beide die vierte Stage des Wochenendes nicht gewinnen. Cecile Ravanel hatte wohl ein mechanisches Problem, bei den Herren fuhr Martin Maes einfach in einer anderen Liga. Der Belgier pushte das Tempo auf jedem Zentimeter der vierten Stage und konnte damit selbst auf Sam Hill elf Sekunden Abstand herausfahren, der auf Platz zwei den Rest des Feldes anführte. Bei den Damen nutzte Isabeau Courdurier die Gelegenheit und sicherte sich den einzigen Sieg des gesamten Rennens, der am Ende nicht an Cecile Ravanel gehen sollte.

Greg Callaghan zog sich bei einem Crash auf Stage zwei eine Verletzung des Knöchels zu. Er konnte das Rennen aber beenden und wurde immerhin 23..


Denn auch über die letzten zwei Stages war Ravanel wieder nicht zu schlagen. Stramme sechs Sekunden schenkte sie ihrer Landsfrau Courdurier auf Stage fünf ein, auf Stage sechs war Katy Winton die zweitschnellste Fahrerin, musste sich aber mit wiederum 30 Sekunden Rückstand deutlich hinter Courdurier einreihen. Da nützte der Konkurrenz auch Ravanels verhältnismäßig schlechtes Ergebnis von Stage vier nichts, sie gewann das erste EWS-Rennen 2018 trotzdem mit über 47 Sekunden Vorsprung. Die Deutsche Ines Thoma wurde in Chile Neunte.


Bei den Männern machte Sam Hill mit zwei Siegen auf den letzten beiden Stages ebenfalls klar, dass er seinen Titel 2018 hart verteidigen wird. Sicherlich lag ihm die rutschige, staubige Strecke mit den zahlreichen Rockgardens in Chile, doch der Downhill-Champ gibt immer 110 Prozent und bleibt trotzdem auch dann noch auf dem Bike, wenn andere schon längst in einem spektakulären High-Sider davongeflogen wären. Linienwahl und aggressiver Style waren auch in Chile wieder typisch Sam Hill, wie das kurze Video oben zeigt. Der Australier sucht noch nach der Konkurrenz, die ihn wirklich schlagen kann.

Das Podium der Damen: Isabeau Courdurier, Cecile Ravanel und Katy Winton (von links).

Martin Maes holt Platz zwei, Gusti Wildhaber Vierter


Der Belgier Martin Maes holte auf einem Prototypen GT-Carbon-Enduro den zweiten Platz in Chile. Von seiner Schulterverletzung scheint er sich endgültig erholt zu haben, mit ihm wird 2018 wieder zu rechnen sein. Ebenso wie mit Adrien Dailly, dem nur ein heftiger Platten einen Strich durch die Rechnung machte. Gleiches gilt für Richie Rude. Robin Wallner fuhr mit Platz drei am Ende das beste Ergebnis seiner Karriere ein und Gustav „Gusti“ Wildhaber holte mit Platz vier ebenfalls das beste Ergebnis seiner Karriere. Jesse Melamed fuhr auf Platz fünf. Es scheint also, als drängt eine neue Enduro-Elite an die Spitze der EWS, wir sind gespannt wie es in einer Woche in Kolumbien ausgeht.

Das Podium der Herren: Martin Maes, Sam Hill und Robin Wallner (von links).

Alle Ergebnisse zum ersten Rennen der Enduro World Series 2018 gibt's auf der Website der EWS.

EWS #1 2018 Chile Lo Barnechea

15 Bilder

Themen: 2018Cecile RavanelEnduro World SeriesRennenRichie RudeSam Hill


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