Transalp

Der Höhepunkt

Marc Schneider

 · 25.06.2021

Der HöhepunktFoto: Robert Niedring

Die Strecke der BIKE Transalp 2021 ist nicht nur für das Rennen da. Deswegen stellen wir die Alpencross-Route auch zum Nachfahren vor. Die vierte Etappe führt von Aprica nach Pellizzano.

Etappe 4: von Aprica nach Pellizzano

Das ist eine Königsetappe zum Zunge-Schnalzen. Es geht auf den höchsten Punkt dieser Transalp, hinauf auf die Forcella di Montozzo in schwindelerregende 2613 Meter Höhe. Doch zunächst liegt dieser Höhepunkt noch in weiter Ferne, wenn man sich von Aprica, auf 1200 Metern auf einer Passhöhe gelegen, ins wilde Hinterland verzieht. Es geht zunächst weiter hinauf, auf den Wald- und Wiesenbuckel, der das Valtellina, mit Tirano, von Edolo, links trennt. Bald verlässt man allerdings die kleine Straße, die seitlich zum berühmten Passo Mortirolo führt, und man schlägt sich auf ruppigen Wegen über Almwiesen und durch Wälder, schließlich über einen wilden Pfad durch bis Monno, dem Ort an der Mortirolo-Passstraße am Rande des Val Camonica. Jetzt ist die Talsohle bald erreicht und man startet die große Klettertour, die sich im Höhenprofil wie eine Banane zeigt. Zunächst führt der Talradweg noch vergleichsweise flach bis Ponte di Legno, dem letzten Ort im Val Camonica. Jetzt zieht die Steigung langsam an, bis der Asphalt verlassen wird und ein Almweg im steilen Wiesenhang hinauf klettert bis zum Rifugio Bozzi auf fast 2500 Metern Höhe. Zur Forcella hinauf muss man das Bike jetzt schieben. Oben angekommen wird man überrascht, denn das Gelände ist nicht schroff. Hinter der Scharte öffnet sich zunächst ein weites Hochtal, durch das der Weg zunächst flach hinausführt. Erst später, wenn der Lago di Pian Palu 500 Meter weiter unten türkis in der Sonne strahlt, zirkelt der Weg in Serpentinen durch einen steilen Hang hinab. Meist gut zu fahren warten auf dem Weg jetzt einige Schlüsselstellen, das sind Felsen und steinige Abschnitte, die ein Bergweg in dieser Höhe eben aufweisen kann. Mit etwas Voraussicht sind diese kurzen, nur wenige Meter langen Passagen, aber sicher zu bewältigen. Von der Staumauer führt nun ein Almweg hinauf zur Malga Giumella und ein Militärweg im Wald rüttelt einen auf dem Weg nach Peio, dem namensgebenden Dorf im Val di Peio, noch einmal durch. Bis schließlich ein flowiger Pfad im Wald die Abenteuersektion dieser Etappe im Ort Cogolo beschließt. Jetzt heißt es nur noch: Hinausrollen auf dem Radweg aus dem Val di Peio, dem Seitental, ins Val di Sole mit dem Zielort Pellizzano.

  Bei der Abfahrt von der Forcella di Montozzo sieht man den Lago di Pian Palu schon von weitem, später geht es hinunter bis zur Staumauer.Foto: Marc Schneider
Bei der Abfahrt von der Forcella di Montozzo sieht man den Lago di Pian Palu schon von weitem, später geht es hinunter bis zur Staumauer.

Hier kann man einkehren

Auf den ersten 35 Kilometern muss man sich selbst versorgen, aber wer in Monno ins Dorfzentrum schaut, findet bereits einige Lokale. Im weiteren Verlauf, auf der Strecke durch das Val Camonica, verhungert man in den Ortschaften Vezza d’Oglio, Temù oder Ponte di Legno nicht. Man muss nur etwas schauen und die Strecke kurz verlassen. In Case di Viso, dem letzten Vorposten der Zivilisation vor dem höchsten Punkt dieser Transalp, gibt es das Ristorante Ercavallo. Ein echter Tipp ist auch das Rifugio Bozzi, das auf fast 2500 Metern kurz vor der Forcella di Montozzo (2613 m) liegt.

