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Mountainbike-Tour spanische Pyrenäen

Spanien: Sierra de Guara

  • Jan Sallawitz
  • Holger Feist
 • Publiziert vor 12 Jahren

Keine Mountainbike-Trails in der spanischen Sierra de Guara? Wie erst eine Panne doch noch ins Königreich führt...

Was?! WAAS?! Ich versteh kein Wort, von dem, was Stefan mir zu sagen versucht. Ich rutsche mit den Füßen noch etwas näher an den glitschigen Felsvorsprung heran und halte meine Hand hinters Ohr. Aber Stefan winkt ab. Hat keinen Sinn, das Tosen des Wasserfalls, der unter meinen Füßen in ein tiefes, schwarzes Loch stürzt, ist einfach zu laut. Stefan grinst jetzt, winkt und hält den Daumen hoch. Okay, kann also losgehen: Ich zupfe noch mal am Seil, hänge mein Körpergewicht vorsichtig rein und stoße mich vom Rand ab. Wow, schon das Sprühwasser ist kalt. Ich lasse mich weiter runter, bis ich direkt in den Wasserfall stoße. Tonnen von kaltem Nass donnern auf meinen Kopf, nehmen mir Sicht und Atem. Canyoning – für diesen Sport ist die Sierra de Guara weltberühmt.

Stefan Neuhauser Nördlich von Rodellar: Spektakuläre Felsnadeln entschädigen für die mühevolle Schiebe-Passage bergauf.

Fürs Mountainbiken dagegen gar nicht, bisher. Doch unser Guide Stefan verspricht, diese wilde Karstlandschaft in den südlichen Vorpyrenäen gebe auch ein paar schöne Trails her. Nur garantieren könne er es nicht, da er die spektakulären Schluchten nur vom Canyoning-Seil her kenne. Die Karten dieser Gebirgskette, nördlich der Stadt Huesca in der Provinz Aragon gelegen, weisen auf den ersten Blick eine Vielzahl an Bike-Routen aus. Steht man aber mittendrin in dieser Landschaft, sieht man die Wege vor lauter Felsen und Macchia-Gestrüpp erst mal nicht.

Von Rodellar aus, endet unser erster Ausritt in einem verblockten Flusstälchen, in dem sich gerade die Mittagshitze eingenistet hat. Die Landschaft ist fantastisch: Zwischen dramatischen Wandformationen, Felsnadeln, Bögen und Kuppeln erstreckt sich eine lichtdurchflutete Schluchtlandschaft wie aus dem Abenteuerbuch. Über kleine Wasserfälle plätschert kristallklares Wasser in türkisfarbene Becken, in die man einfach reinspringen möchte. Nur Fahrspaß fehlt zum perfekten Glück. In flirrender Hitze hebeln wir unsere Bikes schwerfällig durchs Gestrüpp und werden dabei ausgelacht. Von den vielen Libellen, die uns in der Luft stehend direkt ins Gesicht starren und von den Kletterern, die sich für diesen Anblick aus der Felswand mal schnell ins Seil zurücklehnen. Darüber, im blauen Himmelsstreifen, kreisen sogar ein paar Gänsegeier. Vielleicht sind es auch Schmutzgeier. Oder Schlangenadler? Im Reiseführer steht jedenfalls, dass es die hier gibt. Na ja, egal jetzt.

Viel wichtiger ist, wie wir jetzt endlich mal zum Fahren kommen. Laut Touren-Karte zählt dieser Weg nur zur zweitschwierigsten Kategorie. Eine Felsstufe höher schlängelt sich tatsächlich ein Trail leicht ansteigend, aber gut fahrbar durch eine kleine Wiese, die mit Findlingen übersät ist. Rechtskurve, Linkskurve, Rechtskurve um einen Busch, Mulde, Rechtskurve, Linkskurve – das ist der Flow, den wir uns gewünscht haben! Doch kaum ist dieser Gedanke zu Ende gedacht, stehen wir schon wieder vor einer verblockten Aufwärtsrampe. Keuchend schieben wir durch die pralle Sonne und verfluchen den Verfasser dieser “Bike-Karte”. Als sich unsere Flüssigkeitsvorräte dem Ende nähern, der Weg aber ohne Aussicht auf Fahrbarkeit immer weiter den Hang hinaufzieht, kapitulieren wir. Rückzug! Lieber wieder zurück und in die Gumpen springen, die wir vor einer Stunde passiert haben.

