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USA: Supertrail Toro Park nahe Monterey, Kalifornien

California Dreaming: Pipeline-Supertrail im Toro Park

Jan Sallawitz am 12.04.2019

In Nordamerika wird die Bike-Saison jedes Jahr mit dem Sea Otter Classic im kalifornischen Monterey eröffnet. Eine Festival-Party, auf der dieser Abfahrtsrausch im Toro Park nicht fehlen darf.

Sie kennt ihn noch nicht, sie kennt ihn noch nicht! Ich rolle mit der amerikanischen Enduro-Queen Teal Stetson-Lee durch das Tor in den Toro County Park und kann mein Glück kaum fassen. Als Europäer werde ich ihr gleich einen echten Supertrail in ihrer Heimat zeigen. Und natürlich wird er ihr gefallen. Schließlich hat ihn mir vor ein paar Jahren kein Geringerer als Freeride-Legende Wade Simmons verraten.

Aber wir müssen uns beeilen. Wie alle amerikanischen Naturparks, ist auch der Toro Park stark reglementiert: Um fünf Uhr nachmittags wird das Tor für Biker geschlossen. Auf einer sanft ansteigenden Asphaltstraße geht’s an Picknick machenden Familien und Baseball-Grüppchen vorbei. Vereinzelt spenden ein paar Korkeichen Schatten. Doch mit der Anzahl der Bäume nehmen auch die Steigungsprozente der Straße bald deutlich zu. Irgendwann ist der Asphalt zu Ende, und wir rollen auf sandigem Schotter dahin. Jetzt wieder flacher und ohne Spaziergänger – der Wald gehört uns.

"Achtung, Poison Oak!", warnt mich Teal und deutet auf kleine Büsche am Wegesrand. Harmlos sehen sie aus. Wie kleine Eichensetzlinge. Doch diese Kollegen hier sind mit giftigem Öl benetzt. Wer sie berührt, bekommt mindestens einen schweren Ausschlag. Davon hatte Wade letztes Mal gar nichts erzählt. "Tja, der kommt aus Kanada, da gibt es das Problem nicht", erklärt Teal. "Am besten, Du berührst einfach nichts Grünes im Wald."


Die GPS-Daten zum Pipeline-Supertrail können Sie kostenlos am Ende dieses Artikels im gpx-Format herunterladen.

Fotostrecke: California Dreaming: Pipeline-Supertrail im Toro Park


Zum Glück reißt der Wald ohnehin bald auf. Vor uns tut sich eine weite Hügellandschaft auf. Kniehohes Gras wiegt sich im Wind – zur filmreifen Westernkulisse fehlt nur noch die Büffelherde. Doch stattdessen geraten wir in eine gluckernde Gruppe von Truthähnen. Auf einem ausgewaschenen Feuerweg geht’s jetzt in drei Wellen richtig steil bergauf, doch dann ist es geschafft. Richtung Westen überblickt man von hier oben die Küstenlinie von Santa Cruz, die sich gen Süden erst bei Big Sur im Dunst verliert. Der Trail startet zwischen zwei verkrüppelten Korkeichen, deren Wurzeln einen groben Teppich für uns ausgelegt haben. In steilen S-Kurven geht’s ins Dickicht. "Fahrvergnügen!", ruft Teal. Ein Wort, das die Amis aus einer deutschen Autowerbung kennen und inflationär benutzen. Tatsächlich beginnt nach dem ruppigen Einstieg nun der Flow-Part auf Lehmboden. Mulden und Wellen lassen Pumptrack-Feeling aufkommen, doch Vorsicht: Manche Kurven neigen bergab zum Zumachen. Wer aus der Spur schießt, landet sehr viel tiefer in einem Bachbett. Irgendwann öffnet sich der Wald, und wir tauchen wieder in diese typisch kalifornische Graslandschaft ein. Jetzt im goldenen Abendlicht.

Doch die "Pipeline" ist noch lange nicht zu Ende. Nach einer traumhaften Highspeed-Serpentinen-Kombination folgt er jetzt dem Bach, den wir von oben gesehen haben. Doch nun taucht immer mal wieder ein Wasserrohr aus Eisen aus dem Boden auf. Mal parallel zum Weg, mal kreuzt es, manchmal nervt es genau in der Fahrlinie. Da das Rohr sehr rutschig ist, hilft auch hier nur die Nicht-berühren-Strategie. Und Vollgas. Nach einem Gap über den Bach (wir verweigern, Wade damals nicht) schießen wir die letzten Trail-Kilometer in den kalifornischen Sonnenuntergang. Als wir das Pförtnerhaus passieren, sind wir scheinbar die letzten Gäste im Park. Ein kurzes "Daumen hoch" zum Ranger, dann direkt zum Auto. Hier wartet die vielleicht beste amerikanische Tradition auf uns: ein eiskaltes Dosenbier aus der Kühlbox.


Der Trail

Auf den MTB-Trails im Toro Park, im Hinterland von Monterey, fanden schon Enduro-Rennen statt. Er liegt ca. 160 Kilometer südlich von San Francisco. Der Pipeline-Trail selbst ist bis auf wenige Schlüsselstellen leicht fahrbar. Insgesamt: 15,2 km und 650 hm. Infos: www.seemonterey.com

Pipeline Supertrail Karte

Wie alle amerikanischen Naturparks, ist auch der Toro Park stark reglementiert: Um fünf Uhr nachmittags wird das Tor für Mountainbiker geschlossen.


Jan Sallawitz

Jan Sallawitz: Der Marketing-Chef von Evoc liebt exotische Bike-Ziele. Die kalifornischen Trails haben es ihm besonders angetan.


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Jan Sallawitz am 12.04.2019