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Seite 2: Bikepacking: Abenteuer auf dem Mountainbike

MTB-Abenteuer vor der Haustüre: Bikepacking: Tipps von Fahrrad-Journalist Gunnar Fehlau

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 4 Jahren

Waren das Zeiten, als sich der Mensch auf der Suche nach Nahrung durch die Wildnis schlug. Mit einem Mountainbike macht das sogar richtig Spaß. Bikepacking nennt sich die neue Lust zur Alltagsflucht.


"Morgendliches Vogelgezwitscher finde ich tausend Mal besser als Highway to Hell unterm Gummistartbogen." (Gunnar Fehlau (43), Fahrrad-Journalist)

Lang und entspannt, statt kurz und hart: Gunnar Fehlau zelebriert Abenteuer-Biken seit vielen Jahren. Er fuhr mit dem Fatbike die Strecke des legendären Langstreckenrennens Trondheim–Oslo ab – im Winter. Er startete bei der Tour Divide, unternimmt gerne ausschweifende Overnighter-Trips und ist der Gründer der berühmt-berüchtigten Grenzstein Trophy. Kaum einer kennt sich besser aus, wenn es um Planung und Ausrüstung geht.

Daniel Klawczynski Gunnar Fehlau auf Tour


Was ist die Definition von Abenteuer?
Abenteuer fängt da an, wo ich offen bin für Unvorhersehbares – wenn ich die Kontrolle aufgebe und keinem exakten Plan mehr folge. Je weniger Verbindlichkeiten ich dabei mit der Zivilisation und dem Alltag habe, desto besser wird es.


Warum sehnen sich Menschen nach Abenteuer, obwohl sie eine kuschelige Wohnung in Supermarktnähe haben?
Das ist genau der Punkt. Alles ist klar, sauber und planbar. Wir leben doch alle in Kokons, manches Mal denke ich, es ist ein bisschen wie in den Filmen "Die Truman-Show" oder "Matrix". Wir wollen uns auch mal direkt spüren, die Natur wahrnehmen – ohne Filter.


Kann man Abenteuer planen, oder schließt sich das per definitionem aus?
Freilich wirkt das erst einmal wie ein Widerspruch. Das ist wie bei der Improvisation im Jazz: Das steht nicht auf dem Blatt, das ist nicht durchgeplant. Aber im Jazz ist Raum dafür. Und so funktioniert das beim Bike-Abenteuer auch: Man muss sich zeitlich, räumlich und geistig Raum fürs Abenteuer geben und dann locker mit Zuversicht und Freude aufbrechen.


Wie viel Abenteuerpotenzial steckt denn in einem voll erschlossenen Land wie Deutschland?
Man möchte meinen, dass das mit den Abenteuer-Touren alles gerade erst losgeht in Deutschland, aber ich kenne so viele Leute, die das einfach schon immer irgendwie gemacht haben. Auch ich kann mich an Eintages-Touren mit Kumpels erinnern, bei der wir für eine Nacht im Wald geschlafen haben. Da waren wir 15 oder 16 Jahre alt und hatten ein paar Flaschen Malzbier dabei. Es sind noch so viele Wege unbefahren, und an so vielen Plätzen hat noch kein Biker sein Biwak errichtet.


Was für Abenteuer kann man als Biker vor der Haustür erleben?
Das ist sicher für jeden anders. Ich habe da zwei Modi: Race und relaxed. Racing bedeutet Self-Support-Races à la Tour Divide, wo man wochenlang allein unterwegs ist. Die Grenzstein Trophy entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die ich vor ein paar Jahren ins Leben gerufen habe, ist eine ähnliche Herausforderung. Da geht es ans Limit, und die Freude liegt im gelungenen Surfen genau an der Leistungsabbruchkante – über viele Tage hinweg. Da gibt es immer mehr Events in Europa. Im Prinzip kann man aber auch direkt vor der Haustür starten und sich einfach eine bestimmte Route vornehmen. Im Relaxed-Modus geht es aufs Rad und in die Natur, um den Kopf klarzubekommen.


Und da geht für mich nichts über einen Overnighter, also eine entspannte Tour mit Outdoor-Übernachtung. Was ist so toll daran, draußen zu schlafen?
Bei den Races ist es schlicht eine Zeitfrage. Es geht schneller. Du fährst bis in die Dunkelheit, und bei Sonnenaufgang geht es direkt weiter. Eine Hotelübernachtung ist mit Check-in und den Frühstückszeiten schlicht zu langwierig. Generell ist es so, dass du an kaum einem anderen Ort die aktuelle Jahreszeit so fein spüren und mit allen Sinnen wahrnehmen kannst, wie während einer Nacht im Wald.

Privatfoto Fahrrad-Journalist Gunnar Fehlau

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Gunnars Tipps

Der Reiz von Abenteuern ist der Überraschungsfaktor. Dennoch sollte man nicht alles dem Zufall überlassen. Gunnar Fehlau sagt, worauf man achten sollte.


Routenplanung

Nur kein Stress: Lange Touren mit einer Reisegeschwindigkeit von 12 km/h planen, dann ist Zeit für Pausen. Immer mehrere Routen zum gleichen Ziel planen, die sich immer mal wieder kreuzen. So bleibt man flexibel und kann, wenn nötig, auf einen anderen Routen-Verlauf wechseln. GPS-Navigation ist top. Dennoch: Nie ohne analoge Karte fahren. Das beruhigt die Nerven und verschafft bei Problemen immer noch den besten Überblick.

Peter Neusser Routenplanung fürs Bikepacking


Ernährung

Wer sich in eine menschenleere Zone wagt, sollte es machen wie die Kamele: Fahre immer gut genährt und mit Wasser aufgetankt aus der Zivilisation heraus. Das Essen, das man mitnimmt, sollte eine gute Mischung darstellen. Obst, Brot, Süßes. Im Sommer nichts kaufen, was über Nacht verderben kann. Kältewandlung nutzen! Gefrorener Fisch kann beim Auftauen das Feierabendbier herunterkühlen.

Ryan Creary Der richtige Proviat fürs Bikepacking ist ein wichtiger Punkt für eine unbeschwerte Tour.


Übernachtung

Mücken nerven. Nasse Klamotten auch. Deshalb: Den Schlafsack eher nicht direkt an Flussufern ausrollen. Der Wasserpegel könnte ansteigen, etwa nach einem Gewitter. Und in Wassernähe sind quasi immer Mücken. Wer ausschlafen will, sollte im Sommer einen Westhang nehmen (Schatten!). Alle Kleidung, die man morgens anziehen möchte, am besten mit in den Schlafsack nehmen. Da bleiben sie warm und trocken.

Andrea Kohlndorfer Der richtige Platz für die Übernachtung

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