MTB-Abenteuer Lappland Arctic Circle MTB-Abenteuer Lappland Arctic Circle

Winter-Biken in Lappland bei -25° Celsius

Frostschutz: Biken überm nördlichen Polarkreis

Stefan Loibl am 28.02.2018

Im Pallas-Yllästunturi Nationalpark in Lappland – 130 km nördlich des Polarkreises – werden Schnee-Trails für Mountainbiker gespurt. Wir zeigen, wie das aussieht und was man bei -25° Celsius anzieht.

-18° Celsius. Das ist die optimale Temperatur für Gefriertruhen. Doch was sich für Pizzen, Gemüse und Fisch perfekt zum Konservieren eignet, schreckt Mountainbiker bereits beim Lesen ab. Kann man bei solchen Bibber-Graden überhaupt noch richtig biken? Ja, kann man. In Lappland, dem äußersten Norden Finnlands, sind Temperaturen unterhalb der optimalen Gefriertruhen-Werte in den Wintermonaten die Regel. Die Menschen haben sich damit arrangiert: Sie fahren Spike-Reifen am Auto, tragen dicke Vollbärte und fahren das ganze Jahr über Fatbikes. Speziell die Region um Ylläs, die am Südende des etwa 120 Kilometer langen Pallas-Yllästunturi Nationalpark grenzt, hat für Biker einiges zu bieten. Erstmals wurden die Trails im Nationalpark im Sommer 2017 für Mountainbiker geöffnet. Im Winter werden bereits seit drei Jahren spezielle Schnee-Trails für Radfahrer gespurt. Wir haben uns Anfang Februar mit dem Neuseeländer Jamie Nicoll in die Winter-Hochburg westlich von Levi gewagt. Ein Bike-Abenteuer mit Nightrides bei -32° Celsius, die Jagd nach Nordlichtern und MTB-Material in Kältestarre. Ein Portrait über Jamie Nicoll lesen Sie in BIKE 4/2018 – ab 6. März am Kiosk. Unsere Fotogalerie gibt einen kleinen Vorgeschmack und Tipps, was man bei -25° Celsius im Sattel anzieht.

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Statt nach Kittilä zu fliegen, haben wir den Nachtzug von Helsinki nach Kolari genommen. Bei 14 Stunden Fahrzeit kann man sich optisch langsam an die Winterlandschaft gewöhnen. Vor allem für Jamie Nicoll war es eine extreme Umstellung, er reiste erst wenig Tage zuvor aus dem neuseeländischen Sommer an.

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Bei der Ankunft empfängt uns Timo, unser Begleiter für die nächsten Tage, mit der freudigen Botschaft: „-36,8 Grad hat mein Thermometer heute morgen angezeigt. Der kälteste Tag des Winters bisher.“ 

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Speziell an Wangen und Nase kann man sich im Fahrtwind blitzschnell Erfrierungen holen. Da hilft nur eine tief ins Gesicht gezogene Sturmhaube. Durch die Atemluft gefriert die allerdings schnell an den Bart.

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Ein echter Lappe, wie unser Guide Timo, trägt im Winter einen Vollbart. 

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Es gibt sogar spezielle Apps, die voraussagen, wie hoch die Chance ist, die berühmten Nordlichter zu sehen. Wir hatten bei unserem Nightride bei -32° Grad Glück. 

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Abseits der Bike-Trails versinkt man hüfttief im Pulverschnee.

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Die Sonne steht nördlich des Polarkreises tief. Sie geht Anfang Februar um 9:30 Uhr auf und um 15:30 Uhr unter.

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Von den Bäumen am Wegesrand sieht man meist kein grün und braun mehr. Sie stemmen sich wie Krieger aus Schnee gegen den Wind. 

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Eine von zahlreichen bewirtschafteten Hütten im Nationalpark Pallas-Yllästunturi. Das offene Feuer im Inneren nutzen Langläufer, Biker und Schneeschuhgeher, um sich bei einer Tasse Kaffee aufzuwärmen.

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Die freien Flächen, über die sich die Schnee-Trails ziehen, sind im Sommer unpassierbare Sumpf- und Moorlandschaften. 

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Der Sonnenuntergang dauert im hohen Norden sehr lange. Dabei rollt sich der Kälteteppich wieder über der Schneelandschaft aus.

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Sieben sogenannte „fjells“ türmen sich im Nationalpark Pallas-Yllästunturi auf. Die Trails führen meist nicht über die Gipfel der Bergkuppen, sondern an den Flanken entlang oder in den Tälern drumherum.

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Eine der Selbstversorger-Hütten im Nationalpark. Neben der Hütte steht ein Schuppen mit Brennholz und ein Häuschen mit Plumpsklo. 

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Speziell nach Schneefällen versperren umgestürzte Bäume die Trails. Kein Problem für Jamie, er bleibt gekonnt auf dem Bike. 

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Die Höhenmeter sammelt man meist auf leicht ansteigenden Pfaden, nie zu steil.

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Angenehm stürzen: Wer es bergab übertreibt, landet meist in trockenem, weichem Pulverschnee. Einmal schütteln und weiter geht's!

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Knapp 100 Kilometer gespurte Trails kann man rund um Ylläs mit dem Bike erkurbeln. Hier der Motorschlitten und der spezielle Anhänger, mit dem die Trails in den Schnee gezirkelt werden.

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Innen feurig warm, draußen unter -20° Celsius kalt. 

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Auch Rentiere nutzen die präparierten Pfade, um sich nicht durch den Pulverschnee wühlen zu müssen.

Biken bei -25° Celsius: Was zieht man an?

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Einfache Technik, breite 27,5 Zoll Plus-Reifen: Wir hatten das Chameleon von Santa Cruz dabei. Die Handwärmer nennt man Pogies, sie schützen die Finger vor Fahrtwind. Die 120-mm-Gabel hätten wir uns sparen können, sie funktionierte bei den Minusgraden sowieso nur störrisch oder gar nicht. 

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Was zieht man an, wenn das Thermometer -25° Celsius anzeigt? Wir hatten als Baselayer ein Kurzarm-Unterhemd und eine lange Merino-Unterwäsche von Mons Royale an. Dazu dicke Merino-Socken von Mons Royale. Darüber eine Softshell-Hose von Vaude (Virt Softshell Pants II) und eine Softshell-Jacke von Bioracer (Spitfire Tempest Protect Winter). 

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Federgabel, Bremsen und Schaltung funktionierten mal mehr, mal weniger gut bei diesen extremen Temperaturen. Doch alles in allem war das Alu-Hardtail für 2000 Euro ein solides Bike für den Trip.

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Handschuhe – schwieriges Thema: Entweder man fährt mit dicken Daunenfäustlingen oder mit warmen Winterhandschuhen in Kombination mit Pogies. Wir entschieden uns für einen Roeckl-Handschuh mit Outdry-Membran, was perfekt funktionierte. Für längere Pausen hatten wir dicke Primaloft-Fäustlinge im Rucksack.

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Sieht aus wie ein Snowboard-Boot, ist aber ein SPD-kompatibler Bike-Schuh: Der Wolfgar von 45NRTH hielt unsere Füße und Zehen selbst an den längsten und kältesten Tagen im Gelände warm. Wichtig: Die Schuhe sollten eine Nummer größer sein, als man normal trägt. So haben die Zehen mehr Platz und man friert nicht so schnell.

Stefan Loibl am 28.02.2018