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Kultstätten des Bikesports: Durango

USA-Roadtrip zu den MTB-Kultstätten: Durango

Henri Lesewitz am 20.09.2011

Reporter Henri Lesewitz pilgerte drei Wochen durch die USA zu den Kultstätten des Mountainbikens. Teil 3: Durango – das winzige Kaff mit der riesigen Dichte an Superstars. Warum eigentlich?

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Fotostrecke: USA: MTB-Roadtrip Durango

Die Stadt

Durango ist eine Stadt mit knapp 15000 Einwohnern in Colorado. Sie liegt am Fuße der südlichen Ausläufer der Rocky Mountains auf etwa 1900 Meter Höhe, was das Atmen bei Anstrengung beschwerlich macht. Kaum zu glauben, dass 1990 ausgerechnet hier die erste Weltmeisterschaft der Mountainbike-Geschichte ausgetragen wurde. Die Titelkämpfe haben die Stadt in der Bike-Szene berühmt gemacht und in den Neunzigern eine wahre Umzugswelle Richtung Durango ausgelöst. In keiner anderen Stadt der Welt lebten und leben mehr Mountainbike-Promis und Weltmeister. Aktuell sind es unter anderem Missy Giove, John Tomac, Greg Herbold, Ned Overend, Ruthie Mattes, Jimmy Deaton, Myles Rockwell, Travis Brown, Todd Wels und Elke Brutsaert. Kein Wunder, schließlich sind auch die Trails der Region sagenumwoben. Jedes Jahr werden es mehr. Mit “Trails 2000” gibt es in Durango eine Organisation von Wegebauern, die sich mit voller Hingabe ihrer Leidenschaft widmet. Durango besitzt eine perfekte Infrastruktur an Hotels, Motels und Camping-Parks. Allgemeine Informationen: www.durango.org

Beste Reisezeit

Beste Reisezeit ist von April bis Oktober. Im angrenzenden Hochgebirge kann bis Ende Juni Schnee liegen. Die Trails in den unteren Höhenlagen sind da aber bereits komplett fahrbar. Die Temperaturen sind selbst im Sommer angenehm und nie zu heiß. Im Frühjahr schneit es aber gerne mal von einer Stunde auf die andere.

Anreise

Durango liegt abseits der großen Flughäfen. Ohne Mietauto geht gar nichts. Am besten steigt man in Denver aus dem Flieger. Etwa sechs Stunden dauert die Anfahrt mit dem Auto. Wer von Moab aus kommt, muss drei Stunden Autofahrt rechnen, ist aber vorher schon sechs Stunden lang von Denver nach Moab gefahren. Von Deutschland aus kostet ein Flug zwischen 800 und 1000 Euro, für das Mountainbike werden noch mal 300 Euro fällig. Reporter Lesewitz flog nach seinem Roadtrip durch Kalifornien von San Francisco aus nach Denver und fuhr weiter nach Moab. Der Inlandsflug war im Gesamtflugpreis Deutschland/USA inbegriffen. Für den Radtransport verlangte die Fluggesellschaft aber 150 Dollar, also etwa 120 Euro. Achtung: Durango selbst verfügt auch über einen kleinen Flughafen. Er wird aber nur von winzigen Maschinen angeflogen, die oft keinen Platz haben für Mountainbikes.

Mietauto

Mietautos sind in den USA verhältnismäßig günstig, geräumige Autos gibt es ab 300 Euro die Woche. Am besten das volle Versicherungspaket buchen. Das spart im Schadensfall Ärger.

Unterkunft

Durango ist ein Touristenort und verfügt über eine riesige Betten-Kapazität, doch an den Wochenenden und während der Ferien werden die Zimmer schon mal knapp. Deshalb sollte man in jedem Fall schon vor dem Abflug buchen. Zimmer gibt es ab etwa 40 Euro/Nacht. Berechnet wird nach Zimmer und nicht nach Person, weswegen sich der Preis quasi halbiert, wenn man zu zweit im Zimmer ist. Frühstück gibt es meist nicht im Hotel. Und wenn doch, dann handelt es sich fast immer um Toast und Filterkaffee. Wer es stilvoll bevorzugt und nicht auf den Dollar schauen muss, steigt im kultigen Westernhotel Strater ab, www.strater.com

Alle anderen buchen ganz normal über Hotelportale im Internet. Zum Beispiel auf www.trivago.de, www.expedia.de, oder www.hotel.de

Bike-Shops in Durango

Das Mekka der Mountainbike-Szene ist natürlich voll von kultigen Shops, in denen man Räder mieten, Teile und Karten kaufen, oder Touren buchen kann.