Am nächsten Tag gehen wir es schlauer an und erkundigen uns erst einmal ausführlich bei unserem Vermieter Omar, der auch Wander-Guide ist. Er empfiehlt uns eine Fahrt in die Sierra de Sebil hinauf. Das sei zwar fahrerisch sicher nicht so anspruchsvoll, dafür aber landschaftlich überwältigend.

BIKE-Infos für die Sierra de Guara

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Stefan Neuhauser Goldene Zeiten auf der Hochebene der Sierra de Montearagon: Traum-Trails gibt es hier bis zum Abwinken.


Was für Kletterer und Canyonisten ein Paradies ist, kann für Mountainbiker nicht wirklich schlecht sein...


Das Revier
Am Südrand der Pyrenäen, in der Region Aragon nördlich der Stadt Huesca, liegt der Nationalpark Sierra de Guara. Eine karstige Gebirgslandschaft mit ausgedehnten Wäldern und tief eingeschnittenen Canyons. Bizarre Felsformationen, spektakuläre Wände und enge Felskorridore mit kristallklaren Flüssen, Wasserfällen und Badegumpen sind ein Eldorado für Kletterer und Canyoning-Fans. Trotz einem Angebot an Bike-Karten (mit Vorsicht zu genießen!) und ausgewiesenen Bike-Touren (Fahrtrichtung oft unklar!) gibt es hier (noch?) so gut wie keine Mountainbiker. Nachdem wir einige sehr schöne Trails gefunden haben, wissen wir: ein Gebiet mit sehr großem Entdeckungspotenzial für Biker.


Anreise
Mit dem Flugzeug nach Toulouse oder Barcelona und von dort mit dem Mietwagen ca. drei Stunden in die Sierra de Guara. Von Barcelona aus fährt auch ein Bus nach Huesca.


Touren
Rodellar: Rund um den Kletterort gibt es anspruchsvolle Trails durch enge Canyons. Landschaftlich überwältigend. Schiebestrecken sind immer wieder möglich. Bierge: Nach Osten geht es über San Pallegrin auf einem langen Karrenweg immer nach Norden auf die Sierra de Sebil. Tolle Landschaft und grandioses Pyrenäen-Panorama. Alquezar: Von diesem malerischen Ort geht es nördlich in den Nationalpark hinauf: wunderschöne, technische Singletrails in beeindruckender Landschaft. Badegumpen!
Huesca: Nordöstlich der Provinzhauptstadt Huesca liegt die Sierra de Monte Aragon. Kurzer Anstieg zum Castillo de Montearagon, dort nordwestlich auf dem Karrenweg Richtung Fornillos. Richtung Südwest, an der Hangkante und in verschiedenen Trail-Stichen bergab.


Geführte Touren
Fotograf und Bergführer Stefan Neuhauser bietet ein Komplett-Paket an. Info: www.bergfuehrer-sn.de


Karten
Pirineos Centrales/Pirineo Aragones (Michelin) oder Parque de la Sierra Y Canoes de Guara (Pirineo).


Unterkünfte
Ausgesprochen nette Unterkünfte: www.casabarbara.net (Finca in Bierge), www.refugio-kalandraka.es (Lodge in Rodellar).


Den gesamten Artikel über die Mountainbike-Touren in der Sierra de Guara finden Sie unten als PDF-Download.

Themen: GuaraPyrenäenSierraSpanien

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