BIKE Header Campaign
Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

Die 6 beliebtesten Inseln für Mountainbiker im Duell

Gitta Beimfohr am 20.09.2019

Laut Bauernregel folgt auf einen heißen Sommer ein harter Winter. Aber wie gut eignen sich Europas typische Winterziele zum Aufwärmen und Biken? Hier drei Insel-Duelle als Entscheidungshilfe.

Duell 1: die beiden Klassiker Mallorca gegen La Palma

Mallorca (Spanien) - Foto oben

Eine Flugverkehrsanbindung wie das städtische S-Bahn-Netz, Mandelblüten im Januar, günstige Fincas und leckeres Essen – die Balearen-Insel ist das beliebteste deutsche Radfahrer-Domizil. Jedenfalls unter Rennradfahrern, die eisfreie Bergstraßen fürs Grundlagentraining suchen. Abseits der Asphaltkurven stößt man auf Mallorca dagegen schnell an Grenzen in Form von Privatbesitzzäunen. Manche Grundeigentümer wollen nur Wegezoll kassieren, andere meinen es mit der Ausgrenzung von Bikern furchteinflößend ernst. Es lohnt sich daher, auf der Insel einen Bikeguide zu engagieren. Er weiß diese Schlüsselstellen zu umfahren, kennt die schönsten Trails und steuert Einkehrstationen an, die im Winter auch geöffnet haben. Denn nach den deutschen Herbstferien machen auch auf Mallorca die meisten Touristen-Lokale bis Ostern dicht. Ein gewisses Insider-Wissen ist also vonnöten, um auf der Insel im Winter eine gute Zeit zu haben – und eine gute Fahrtechnik!

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

FACTS zu Mallorca

Touren-Infos: Auf eigene Faust möglich: Mega Trail Mallorca, eine 240 km und 8000 hm lange, fahrtechnisch anspruchsvolle Runde durchs Tramuntana-Gebirge. Infos und GPS-Daten unter www.megatrails.com
Geführte Touren: z. B. bei www.rad-international.de, www.roxybikes.de, www.m-bike.com, www.vamos24.com

PLUS   Mallorca wird von Deutschland aus mehrmals täglich angeflogen, der Flug dauert nur zwei Stunden.
MINUS   Von November bis Ostern sind viele Restaurants und Shops geschlossen. Es kann auch kalt und nass werden.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

La Palmas hohe Vulkankrater rechen die Passatwolken vom Himmel, so bleibt die Westseite meist trocken. 

La Palma (Spanien)

Mallorca ist zwar von der Fläche her fünfmal so groß wie La Palma. Aber die Kanaren-Insel ist fast doppelt so hoch. Das sorgt zum einen für eine meist sonnige Insel-Westseite, aber vor allem für deutlich längere Abfahrten. Und genau das ist es, was jeden Winter so viele Mountainbiker nach La Palma lockt. Hier starten die Abfahrts-Trails oben am erloschenen Vulkankraterrand und enden erst wieder ganz unten am schwarzen Lavasandstrand. Dazwischen liegt eine stundenlange Trail-Abfahrt auf Vulkanasche, über scharfkantiges Lavagestein, durch Lorbeer- und Kiefernwälder und schließlich auf ruppigen Pflasterwegen mit Meerblick. Entsprechend kräftezehrend wären die Auffahrten, wenn man sie selbst erstrampeln würde. Auch hier lohnt sich daher die Pauschalbuchung inklusive Shuttle bei einer Bike-Station. Oder die Taxi-App von La Palma-Freeride (siehe Touren-Infos), mit der man sich unabhängig shuttlen lassen kann. Im Gegensatz zu Mallorca herrscht auf La Palma im Winter zwar Hauptsaison, aber eine Kneipenmeile gibt es nicht. Fazit: Ambitionierte Trailbiker sind auf La Palma deutlich besser aufgehoben.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

FACTS zu La Plama

Touren-Infos: Touren-Buch, das online stets aktualisiert wird: "Mountainbike-Guide La Palma" von R. Schanze und S. Schüler. Buch, Infos und GPS-Daten gibt’s über www.mtb-lapalma.com

Geführte Touren: z. B. www.atlantic-cycling.com, www.lapalmafreeride.com (mit Taxi-App), www.bikenfun.de, www.bike-station.de, www.magic-bike-lapalma.com

PLUS   Sollte das Wetter mal umschlagen – alle Gipfel über 2000 Meter Höhe bohren sich durch die Wolken. Exotische Landschaft!
MINUS   Zu den Trail-Einstiegen sind immer Shuttle oder Mietwagen nötig. Am Gipfel ist es oft frostig kalt.


Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

Jedes Jahr im Februar fliegt die internationale Cross Country-Elite zum Sunshine-Cup nach Zypern.

Duell 2: Zypern und Sizilien gehören zu den größten und südlichsten Mittelmeerinseln. Die Temperaturen sollten passen. Ihr Touren-Potenzial: noch viel Raum für Entdecker.

Zypern (Griechenland/Türkei)

17 Grad im Februar. Aber nicht die Luft-, sondern die Wasser-Temperatur! Die östlichste und drittgrößte Mittelmeerinsel wird von den Wüstenwinden der Arabischen Halbinsel mitgeheizt. Regentage sind hier ebenso selten wie die Begegnung mit einem anderen Mountainbiker im Inselgebirge. Außer, Sie reisen ausgerechnet zum Sunshine-Cup Ende Februar an. Dann treffen Sie auf Tour wahrscheinlich die Weltelite des Cross-Country-Sports an. Die Racer treten hier seit 17 Jahren zu ihrem ersten viertägigen UCI-Leistungstest der Saison an. Auch Hobbybiker dürfen sich hier mit den Profis messen. Wer es ruhiger angehen will, dreht seine eigenen Runden entlang der Küsten oder auf den Schotterkurven durchs einsame Troodos-Gebirge. Die Pisten schwingen sich auf fast 2000 Meter Höhe hinauf und geben meist – dem Wüstenklima entsprechend – baumfreie Sicht aufs Mittelmeer. Trails findet man auf Zypern eher selten. Allenfalls an der Küste warten ein paar felsdurchsetzte Pfade mit Stufen und Sandpfannen, die nach geschickten Fahrmanövern verlangen. Ansonsten eignet sich die Insel vor allem zum Sonne- und Kilometertanken.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

FACTS zu Zypern

Touren-Infos: Zypern ist noch so etwas wie Entdeckerland. Gute Karten gibt es nicht, aber ortskundige Guides, die auch ein paar Touren bei outdooractive.com eingestellt haben. Tipp: Trans-Zypern, eine geführte 7-Etappen-Tour entlang der Nordküste. Infos: www.zypernbike.de
Cyprus Sunshine-Cup, 21.-24.2.2019, www.cyclingcy.com

PLUS   Wettersicherheit, Ruhe und Meer mit Badetemperaturen. Vitamine in Form von Granatäpfeln und Orangen direkt vom Baum.
MINUS   Der reine Fahrspaß samt technischer Herausforderungen kommt auf Zypern recht kurz. Karge Landschaft, auf Dauer etwas eintönig.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

Siziliens großer Trumpf: der Ätna. Der 3323 Meter hohe Vulkan sorgt regelmäßig für Feuerwerk.

Sizilien (Italien)

Es ist die größte Insel im Mittelmeer, mit dem höchsten Vulkan Europas. Aber der Ätna rutscht. Wissenschaftler haben kürzlich eine Studie vorgelegt, nach der der Gipfelaufbau des Vulkans zu schwer ist. Der Berg droht nach unten abzusacken und infolgedessen irgendwann zur Meerseite hin abzuplatzen. Allein das wäre schon ein Grund, den Trails an den stetig dampfenden Vulkanflanken vorher noch mal einen Besuch abzustatten. Seilbahn und Shuttle helfen dabei bergauf, und die Guides von Etnariders kennen die Abzweige auf die spektakulärsten Asche-Trails. Aber auch die Nordküste Siziliens hat ein paar spannende Runden zu bieten. Rund um Cefalù tourt man dabei durch die nur halb so hohen Monti Nebrodi und Monti Madonie. Im Auf und Ab geht’s auf Schotterstraßen durch die wilden Obstgärten Siziliens, wo immer mal wieder ein schöner Singletrail mit Blick auf Meer und verschneite Berge abzweigt. Nach starken Regenfällen verwandeln sich diese Trails aber in klebrige Lehmrutschen. Die Punkte für Landschaft und Trails gehen eindeutig an Sizilien. In Sachen Wärme und Sonnengarantie hat Zypern die Nase vorn.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

FACTS zu Sizilien

Touren-Infos: Die besten Ausgangspunkte für Biker sind der Ort Cefalù an der Nordküste, Touren-Infos bei Bike-Station Kalura, www.bikestation-kalura.de und Catania am Ätna. Hier kennen sich die Guides von Etnariders am besten aus (mit Shuttlebus), Infos: www.etnariders.it

PLUS   Spektakuläre, abwechslungsreiche Landschaften, spannende Trails und schöne Städte zum Shoppen und Essengehen.
MINUS   Wenn man Pech hat, brodelt der Ätna gerade so stark, dass die Trails gesperrt sind. Längere Regenperioden sind möglich.


Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

Beste Aussicht und Lieblings-Trail-Berg der Einheimischen: Pico da Barrosa (947 m).

Duell 3: Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, wo Enduro-Racer eigentlich ihre Frühjahrs-Fitness herhaben – viele überwintern auf den exotischen Trail-Wundern Madeira und Azoren.

Azoren (Portugal)

Die neun Vulkaninseln liegen nordwestlich von Madeira, und zwar exakt mittig im Atlantik. Die Größte davon, Sao Miguel, ist etwas kleiner als Madeira, landschaftlich aber mindestens so aufregend. Auch hier haben einst Vulkane eine steile Felskulisse aufgetürmt, die heute von sattem Grün überwuchert ist. Am Gipfel schweift der Blick frei über einen tiefblauen Kratersee und Talfurchen, die scharfkantig zum Meer hin auslaufen. Folgt man den Trails bergab, wird man von dschungelartigen Wäldern verschluckt und erst nach einer sportlichen Challenge mit nassen Wurzeln, tief hängenden Lianen, Dornen, Kakteen und von Hand geschaufelten Drops in der nächsten Ortschaft wieder ausgespuckt. Nach dem Vorbild Madeiras hat sich auf den beiden östlichsten Azoren Sao Miguel und Santa Maria (halb so groß wie Elba) eine einheimische Enduro-Szene etabliert. Shuttle-Fahrzeuge gehören bereits zum normalen Verkehrsbild, Biker mit Hacke und Schaufel am Rucksack auch. Insgesamt hat Madeira das größere Trail-Potenzial. Die Azoren locken aber auch mit Strand und Musik-Festivals.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

FACTS zu Azoren

Touren-Infos: Es gibt weder Trail-Karte noch Touren-Buch von den Azoren. Am besten bucht man eine pauschale Woche mit fünf Tagen auf Sao Miguel plus zwei Tagen auf Santa Maria. Darin sind auch die Shuttle-Fahrten und der 15-Minuten-Flug nach Santa Maria enthalten. Infos: www.azoresadventureislands.com, www.smatur.pt

PLUS   Die Trails sind noch nicht so stark befahren wie auf Madeira, und es gibt Sandstrände zum Baden und Surfen.
MINUS   Berge und Trail-Anzahl sind nur halb so hoch wie auf Madeira. Die Flüge sind teurer und gehen im Winter nur via Lissabon.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

Madeira ist für ihre Blumenpracht berühmt, dabei sind ihre steilen Felsflanken noch spektakulärer.

Madeira (Portugal)

Es hat schon einen Grund, warum so viele Enduro-affine Engländer ihre Freizeit im Winter auf Madeira verbringen. Die berühmte "Blumen-Insel" im Atlantik hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Trailcenter entwickelt. Auf der ganzen Insel kurven Naturpfade die Bergflanken hinunter. An deren Fahrbarkeit basteln die einheimischen Freerider mal nur leicht mit der Schaufel, mal helfen sie beherzt mit der Säge nach. Nur die Felsgrate der Gipfelregion sind für Biker tabu. So wächst das Trail-Netz der Insel jedes Jahr um einige aufregende Kilometer. Allerdings handelt es sich eher um die Sorte "anspruchsvoll". Mit steilen Hängen, feuchten Wurzelteppichen, verblockten Fels-Trails und Stufen sollte man sicher umgehen können, wenn man auf Madeiras vielseitigem Wegenetz Fahrspaß haben will. Bei manchen Abfahrten genügt ein kurzer Regenguss, und der Untergrund verwandelt sich in Schmierseife. Apropos Wetter: Die Frühlingstemperaturen sind sicher, die Schauerwahrscheinlichkeit aber leider auch.

Winterreise: Insel-Hopping in Südeuropa

FACTS zu Madeira

Touren-Infos: Enduro-Rennen "Trans Madeira", das Highlight des Jahres vom 11. bis 12. Mai 2019: 5 Tage, 200 Kilometer und 30 Stages. Infos: www.trans-madeira.com
Die besten GPS-Daten, Touren-Guides und Shuttle-Services gibt’s bei Bikulture und Freeride Madeira, www.freeridemadeira.com

PLUS   Gute Infrastruktur für Biker dank einer engagierten lokalen Enduro-Szene. Extrem vielseitige Trails.
MINUS   Wenige Trails sind für Einsteiger geeignet, wechselhaftes Wetter und: sehr abenteuerliche Flughafenlandebahn!


Diesen Artikel finden Sie in BIKE 12/2018. Die gesamte Digital-Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Print-Ausgabe im DK-Shop nachbestellen – solange der Vorrat reicht:

iTunes StoreGoogle Play Store

Gitta Beimfohr am 20.09.2019