  Das Rifugio Bozzi auf fast 2500 Metern unterhalb der Forcella di Montozzo.Foto: Facebook
Das Rifugio Bozzi auf fast 2500 Metern unterhalb der Forcella di Montozzo.

Abkürzungen/Varianten

Kurz vor dem Rifugio Bozzi zweigt rechts die Alta Via Camuna ab (Schilder: 102, 103 Ponte di Legno), ein toller hochalpiner Bergwiesenpfad, der bis zum Passo Tonale führt und schon mehrmals Teil der BIKE Transalp war. Das ist eine Top-Variante, die etwas kürzer und weniger abenteuerlich ist. Vom Passo Tonale führt der Weg links von der Hauptstraße über das Forte Strino, eine Festung aus dem 1. Weltkrieg, über Vermiglio nach Ossana und Pellizzano.

  Das Gelände an der Forcella di Montozzo ist nicht schroff.Foto: Marco Toniolo
Das Gelände an der Forcella di Montozzo ist nicht schroff.

Die Etappe als Kurztrip

Diese Etappe an einem Tag und zurück, das geht im Grunde nur mit Taxi (z.B. Taxi Pianazzi). Das gilt auch für alle, die für diese Strecke zwei Tage einplanen. Dabei würde man in Ponte di Legno übernachten.

Etappe als Teil einer Rundtour (2-3 Tage)

Nach dieser Etappe muss man vom Val di Sole zunächst hinauf zum Passo Tonale und zurück nach Ponte di Legno. Am Tonale gibt es einen Bikepark, in dem man nach Lust und Laune Zeit verbringen kann. Es gibt aber auch eine Freeride-Line (Pegrà Flowtrail), die gleich hinab nach Ponte di Legno führt. Von Ponte di Legno kann man hinauf zum Gavia-Pass klettern. Jetzt gibt es die Möglichkeit über extravagante Trails nach Santa Caterina Valfurva abzufahren, um kurz danach in Bormio den Start der 3. Etappe der BIKE Transalp 2021 zu erreichen. Wer am Gavia abkürzt, lässt Bormio rechts liegen und kommt über den ebenso aufregenden Passo dell'Alpe weiter unten im Valtellina heraus, um in der Mitte der dritten Etappe (Bormio-Aprica) bei Grosotto anzuknüpfen.

Wer von Ponte di Legno den Passo Mortirolo ansteuert, klettert weiter bis auf 2400 Meter Höhe und zirkelt die „Tornantissima“ hinab, das Spitzkehrenfestival der „5 Crazy Down“, der fünf Downhill-Trails im Valtellina. Die „Tornantissima“ spuckt einen in Grosio aus und man knüpft ebenfalls in der Mitte der dritten Etappe an.

  Auch bei der BIKE Transalp 2016 führte die Route im Norden des Adamello-Massivs entlang.Foto: Markus Greber
Auch bei der BIKE Transalp 2016 führte die Route im Norden des Adamello-Massivs entlang.

Marc Schneiders Tipp

Für die Strecke von Ponte di Legno über die Forcella di Montozzo sollte man etwas mehr Zeit einplanen. Zum einen bremst einen der hochalpinen Weg von vorne herein etwas aus, zum anderen ist die Landschaft Extraklasse und man darf ruhig den einen oder anderen Spot wirken lassen und Erinnerungsfotos schießen. Also, Puffer einplanen!

Die 4. Etappe der BIKE Transalp 2021 von Aprica nach Pellizzano: 98,9 Kilometer und 3267 Höhenmeter. Die GPS-Daten gibt's nach dem Rennen hier zum Download.

Und wer es sich doch noch überlegen will, bei der BIKE Transalp selbst dabei zu sein. Der Startschuss für die Maxxis BIKE Transalp wird zum 23. Mal fallen. Das steht fest! Vom 4. bis 10. Juli 2021 dürfen bis zu 1000 Sportler*innen aus mehr als 35 Nationen die Höhen und Tiefen der Alpen mit dem Mountainbike erleben. Details zum Rennen und Anmeldung: www.bike-transalp.de

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