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Neuseeland Südinsel: Supertrail am Coronet Peak

Kurviges Meisterwerk: Rude-Rock-Trail

Dominik Kopp am 28.02.2018

Wenn es einen Fahrstuhl durch den Mittelpunkt der Erde gäbe, könnte man als Deutscher bequem auf Neuseelands Südinsel am Coronet Peak aussteigen und dieses Trail-Meisterwerk abkurven.

Direkt am Südost-Ufer des Lake Wakatipus steigen die Remarkables in den Himmel. Beeindruckend, wie ihre steilen Bergflanken scheinbar direkt aus dem türkisfarbenen Wasser wachsen – über 2300 Meter hoch. Zu Füßen dieser Berge hat sich die kleine Stadt Queenstown eingenistet. Von hier aus starten sämtliche Outdoor-Sportler in ihr Abenteuer. So wie wir. Mountainbiker können hier aus einem kleinen Pool von Trails auswählen, aber da ist eben dieser eine, den man hier, am anderen Ende der Welt, auf keinen Fall verpassen darf: der Rude Rock am Coronet Peak.

Wir haben uns bei Vertigo Bikes zwei Enduro-Bikes geliehen und die Frage "mit oder ohne?" einstimmig mit "mit" beantwortet. Daher sitzen wir jetzt mit anderen Bikern im Shuttlebus und kurven durch eine völlig baumlose Landschaft die Berge hinauf. Manchmal sieht man den Trail neben der Straße durch die Grasflanken schneiden – was uns noch heißer auf die Abfahrt macht. Auf dem Parkplatz des Coronet-Peak-Skigebiets lässt uns der Busfahrer schließlich raus. Zum Trail-Einstieg müssen wir von hier aus noch kurz und knackig selbst hochtreten, aber so sind wenigstens die Beine warmgefahren.

Neuseeland, Rude-Rock-Trail

Die Trail-Bauer haben jede Geländemulde genutzt, um dem Rude Rock natürlichen Schwung zu verleihen.
 

Bäm, da liegt er vor uns! Ein Singletrail, der durch eine ziemlich bucklige Bergflanke kurvt und hüpft. Wie mit der Silikonspritze gezogen, schmiegt er sich in alle Geländeunebenheiten und nutzt jeden Gegenanstieg und jeden kleineren Hügel für einen besonderen Dreh. Schon mit den Augen macht das Abfahren Spaß. Wir rollen los und finden auf dem Erdband sofort einen harmonischen Rhythmus. Treten müssen wir nie und bremsen nur, wenn der Trail etwas steiler abkippt. Dafür lenken wir viel. Gewicht verlagern, Wellen wegdrücken. Mit knapp 30 Stundenkilometern fliegen wir durch die Anlieger und schütteln uns einen innerlichen Cocktail aus Adrenalin und Endorphinen zurecht. Nach etwa zwei Drittel der Abfahrt hält der Weg auf einen frei stehenden Bergkamm zu. Ein Balanceakt, auf dem man kurz anhalten muss, sonst hat man einfach kein Auge frei für das filmreife Panorama dahinter. Weiße Schneegipfel staffeln sich bis weit in den Horizont, so kenne ich Neuseeland – bisher allerdings nur von Bildern.

Neuseeland, Rude-Rock-Trail

Rude, also "grob", ist der Trail nicht, aber zum Teil schon etwas ausgesetzt.

Kurz nach dem Bergkamm dröselt sich der Trail in verschiedene Anschlussmöglichkeiten auf. Wir biegen auf den "Pack, track and sack"-Trail ab und erleben nun einen technischeren, naturbelassenen Singletrail, der gut vier Kilometer lang durch den beeindruckenden Skipper’s Canyon führt. Vor 30 Meter tiefen Abgründen direkt neben dem Trail darf man sich hier allerdings nicht fürchten. Ich persönlich erlebe hier ein Déjà-vu und komme erst nicht drauf, wo ich diesen Canyon schon mal gesehen habe. Doch dann fällt es mir wieder ein: "Follow me", ein Video von den beiden Downhill-Profis Gee Atherton und Stevie Smith. In dem Film jagen sich die beiden auch noch den Zoot-Trail hinunter. Die Abfahrt wurde unterhalb des Rude Rocks angelegt, ist daher auch etwas kürzer, aber schneller. Hier sind verwegene Spurwechsel möglich zwischen der schwierigeren rechten Spur und der leichteren linken Linie. Gee und Stevie liefern sich in dem Film einen Schlagabtausch. Was man nicht zu sehen bekam: die Gegenanstiege. 600 Höhenmeter muss man auf dem Zoot insgesamt bergauf treten. Dem Rude Rock kann er aber nicht das Wasser reichen. Der ist einzigartig und rangiert definitiv weit oben auf meiner Top-10-Liste. 


GPS-Daten zur Tour gibt’s unter www.nzbybike.com

Infos
Bikepark Queenstown: www.skyline.co.nz und www.vertigobikes.co.nz

Neuseeland, Rude-Rock-Trail

Rude-Rock-Trail am Coronet Peak


Dominik Kopp: Das 28-jährige Enduro-Ass aus Freiburg war während seiner Schul- und Studiumzeit viel im Schwarzwald auf der "Boarderline" am Königstuhl unterwegs. Vor zwei Jahren zog es ihn nach Sydney. Dort kann er vor der Arbeit surfen gehen und für ein verlängertes Wochenende auch mal nach Neuseeland rüberfliegen.

Neuseeland, Rude-Rock-Trail

Dominik Kopp, Enduro-Ass


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Dominik Kopp am 28.02.2018