Hier sollte man unbedingt reinschauen:

Mountainbike Specialist

Die Eizelle der ersten Mountainbike-WM ist voll mit den originalen Trikots und Bikes berühmter Stars. Szene-Helden wie Ned Overend, Greg Herbold oder Jimmy Deaton schauen regelmäßig vorbei, www.mountainbikespecialists.com

Durango Cyclery

Ein Laden voller Lebensgefühl, schriller Klamotten und kultiger Bikes, www.durangocyclery.com

Hassle Free Shop

Alles was Biker brauchen, also Teile, Service, Karten und Leihräder, www.hasslefreesports.com

Geführte MTB-Touren in Durango

Spezielle Camps für Familien, Frauen, oder gemischte Gruppen: Durango Mountainbike Camp. www.durangomountainbikecamp.com Mehrtagestouren im nahen Hochgebirge von Durango, Tagestouren: www.mountainbikingholidays.net

Die Bike-Trails in Durango

Kaum ein Trail in Durango ist die Laune der Natur. Fast alle Trails sind Handarbeit. Man müsste eigentlich Handwerkskunst sagen, denn es ist schier unglaublich, mit welcher Perfektion die Wegebänder in die Landschaft modelliert worden. Auf jeder Seite der Stadt bilden die Trails multi-quadrat-kilometerlange Netze. Ein Menschenleben würde nicht ausreichen, jede Variante zu fahren. Im Overend Mountain Park, der direkt an die Stadt anschließt, ist der Steuersatz das am meisten beanspruchte Teil am Bike. Eine Kurve folgt der nächsten. Ein Irrsinns-Schlaraffenland. Generell braucht man keine Karte. Speziell das Trail-Netz am berühmten Telegraph Hill ist komplett ausgeschildert. Der kauf einer Karte kann nicht schaden. Die Trail Maps gibt es in jedem Shop für wenige Dollar. Gebaut haben die meisten Trails die Wegebauer von der Organisation Trails 2000. Ihre Homepage gibt einen guten Überblick über die Strecken: www.trails2000.org

Das perfekte Durango-Bike / Ausrüstung

Die Trails rund um Durango sind recht sanft zum Material. Ein Hardtail reicht völlig aus, ein gefedertes Heck kann aber nicht schaden. Wer Touren im Hochgebirge fahren will, muss sich dagegen auf raue Passagen einstellen. 140 bis 160 Millimeter Federweg sind hier durchaus nicht zu viel. Pflicht ist in jedem Fall ein Trinkrucksack. Ob auf den Trails rund um die Stadt, oder in den hohen Bergen: Es gibt selten die Möglichkeit, Wasser nachzufüllen. Werkzeug und Ersatzschläuche sollten ebenfalls zur Grundausstattung gehören. Das Handynetz in den Bergen ist übrigens äußerst dünn.

ALLGEMEINE TIPPS

Historische Bahnfahrt

Eine Fahrt mit der historischen Eisenbahn gehört zum absoluten Pflichtprogramm für Durango-Touristen. Die Dampflok mit den uralten Wagons schnauft einmal täglich die Strecke von Durango nach Silverton und zurück. Die Fahrt führt durch atemberaubende Canyons. Ein unvergessliches Erlebnis. www.durangotrain.com

Iron Horse Bicycle Race

Vor vierzig Jahren traten in Durango zum ersten Mal Radfahrer zu einer Wettfahrt gegen die historische Eisenbahn Richtung Silverton an. Das Rennen gehört zu den größten Kult-Veranstaltungen der Radszene. In den Achtzigern wurde erstmal eine Mountainbike-Kategorie eingeführt, aus der 1990 die erste Weltmeisterschaft der Mountainbike-Geschichte entstand. Die Iron Horse Bicycle Classic wird immer noch jedes Jahr im Mai ausgefahren. www.ironhorsebicycleclassic.com

Henri Lesewitz am 20.09.2011