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Italien: 4 Tage mit Bike und Kids durch die Dolomiten Italien: 4 Tage mit Bike und Kids durch die Dolomiten

Italien: Abenteuer-Familientour durch die Dolomiten

Experiment: 4 Tage mit Bike & Kids durch die Dolomiten

Holger Meyer am 26.08.2019

4 Tage durch die Dolomiten mit Kindern? Karen Eller und Holger Meyer haben das Abenteuer gewagt. Eine Tour mit vielen kleinen und großen Überraschungen, bei der tatsächlich alle auf ihre Kosten kamen.

Die Soldaten im Schützengraben schauen böse. Der Kommandant sitzt in einem Unterstand und telefoniert. Im Lazarettzelt liegen zwei Verletzte.

"So war das im Ersten Weltkrieg?", fragt Leni (12) mit großen Augen. Lois (9) dagegen macht sich mehr Gedanken über die zwei Verletzten. Werden sie wieder gesund? Das Museum zieht die beiden sichtlich in Bann. Es befindet sich direkt am Fuße der Cinque Torri mit Blick auf Sassongher, Lagazuoi und die Tofane von Cortina d’Ampezzo. Die untergehende Sonne taucht vier der Felstürme gerade in orangerotes Licht, der fünfte ist umgefallen. Normalerweise heißt es jetzt, schnell runter vom Berg. Sonst ist es finster. Heute aber ist noch ein bisschen Geschichte angesagt. Denn wir dürfen oben bleiben. Direkt neben dem Freiluft-Museum, auf der Scoiattoli-Hütte, haben wir unser Lager bezogen – auf unserer Dolomiten-Runde zusammen mit den Kindern.

Mit Kindern heißt: wenig quälende Höhenmeter, nicht zu technische Abfahrten und abends spannende Hüttenübernachtungen. Das bedeutet im Vorfeld mehr Planung. Was jedoch mit einem bleibenden Ferienerlebnis belohnt wird. Unsere Tour startet im Grödnertal. In Wolkenstein nehmen wir die Bahn zum Ciampinoi. Mit Blick auf den Langkofel schießen wir auf einem Forstweg Richtung Plan de Gralba. Die zwei neu gebauten Lines haben es unserem Neunjährigen gleich angetan. Auch unsere Zwölfjährige kann sich das Grinsen nicht verkneifen – und schon sitzen wir alle nochmals in der Seilbahn. Die Steilkurven der Jumpline sind perfekt geshapt, und die Sprünge kommen wie in einem Videospiel auf einen zu. Alle Versuche, Lois zu überholen, scheitern. Quietschvergnügt macht er die Ideallinie zu. Damit müssen sich die Eltern abfinden, wenn die Kinder am Gasgriff drehen. Auch für uns eine neue Erfahrung. Wann schreit man "Stopp!", wann lässt man sie fahren? Man will seinen Kindern keine Angst machen und ihnen die Unbeschwertheit nehmen. Aber man will natürlich auch nicht, dass sie ihre Ferien im Krankenhaus verbringen.

Italien: 4 Tage mit Bike und Kids durch die Dolomiten

Der Nachwuchs ist auf dem Sprung, da kommen Mama und Papa kaum hinterher. 

Nach ein paar Abfahrten ziehen wir weiter auf unserer Tour Richtung Grödner Joch. Unser Plan ist, einen Teil der berühmten Sella-Runde mitzunehmen. Man muss allerdings die richtige Richtung fahren, sonst hat man nicht nur mit erheblichen Höhenmetern, sondern auch zusätzlich noch mit Protest von Kinderseite zu rechnen. Wir machen alles richtig und fahren im Uhrzeigersinn. Auf einem Flowtrail geht es hinab bis in Gader-Tal und entspannt weiter auf dem Radweg nach Pedraces im Alta Badia. Hier müssen wir den letzten Sessellift erwischen, sonst heißt es hochstrampeln. Lois wird erst wieder locker, als wir im Vierersessel Richtung Heilig Kreuzkofel gleiten. Oben erwartet uns ein fantastischer Ausblick auf Marmolada und Sella, die Sonne geht langsam unter, und die Kirchenglocken der 500 Jahre alten Kapelle läuten zum Abendessen.

