Online-Umfrage: MTB-Trailparks

Trailparks: Zukunft des Mountainbike-Sports?

  • Sebastian Brust
 • Publiziert vor 4 Jahren

Trailparks, auch Trailcenter genannt, sollen die ideale Lösung für Biker, Regionen und Umwelt sein. Trotzdem gibt es nur sehr wenige in Deutschland. Warum nur? Und: Wird es in Zukunft mehr geben?

Es scheint wie eine Ideallösung: schmale Wege, nur für Mountainbiker freigegeben, wenig Gefälle, dafür maximaler Spaßfaktor und für Biker aller Könnerstufen geeignet. Trailparks, auch Trailcenter genannt, werden als aktueller Trend im Mountainbike-Sport gehandelt. Geboren wurde die Idee von künstlich angelegten, ausgeschilderten Trails ohne Liftunterstützung in den schottischen Highlands. So lockten dort auch abgelegene Regionen Biker von weit her.

Kein Lift, kein Shuttle – aus eigener Kraft hoch und auf spaßigen Abfahrten runter. Das Prinzip von Trailparks oder Trailcentern scheint für immer mehr Regionen interessant.

Warum sich das Trailpark- beziehungsweise Trailcenter-Konzept in Deutschland noch nicht durchgesetzt hat, ist schwer zu sagen. Die Vorteile sind einleuchtend: Trailparks mit niederschwelligen Einsteigerangeboten rücken den Mountainbike-Sport weiter ins Bewusstsein der Bevölkerung und helfen so, mehr MensSebastianchen aufs Bike zu bringen. Mit eigenen Wegen kann man Mountainbiker kanalisieren und somit das Konfliktpotenzial zwischen Bikern und Wanderern auf öffentlichen Wegen reduzieren. Außerdem reichen schon wenige Höhenmeter, die Region wird touristisch attraktiver und das Beste: Man braucht keine teure, landschaft­verschandelnde Liftanlage wie etwa der klassische Bikepark.

Trailpark-Ausbau läuft zögerlich an

Im Prinzip ließen sich also solche Trailparks nahezu überall in Deutschland umsetzen – insbesondere in den Mittelgebirgen. Und doch gibt es in Deutschland nur einen einzigen kommerziellen Trailpark am Rabenberg, dessen Nutzung Eintritt kostet. Mit dem Trailpark Winterberg und dem Trailground Brilon bietet das Hochsauerland zwei kostenfrei nutzbare Trailparks. Und es tut sich was: Im oberen Altmühltal soll der größte Trailpark Deutschlands entstehen, und auch andernorts wird geplant.

Trail „Stone Garden” am Rabenberg.

Doch warum läuft der Ausbau bei uns bisher so zögerlich? Haben wir im dicht besiedelten Deutschland ein Platzproblem, um Wege nur für Biker unterzukriegen? Mangelt es an engagierten Trailbauern, die das nötige Knowhow für spaßige Wegeplanung mitbringen? Oder fehlen vielleicht kooperative Kommunalpolitiker, die Mountainbiker in ihrer Gemeinde unterstützen können oder wollen? Denn so ein Wegenetz muss nicht nur gewünscht sein, sondern auch vernünftig geplant, dann genehmigt und eben auch bezahlt werden.

Die Trail-Kilometer rechtfertigen kein Bikeverbot

Bei der Planung und der Genehmigung eines Trailparks sind etliche Hürden zu überwinden, denn Vorurteile und Vorbehalte halten sich bei Mountainbike-Gegnern hartnäckig. Doch auch aus den eigenen Reihen kommt Kritik. So mancher Biker sieht im Trailpark-Konzept die Gefahr einer Ghettoisierung von Mountainbikern und das Risiko, dass wenige freigegebene Trail-Kilometer als Rechtfertigung für pauschale Wegesperrungen, wie die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg, missbraucht werden. Getreu dem Motto: "Ihr habt doch extra Mountainbike-Wege".

Heiko Mittelstädt, Projektleiter Open Trails bei der DIMB (Deutsche Initiative Mountain Bike e. V.), kennt das Problem im Zusammenhang mit ausgeschilderten Mountainbike-Streckennetzen nur zu gut. "In Regionen, in denen das Betretungsrecht restriktiv ist, beobachten wir, dass die Politik meint, dass man mit wenigen ausgewiesenen Strecken ein ausreichendes Angebot geschaffen hat und eine Liberalisierung der gesetzlichen Regel nicht mehr notwendig sei", schreibt Mittelstädt in der aktuellen Ausgabe des DIMB-Mitgliedermagazins "Trail News" und ergänzt: "Angebote, die dazu führen, Bikeverbote zu begründen und zu erhalten, lehnt die DIMB daher ab."

Dann nämlich nutzten auch Trailparks oder Trailcenter zwar vielleicht dem regionalen Tourismus, aber nicht unbedingt dem lokalen Mountainbiker. Der möchte seine Touren nämlich gerne individuell planen und auch außerhalb von reglementierten Streckennetzen fahren, am besten von der Haustür aus – legal, natürlich.

Ihre Meinung ist gefragt

Und was halten Sie von den extra für Mountainbiker angelegten Strecken? Sind Sie vom Trailpark-Konzept überzeugt, und sollte es mehr davon geben?

Stimmen Sie einfach online ab und diskutieren Sie in den Kommentaren. Wir sind gespannt!

Themen: BIKE 10/2016Trailpark / TrailcenterUmfrage


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