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Darren Berrecloths Supertrail bei Salt Lake City

USA: Bearclaw Supertrail

  • Markus Greber
 • Publiziert vor 11 Jahren

Wenn Darren Berrecloth von einem Supertrail spricht, denkt man sofort an etwas extrem Genickbrechendes. Ganz falsch – Markus Greber war mit ihm bei Salt Lake City in Utah unterwegs.

Hoher Puls, flacher Atem – verdammt, ich dachte, ich sei fit. Aber diese paar Treppenstufen machen mir gerade richtig zu schaffen. “2515 m Seehöhe”, sagt das Schild am Hotel. Kein Wunder also, dass mir die Luft knapp wird.

Der traumhaft gelegene Ort Snowbird, unweit von Salt Lake City, ist eigentlich für seinen meterhohen Pulverschnee bekannt. Doch die Freeride-Pros Matt Hunter und Darren Berrecloth kommen auch gern im Sommer hierher. Wegen der legendären Trails. Darrens Lieblings-Trail darf ich nach ein paar Tagen Akklimatisation kennen lernen. Die Jungs holen mich mit einem Shuttle-Van im Hotel ab, dann geht’s die Cottonwood Canyon Road ins Nachbartal hinauf. Als wir Solitude erreichen, heißt es “aussteigen!” – und dann doch nicht. Die Schranke ist offen, wir können noch weiter rauffahren! Das ganz normale Chaos bei den Jungs. Aber ich bin natürlich froh, so habe ich später mehr Puste beim Abfahren. Also wieder aufsitzen, die Türen knallen und mich durchzuckt ein Schmerzblitz: Halt, Stopp! Mein Schrei lässt den Motor absterben. Mein Finger klemmt noch in der Fahrertür. Dank der Großzügigkeit der amerikanischen Autobauer, was das Spaltmaß betrifft, komme ich mit einer Fleischwunde am Mittelfinger davon. Verband drum, Handschuhe drüber, nicht mehr dran denken, rät Darren. Und der kennt sich mit Verletzungen ja nun wirklich aus.

Kurze Gerade mit tollem Blick, dann wieder feinste Kurven und Konzentration.

Irgendwann stoppt der Van und wir müssen unsere Enduros noch 300 Höhenmeter selbst rauftreten. Optisch würde ich hier oben auf Mittelgebirge tippen: anmutige Berge, sattgrüne Vegetation, milde Luft, zwitschernde Vögel. Doch wir befinden uns jetzt auf knapp 3000 Meter Höhe und die merkwürdigen Sträucher erinnern wieder daran, dass wir nicht im Schwarzwald sind, sondern in Utah. Bis zum Einstieg in den schönsten Trail der Region müssen wir die Bergflanken noch eine Weile queren. Doch allein der Weg dahin ist eine Augenweide: Wie von Zauberhand gemalt, kurvt der Trail mit uns durch kniehohes Gras. Ab und zu duckt er sich durch Sträucher oder kurvt um ein paar Baumgruppen. Der Blick auf Park City und den Big Cottonwood Canyon bleibt aber meist frei. Die 300 Höhenmeter, die sich in diesem Auf und Ab noch dazuaddieren, fahren dabei wie kleine Stromschläge in meine Oberschenkel. Geschafft. Vor uns liegt jetzt der heißeste Trail des Wasatch Range, ein Gebirgsarm im zentralen Utah, der noch zu den Rockies gehört.

Der Einstieg führt über einen kleinen Felskamm. Das rötliche Gestein sieht schroff aus, bröselt unter den Reifen aber erstaunlich leicht weg. Matt fährt voraus, Darren “the Claw” will hinter mir bleiben. Was für ein Sandwich. Ich mache mich auf eine Art Schusswechsel zwischen den beiden Pros gefasst. Irgendwo im Steilhang, mit senkrechten Stufen, direkt über dem Abgrund oder so. Aber nichts davon passiert.

Hier waren Profis am Werk, die ihr Trail-Bauerhandwerk als Kunst verstehen.

Schon auf den ersten Metern wird klar: Hier waren Profis am Werk, die ihr Trail-Bauerhandwerk als Kunst verstehen. Hier wurde sparsam mit den wertvollen Höhenmetern umgegangen. Kein höhevernichtendes Runterballern. Dieser Trail überlässt es dir, was du aus der Fahrt machst. Er streckt sich vor dir in die Bergflanken mit allen notwendigen Eckdaten, um aus dem Ritt ein Erlebnis zu machen, das du nie mehr vergisst. Du kannst einfach dahingleiten. Du kannst dem Trail aber auch eine sportliche Komponente geben: Schon ein paar beherzte Pedalumdrehungen genügen, um ungeheuer Speed aufzunehmen. Jetzt gleicht die Fahrt mehr einem Flug. Lautlos schießen wir durch diesen Parcours aus weißen Baumstämmen und bunten Gräsern. Die Farben vermischen sich, die Kurven werden jetzt enger, aber auch geschmeidiger. Du brauchst die Ideallinie, um mit mehr Speed die nächste Kehre anzufahren, aber keine Kurve gleicht der anderen.

Acht Kilometer Supertrail sind für Darren zwölf Minuten Flow-Spaß am Stück. Aber erst mal Landschaft gucken ...

Das ist die Herausforderung. Mit diesem Rhythmus sind auch die eingebauten Trail-Elemente voll beherrschbar. Und jede Sektion bringt wieder eine neue Überraschung mit sich. Zum Rechts- und Linksschauen bleibt da keine Zeit. Meine Augen kleben vielmehr an Matts Hinterrad und Darren höre ich hinter mir immer wieder vor Freude aufschreien. Stellenweise schließt sich über uns ein dichtes Dach aus Ästen und Blättern, links ein Busch: ausweichen. Rechts ein kleiner Drop: eh zu spät zum Bremsen, drüber! Was kommt als nächstes? Deine Augen gieren geradezu um die nächste Kurve. Dann der letzte Schwung: Ende. Acht Kilometer, zwölf Minuten Dauerfeuer. Darren hat Recht: ein echter Supertrail!


Die Beschreibung des Supertrails gibt's unten als PDF-Download.

Darren Berrecloths Supertrail in Snowbird, Utah.

Themen: BearclawBerreclothSalt Lake CitySupertrailUSAUtah

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