Gut ausgeschlafen verstauen wir am nächsten Morgen unsere Sachen wieder im Rucksack und rollen weiter. Heute geht die Route Richtung Falzarego. Wir winken dem Kreuzkofel über uns zu und kurbeln auf einem herrlichen Wanderweg durch verzauberte Lärchenwälder. Wenig später nehmen wir die Gondel auf den Piz Sorega. Während sich die Eltern ein Päuschen im Liegestuhl gönnen, nehmen die Kinder den Wasserspielpark unter die Lupe. Ein perfekter Moment der Entspannung. Aber ein kurzer. Denn die neu gebauten Bikepark-Strecken locken die Kinder bald wieder aufs Bike.

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Bergauf wird im Pulk gekurbelt. 

Am nächsten Tag: "Wie lange noch?" Das habe ich jetzt schon zum dritten Mal gehört. Karen übernimmt und schiebt das Rad von Lois, ich motiviere Leni: "Nur noch eine Kurve, dann sind wir oben".

Gestern Abend, von der Hütte aus, sah es gar nicht so steil aus. Ich kannte diese Passage schon von der BIKE-Transalp, aber der Schotteranstieg zum Rifugio Averau hat es trotz seiner wenigen Höhenmeter echt in sich. Oben angekommen ist alles Gemotze zum Glück schnell vergessen. Der Blick auf die weißen Gletscherflanken der Marmolada und die Aussicht auf eine lange, flowige Trail-Abfahrt durch den Edelweiß-Geröllhang hat sich über Nacht bei den Kinder ins Gehirn eingebrannt. Mir hatte sich über Nacht nur eingebrannt: Was, wenn da nun kein Edelweiß mehr ist? Nach ein paar Trail-Metern der erste Aufschrei. Oh nein, was ist passiert? Ah, es ist doch nur ein Edelweiß gesichtet worden, puh. Der Tag ist gerettet.

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Die Region um Wolkenstein ist ein MTB-Erlebnispark. Perfekt für Touren mit dem Nachwuchs. 

Nach dem etwas felsigen Dolomiten-Gestein rollen unsere Stollenreifen nun auf grüner Wiese dahin. Langsam arbeiten wir uns tiefer in den Wald hinein. Wir befinden uns auf einer der schönsten und längsten Trail-Abfahrten der Dolomiten, der Strada de la Vena. Die Strecke ist schnell und vom Regen ganz schön ausgewaschen. Ich fahre voraus. Kurze Stopps zur Orientierung sind wichtig, auch um den Kids die Möglichkeit zu geben, die Hände zu entspannen. Ich warte immer so lange, bis sich wieder alle sammeln und vielleicht noch die Highlights der letzten Meter austauschen. Dann allerdings geht es zügig weiter. Trödeln macht nur den schönen Flow zunichte. Wir rollen durch einen kleinen Ort und biegen nach der letzten Scheune in den Trail ein. Doch huch, aber was ist da los? Eine breite Schotterpiste hat das ehemals schmale Trail-Band ersetzt und lässt eine Art Meuterei auf der Bounty aufkommen. "Voll langweilig …" , rufen die Kinder enttäuscht. Wenig später steigt die Laune dank heißer Schokolade im Orts-Café wieder. Das ist eine der essenziellen Erfahrungen unseres viertägigen Familien-Trips. Regelmäßiges Essen ist wichtig. Kinder merken nicht, wenn sie Hunger haben und fahren sich gerne in den Hungerast, solange der Spielsinn gefordert ist. Wird es langweilig, ist die Stimmung schnell im Keller.

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Kinder brauchen zwischendurch aber  Abwechslung. 

Der untere Teil der Abfahrt hält noch ein paar Trail-Happen bereit – und schon johlen die Kinder wieder.

Im kleinen Örtchen Caprile startet schließlich das Finale. Ein Shuttle bringt uns eine Etage höher nach Arabba. Von hier gelangen wir wieder auf die Spur der Sella Ronda. Am Passo Pordoi geht es über den Infinity-Trail hinab ins Fassatal bis nach Campitello. Hier könnte man noch eine Bikepark-Runde auf den Strecken von Canazei dranhängen, aber wir sind spät dran. Wir wollen die letzte Gondel auf den Col Rodella erwischen. Spät abends rollen wir wieder in Wolkenstein ein. Es war doch wieder länger als erwartet. Aber alle sind glücklich und wollen nur noch Pizza.

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Hier geht's zum Family-Trail...


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Holger Meyer am 26.08.2019